Hassl und Groß passen

Bebra: Ex-Bürgermeister nehmen Mandate nicht an

Wird nicht erneut in Bebras Politik mitmischen – zumindest nicht in der ersten Reihe: Ex-Rathauschef Uwe Hassl.
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Wird nicht erneut in Bebras Politik mitmischen – zumindest nicht in der ersten Reihe: Ex-Rathauschef Uwe Hassl.

Sie saßen bereits im Chefsessel des Bebraer Rathauses, haben die Politik der Biberstadt über Jahre geprägt und bei der Kommunalwahl vor zwei Wochen viele Stimmen gesammelt. Nun steht fest: Die beiden ehemaligen Bürgermeister Uwe Hassl und Horst Groß werden nicht in der Stadtverordnetenversammlung in Bebra sitzen. Beide lehnen den Wählerauftrag ab.

Bebra - Hassl trat bei der Kommunalwahl als Spitzenkandidat der Freien Wähler an und sammelte 2694 Stimmen: Das sind zehn Prozent der gesamten Kreuze für die FWG. Seine Nachrückerin wäre Ingrid Ehlert: die Listenzweitplatzierte hatte rund die Hälfte von Hassls Stimmen erreicht. Auf eine annähernd vergleichsweise hohe Unterstützung kommt bei den „Besseren“, so der Wahlslogan der Wählergemeinschaft, nur Bernd Holzhauer (2112 Stimmen).

Hassl begründet den Rückzieher mit wiederholten persönlichen Attacken auf ihn: Er wolle nicht „als Ehrenamtler der Prügelknabe sein“. Als Bürgermeister habe er dafür zumindest noch „Schmerzensgeld“ bekommen. Der ehemalige Bürgermeister war nach dem Ende seiner Amtszeit mehrfach scharf im Stadtparlament kritisiert worden. „Ich kann mit denen nicht mehr in einer Stadtverordnetenversammlung sitzen“, sagt er – und meint vor allem die CDU. Im Februar hatte es zudem öffentlichen Ärger zwischen Hassl und Nachfolger Stefan Knoche gegeben: Der amtierende Bürgermeister war sauer über Gerüchte in den sozialen Netzwerken rund um angebliche Probleme bei den Wahlbenachrichtigungen, auch sein Vorgänger musste sich angesprochen fühlen.

„Ich dachte, es hört auf“, sagt Uwe Hassl über die Kritik an seiner Person. Das Ausmaß der Anfeindungen, die ihm in der heißen Phase des Wahlkampfes aus den sozialen Netzwerken und dem Kurznachrichtendienst WhatsApp zugetragen worden seien, habe ihn umgestimmt. „Ich hätte auch nicht gedacht, dass jemand Geld ausgibt, um mir sechs Jahre Nichtstun zu bescheinigen“, so der ehemalige Rathauschef, der sich damit auf eine gegen ihn gerichtete Anzeige in unserer Zeitung bezieht.

Als er den Entschluss gefasst habe, nicht erneut auf der Politikbühne stehen zu wollen, habe die Kandidatenliste der FWG bereits festgestanden, sagt Uwe Hassl. Ist das erst einmal der Fall, können die Listen nicht mehr geändert werden. Den Kandidaten steht es aber frei, ihr Mandat abzulehnen. Während der laufenden Wahl habe er nicht unter dem Druck einknicken wollen, sagt Hassl. Viele Briefwähler hätten da ohnehin bereits gewählt.

Den Vorschlag seiner Wählergemeinschaft, es im Parlament zumindest zu versuchen, hat er abgelehnt. Auch einen Platz im Magistrat schließt er aus. „Das Tischtuch ist zu sehr zerschnitten“, sagt der ehemalige Bürgermeister.

Er wolle zudem zwar nicht der Prügelknabe, aber auch nicht der Bremser sein, der als Stein des Anstoßes möglichen Allianzen in Bebras Stadtparlament entgegensteht.

Horst Groß erhielt bei der Kommunalwahl für die Bebraer Stadtverordnetenversammlung 2846 Stimmen – mehr Zustimmung verzeichnete bei der CDU nur Spitzenkandidat Friedhelm Claus (3597). Groß hatte sich bereits am Tag nach der Wahl auf Nachfrage unserer Zeitung Bedenkzeit ausgebeten. Er habe nicht damit gerechnet, wie bereits bei der Wahl vor fünf Jahren vom Listenende auf einen Parlamentsplatz zu klettern. Die Wähler hätten aber nicht nur ihn, sondern auch die Christdemokraten gewählt, betont er.

Dass er nun nicht im Stadtparlament sitzen wird, begründet er damit, „den Jüngeren den Vortritt zu lassen“. Nachrücker für den 74-jährigen Ehrenbürgermeister aus Gilfershäuser ist sein Sohn Stefan Groß (1972 Stimmen). Zudem wurde Groß auch im Kreistag von Listenplatz 36 auf Rang 8 gewählt, „und meine Frau hat gesagt, es gibt nur eins.“ Etwas Privatleben brauche er auch noch.

Von Clemens Herwig

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