Neubaustrecke Fulda-Gerstungen

Neuer Vorstoß für einem ICE-Halt in Bebra

Ein Hochbahn-Shuttle hält am Flughafen Frankfurt/M.
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Sollen kein Privileg von Großstädten sein: automatische Züge wie das Shuttle in Frankfurt.

Für den Fernverkehrshalt auf der Neubaustrecke Fulda-Gerstungen im Landkreis schlägt die mit ihrem Bahnhof bereits aus dem Rennen ausgeschiedene Stadt Bebra nun eine neue Variante vor.

Hersfeld-Rotenburg - Die Bahn soll den Bau eines Halts im Dreieck zwischen Weiterode, Blankenheim und Breitenbach bis zu zwei Kilometer südlich des bestehenden Bahnhofs prüfen.

Verbunden werden sollen die Haltestellen über ein automatisches Shuttle – etwa einer Hochbahn wie am Frankfurter Flughafen. So soll bestehende Infrastruktur genutzt werden und der Nahverkehrsknoten Bebra von der Neubaustrecke profitieren.

Angestrebte Fahrzeit könnte nicht eingehalten werden

Derzeit sind als Fernverkehrshalte vor allem Bad Hersfeld und ein Bahnhof auf der grünen Wiese im Gespräch. Ein Halt in Bebra wird von der Bahn nicht mehr berücksichtigt – unter anderem, weil die für den Deutschlandtakt angestrebte Fahrzeit nicht eingehalten wird. Dennoch hatten sich mehrere Kommunen des Nordkreises für einen ICE-Bahnhof Bebra ausgesprochen, deren Bürgermeister sich nun auch hinter den neuen Vorstoß stellen.

Die Stadt Bebra hatte die Fahrzeitberechnung der Bahn durch ein Fachbüro prüfen lassen, das allerdings zu keinem anderen Ergebnis kommt: Mit 64 Minuten wird das Fahrzeitziel zwischen Fulda und Erfurt bei einem Halt in Bebra um bis zu vier Minuten verpasst. Die nun in den Ausschüssen des Stadtparlaments vorgestellte Variante „Bebra Süd“ liege im Suchraum der Bahn für die Neubaustrecke, betont Bebras Bürgermeister Stefan Knoche. Die neue Linie könnte beispielsweise bei Kirchheim die Bestandsstrecke verlassen, südlich von Breitenbach verlaufen und dann in Höhe der Berliner Kurve bei Weiterode zurück auf die bestehenden Gleise nach Gerstungen führen.

Stefan Knoche

„Wir wollen zeigen: Auch Bebra hat weiterhin Interesse an einem Fernverkehrshalt“, sagt Knoche. Der Vorschlag sei nicht zwingend als Konkurrent eines ICE-Halts in der Kreisstadt zu sehen. „Wir glauben aber, dass die Variante grüne Wiese der Bahn bei ihrer Planung genehmer ist“, sagt Knoche. Dagegen wolle sich Bebra mit seinen Vorschlag platzieren.

Wenige Minuten haben die Stadt Bebra einen Platz im Rennen um den Fernverkehrshalt auf der Neubaustrecke Fulda-Gerstungen gekostet – zumindest in der Planung der Bahn. Mit einer neuen Variante für den ICE-Halt soll sich das ändern. Der Arbeitstitel: „Bebra Süd“.

Satellitenbahnhof südlich von Bebra

Der Satellitenbahnhof für Schnellzüge südlich von Bebra wird dabei über ein automatisches Shuttle mit dem Nahverkehrs-Knotenpunkt inmitten der Stadt verbunden. Genutzt werden könne auch die Infrastruktur des Rangierbahnhofs, der sich von Weiterode bis Blankenheim erstreckt. Als Endstation des Shuttles in der Kernstadt eigne sich der freie Platz vor dem Südkopf des Inselgebäudes.

Der Vorteil: der komplette Umsteigeverkehr des regionalen Bus- und Bahnbetriebes laufe über den Bahnhof Bebra mit seiner bereits vorhandenen Infrastruktur. Einen Vorschlag für den genauen Streckenverlauf über Bebra Süd gibt es noch nicht, auch der konkrete Standort des Fernverkehrsbahnhofs steht nicht fest. Es gehe zunächst darum, die Bahn für eine Prüfung der Variante zu gewinnen, sagt Bebras Bürgermeister Stefan Knoche.

„Wer den Vorschlag liest, denkt sich vielleicht: Jetzt sind sie verrückt geworden“, so der Rathauschef. Es gebe aber funktionierende Beispiele. Eines davon sei das Skyline-Shuttle am Frankfurter Flughafen, das automatisch und fahrerlos die Terminals 1 und 2 verbindet. Auch in Dortmund befördert eine vollautomatisch gesteuerte Hochbahn im Bereich der Technischen Universität bereits seit 1984 Fahrgäste – laut Homepage des Betreibers täglich bis zu 8000. Moderne Verkehrsstrukturen seien allerdings kein Privileg der Großstädte.

Problem: Steigende Lärmbelästigung durch Güterverkehr in Bad Hersfeld

In der von der Stadt beauftragten Stellungnahme des auf den Schienenverkehr spezialisierten Planungsbüros Ederlog aus Erndtebrück (Nordrhein-Westfalen) heißt es, im Vergleich mit der Kreisstadt sei Bebra als Knotenpunkt im Nahverkehr bei den Ein- und Aussteigerzahlen bereits heute der bedeutendere Bahnhof. Zudem sei der diskutierte Halt in Bad Hersfeld mit einer erheblich steigenden Lärmbelästigung für die Bewohner verbunden. Die größtmögliche nächtliche Lärmbelastung durch den Güterverkehr, dessen Zugzahlen bis 2030 weiter steigen sollen, werde ohnehin für eine Trasse nördlich an der Kreisstadt vorbei gesehen. Das Fachbüro deutet unter anderen auch das als Hinweis, dass ein Bahnhof außerhalb von Bad Hersfeld von der Bahn favorisiert wird.

Für viele im Kreis wäre ein Halt auf der grünen Wiese die schlechteste Variante. Bereits im Herbst vergangenen Jahres hatte es aus Wildeck und Ronshausen Rückendeckung für eine von der GDL vorgeschlagene Streckenführung über Bebra gegeben. Nun wollen sich die Bürgermeister aller Zubra-Kommunen – also zusätzlich Alheim, Cornberg und Rotenburg – für „Bebra Süd“ stark machen. Sie erhoffen sich eine Stärkung für ihre Region, die Parlamente sollen in den kommenden Sitzungen über Resolutionen abstimmen, die den Vorstoß unterstützen.

Dass Rotenburg mit an den Tisch geholt wurde, ist laut Bürgermeister Christian Grunwald auch ein Verdienst von Amtskollege Knoche. In der Fuldastadt hatte es beim ersten Streckenvorschlag über Lispenhausen nach Bebra große Bedenken wegen einer Gefährdung der Grundwasserversorgung gegeben. Die sei bei der jetzigen Variante nicht betroffen, sagt Bürgermeister Christian Grunwald. „Die Ablehnung hat sich nicht gegen den Bahnhof Bebra gerichtet. Es geht jetzt auch um die gemeinsame Wirtschaftskraft.“ (Clemens Herwig)

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