Bebraer Todesschütze vermindert schuldfähig

Sieben Jahre Haft für Mord an der Ehefrau

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Der Angeklagte und sein Verteidiger im Gerichtssaal.

Bebra/Fulda. Weil er seine Frau heimtückisch erschoss, hat das Landgericht Fulda einen 69 Jahre alten Steuerberater aus Bebra zu sieben Jahren Haft verurteilt.

Das Gericht billigte ihm zu, er sei stark vermindert schuldfähig gewesen. Verteidiger Christopher Posch kündigte an, Rechtsmittel zu prüfen.

"Selten waren das objektive Unrecht - der Mord ist das größte Unrecht, über das wir richten - und die Persönlichkeit des Täters - der Angeklagte wurde von allen als friedfertiger Mensch geschildert - so weit auseinander", sagte der Vorsitzende Richter Josef Richter.

Das Gericht habe keinen Zweifel, dass der Angeklagte nach mehrfachem Streit mit seiner Frau am frühen Morgen des 20. Februar 2014 zu seiner Jagdwaffe gegriffen und seine Ehefrau erschossen habe. Die Frau habe in ihrem Bett gelegen und dem Schützen nachweislich den Rücken zugewandt. Der Täter habe die Arg- und Wehrlosigkeit seines Opfers ausgenutzt. Deshalb habe er aus Heimtücke gehandelt.

"Ihre Frau war Ihnen hilflos ausgeliefert", sagte der Richter. Die Version des Angeklagten, er habe die Ehefrau bei einem Unfall erschossen, sei nicht plausibel.

Zur verminderten Schuldfähigkeit hätten mehrere Einflüsse geführt: Der Täter sei zur Tatzeit alkoholisiert gewesen mit bis zu 1,8 Promille. Er habe sich in einer emotionalen Ausnahmesituation befunden: Die jahrelange Last, mit einer psychisch kranken Frau zu leben, habe bei ihm zu einer Persönlichkeitsverformung geführt. Die Tat sei nicht lange geplant gewesen, sondern relativ spontan erfolgt. "Es war eine Verzweiflungstat. Der Täter fühlte sich überfordert", sagte Richter.

Das Gericht hielt dem Angeklagten zugute, er habe Reue und Scham gezeigt. Die sieben Jahre Haft seien ausreichend als Sühne und lassen dem Angeklagten die Möglichkeit, seinen Lebensabend im Kreise seiner Familie zu verbringen.

Von Volker Nies

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Dieser Artikel wurde um 16.55 Uhr aktualisiert.

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