In Bayern zehnfache Distanz

Nabu: Abstand zu Wohnhäusern ist zu gering

Windräder bestimmen das Bild: Das Foto zeigt die neuen Anlagen bei Sontra- Heyerode. Foto: Hohmann/nh

Solz. Mit fast 40 geplanten Windfeldern stehe der Landkreis Hersfeld-Rotenburg im Mittelpunkt der Windkraftentwicklung, ohne dass ein verträglicher Abstand zur Wohnbebauung - wie in Bayern vorgeschrieben - eingehalten werde.

Das kritisiert Dieter Gothe vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) aus Solz.

Obwohl die Windräder inzwischen 200 Meter hoch sind, ist nach wie vor in Hessen nur ein 1000-Meter-Abstand erforderlich.

„Wir forderten in unserer Stellungnahme zum Landesentwicklungsplan Hessen eine sogenannte 8-H-Regelung, die Bayern als wirtschaftlich erfolgreiches Bundesland mit der 10-H-Regel jetzt übertrifft“, erklärt der Nabu-Vertreter. Mit dem Gesetz ist jetzt in Bayern der Bau von Windrädern nur noch dann gestattet, wenn deren Abstand zur nächsten Wohnbebauung mindestens das Zehnfache der Anlagenhöhe (10-H) beträgt. Der Hessische Landesentwicklungsplan stammt aus dem Jahr 2000 und wurde zuletzt 2013 geändert.

Die Entscheidung in Bayern sei nicht nur positiv für die Bevölkerung, sondern beuge gleichzeitig der Entstehung von unverkäuflichen Übermengen an Strom und den daraus folgenden volkswirtschaftlichen Schäden vor. Auch bleibe dadurch noch die wirtschaftliche Chance erhalten, moderne Gaskraftwerke am Netz zu halten, anstatt sich weiterhin auf alte, dreckige, aber billige Kohlekraftwerke zur Deckung der Grundlast stützen zu müssen.

Gothe befürchtet, dass sich viele Menschen verstärkt Bayern als Ort für Arbeit, Leben und Erholung aussuchen werden und den zukünftig verspargelten Regionen - etwa in Waldhessen - den Rücken kehren werden. Man müsse feststellen: „Je mehr Windräder, desto ärmer die davon betroffene Region.“

Ausgleich der Interessen

In Bayern sind mit dem neuen Gesetz geringere Abstände von Windrädern zur Wohnbebauung im Einvernehmen innerhalb der Gemeinde sowie der betroffenen Nachbarkommunen möglich. Ausgenommen von der Regel sind Einödhöfe und Weiler, die nach dem Gesetz als nicht besonders schutzwürdig gelten. Für sie gelte weiterhin der Mindestabstand von 800 Metern nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz.

Der CSU-Abgeordnete Otmar Bernhard hatte das Gesetz mit den immer höher werdenden Windkraftanlagen begründet. Deshalb müsse auch der Schutz der benachbarten Bevölkerung verbessert werden. Man wolle einen vernünftigen Interessenausgleich zwischen denen, die Windräder bauen wollten, und denen, die davon betroffen seien. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann hatte betont, den Abstand eines Bauwerks in Abhängigkeit von dessen Höhe zu definieren, sei seit jeher Kernbestandteil der bayerischen Bauordnung. (ank)

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