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MVZ in Bebra soll im Januar öffnen

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Von: Clemens Herwig

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Die hausärtzliche Versorgung in Bebra wurde bereits 2019 als angespannt mit Aussicht auf einen dramatischen Engpass analysiert – altersbedingte Praxisaufgaben waren absehbar. Zuletzt hatte Dr. Akram Malakzay mit 68 Jahren in Weiterode (Foto) ohne Nachfolger geschlossen. In das Gebäude zieht nun eine Kita-Notgruppe ein. Archifvoto: Silke Schäfer-Marg
Die hausärtzliche Versorgung in Bebra wurde bereits 2019 als angespannt mit Aussicht auf einen dramatischen Engpass analysiert – altersbedingte Praxisaufgaben waren absehbar. Zuletzt hatte Dr. Akram Malakzay mit 68 Jahren in Weiterode (Foto) ohne Nachfolger geschlossen. In das Gebäude zieht nun eine Kita-Notgruppe ein. Archifvoto: Silke Schäfer-Marg © Schäfer-Marg, Silke

Das neue Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) in Bebra wird voraussichtlich erst im Januar 2023 seine Türen für Patienten öffnen.

Bebra – Das teilt Bürgermeister Stefan Knoche auf Anfrage unserer Zeitung mit. Der Rathauschef hatte ursprünglich auf einen Start im Oktober gehofft – „wenn alles absolut reibungslos läuft“. Das hat offenbar nicht geklappt: Die Personalsuche läuft noch, für die Räumlichkeiten des VR-Bankvereins im Haus Nora an der Apothekenstraße unweit des Einkaufszentrums in der Innenstadt muss ein Mietvertrag abgeschlossen werden.

Bei Umbau für die künftige Praxis sollen zudem die Wünsche der dann dort praktizierenden Mediziner berücksichtigt werden.

Kaufmännischer und medizinischer Geschäftsführer stehen fest

Doch es gibt Fortschritte beim ersten MVZ in kommunaler Trägerschaft im Landkreis. Mit dem Wirtschaftspädagogen und bisherigen Ersten Stadtrat Volkmar Hanf (56) und Kinderarzt Behcet Iscioglu (46) stehen der kaufmännische sowie der medizinische Geschäftsführer des städtischen Tochterunternehmens fest, das als Träger auftritt.

Die beiden Chefs der neugegründeten „be! med AöR – Das Gesundheitszentrum“ wurden Ende August in einer Sitzung des Verwaltungsrates berufen. Beide seien eng mit Bebra verbunden, brächten eine entsprechende Vita und Erfahrung mit und seien auch seine persönlichen Wunschkandidaten für den MVZ-Aufbau gewesen, so Bürgermeister Knoche, der qua Amt Vorsitzender des Verwaltungsrats ist.

Im Bebraer Parlament wird nicht noch mal gewählt

Das bedeutet auch, dass Bebra einen neuen Ersten Stadtrat bekommt: Volkmar Hanf hat seine Posten als Stellvertreter des Bürgermeisters mit Übernahme der neuen Aufgabe abgegeben. „Das ist mir tatsächlich nicht leichtgefallen. Ich hätte das gern parallel weitergemacht“, sagt der 56-jährige gelernte Betriebswirt, der 15 Jahre als Unternehmensberater und zuletzt für die Ausbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) tätig gewesen ist.

Rechtlich sei das aber „nicht sauber möglich“ gewesen, weil sein neuer Arbeitgeber als Anstalt öffentlichen Rechts eine Tochter der Stadt ist.

Volkmar Hanf (Gemeinsam für Bebra) hatte das Amt nach der Kommunalwahl vor eineinhalb Jahren von Ilse Koch (CDU) übernommen, neuer Erster Stadtrat wird nun laut Nachrückerliste der Breitenbacher Ernst-Olaf Mende (ebenfalls Gemeinsam). Erneut gewählt wird im Bebraer Parlament somit nicht. Der Heimleiter eines Altenhilfezentrums soll in der ersten Stadtverordnetenversammlung nach der Sommerpause am 22. September im Lokschuppen vereidigt werden.

Das Ziel: Funktionierende Strukturen aufbauen

Für die Geschäftsführer des neuen Bebraer MVZ-Träger sehen die Verträge 20 Wochenstunden vor, „in der Gründungsphase wird sich das nicht halten lassen“, ahnt Volkmar Hanf bereits. Ziel sei es jetzt, funktionierende Strukturen aufzubauen. Geplant wird in Bebra mit eineinhalb Sitzen der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), der erste Vertrag mit einem Mediziner sei unterzeichnet, so Bürgermeister Stefan Knoche.

Die Sitze müssten bei der KV beantragt und bei einer Zusage innerhalb von drei Monaten mit Leben gefüllt werden. Auch daher verschiebe sich der Öffnungstermin für das Gesundheitszentrum auf das kommende Jahr.

Wie viele Mediziner sich die Stellen letztendlich teilen werden, sei noch offen. Laut Geschäftsführer Volkmar Hanf gehe es auch darum, den Ärzten in Bebra ein attraktives Angebot bei der „Work-Life-Balance“ machen zu können. Mit weiterem für den Praxisalltag benötigen Personal gebe es bereits Gespräche, neben den Ärzten und Geschäftsführern werde die „be! med“ voraussichtlich drei bis fünf Beschäftigte anstellen, so Verwaltungsratschef Stefan Knoche. (Clemens Herwig)

Pilotprojekt im Kreis

Im Kampf gegen den Hausärztemangel geht Bebra im Landkreis Hersfeld-Rotenburg neue Wege: Im Juli hatte das Stadtparlament den Aufbau eines kommunalen MVZ im Haus Nora an der Apothekenstraße beschlossen. Auch in Hessen ist dieses Modell selten, laut Kassenärztlicher Vereinigung gibt es bisher nur zwei Versorgungszentren in kommunaler Trägerschaft – im Vogelsbergkreis durch einen Zusammenschluss mehrerer Gemeinden und in Schwarzenborn im Schwalm-Eder-Kreis.

Der hessische Hausärzteverband sieht ein „verstaatlichtes ambulantes Gesundheitswesen“ kritisch. Auch Dr. Martin Ebel, Verbandssprecher im Kreis, warnt vor einem kommunalen MVZ als Dauerlösung. In Bebra wurde die städtische Tochter „be! med“ als Träger zunächst mit einer halben Million Euro ausgestattet. Ziel ist es, die Gesundheitsversorgung langfristig wieder in private Hände zu geben. Für drei bis fünf Jahre werde das MVZ aber eine Belastung, hieß es zur Gründung der „be! med“.

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