Vererdungsprojekt in Betrieb gegangen

Neue Anlage: Bebra vertagt Problem bei der Verwertung von Klärschlamm

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Sprudelt wie Erdöl: 16 000 Kubikmeter Klärschlamm sollen jährlich auf die vier Felder an der B 27 bei Bebra fließen.

Bebra. Seit neue Grenzwerte gelten, wird die Verwertung des Klärschlamms für viele Kommunen zum Problem. In Bebra sollen 44.400 Schilfpflanzen Abhilfe schaffen. 

Bisher war Klärschlamm als Produkt der Abwasserentsorgung als Dünger für die Landwirtschaft von nutzen. Durch eine neue Verordnung samt veränderter Grenzwerte für den Schadstoffgehalt wird die Verwertung des Schlamms für viele Kreiskommunen zum Problem. In Bebra sollen nun 44.400 Schilfpflanzen Abhilfe schaffen.

Innerhalb von fünf Monaten sind für 2,2 Millionen Euro an der Kläranlage, die eine Firma aus Neu-Eichenberg gebaut hat, – von der Bundesstraße 27 von Bad Hersfeld in Richtung Sontra aus gut zu sehen – vier große Schilfbeete und ein vollautomatisches System aus Rohrleitungen, Pumpen und Schiebern entstanden. Auf der 24 460 Quadratmeter großen sogenannten Klärschlammvererdungsanlage sollen bis zu 16 000 Kubikmeter Schlamm pro Jahr entwässert, in Klärschlammerde umgewandelt und gelagert werden. Anfang der Woche ging sie nach einem zweiwöchigen Probelauf in Betrieb.

Schilfpflanzen und Sonne sollen das Schlammvolumen auf 30 bis 50 Prozent der ursprünglichen Menge reduzieren. Der Klärschlamm wird über vier Auslässe pro Beet auf das Feld gepumpt. Während der Wasseranteil durch die Wurzelschicht tausender Schilfpflanzen sickert, bleibt der Schlamm an der Oberfläche, wo ihn die Mikroorganismen mineralisieren sollen. Viel zu sehen sein wird von dem Klärschlamm allerdings nicht: Im Hochsommer wächst das Schilf bis zu einem Zentimeter pro Tag und legt eine grüne Decke über die Beete. Durch die Blätter verdunstet außerdem zusätzliches Wasser. Die Beete dienen somit auch als Lagerplatz für den Schlamm. Die Alternative bei der Entsorgung wäre es, ihn zu verbrennen.

Schlamm muss "abgeerntet" werden

Etwa zehn Jahre soll jedes Feld halten, bis der Schlamm „abgeerntet“ werden muss. Was dann damit passiert, ist noch unklar. Das Projekt ist seit zwei Jahren, und somit bereits vor der Änderung der Verordnung, in Planung. Dadurch hat die Stadt Zeit gewonnen: „Wir hoffen auf ein Umdenken der Politik“, sagt Gerald Mock, Leiter des Sachbereichs Stadtentwässerung des Eigenbetriebs Abwasser Bebra, mit Blick auf die neuen Grenzwerte.

Steuerung per Touchscreen: Abwassermeister Peter Kleinicke kann sämtliche Daten des vollautomatischen Systems am Bildschirm abrufen.

Bisher wurde der Schlamm mit einer mechanischen Presse entwässert. Das 40 Jahre alte Gerät sei allerdings deutlich weniger energieeffizient gewesen, so Herbert Höttl, Geschäftsführer der Stadtwerke Bebra. Mit der Klärschlammvererdungsanlage sollen so jährlich bis zu 70 000 Euro gespart und eine Neuanschaffung umgangen werden. Zudem sei das neue System deutlich umweltfreundlicher: pro Jahr fielen mehrere 100 Tonnen Kohlendioxid weg.

Partner des Eigenbetriebs Abwasser der Stadt Bebra ist die Firma Eko-Plant aus Neu-Eichenberg (Werra-Meißner-Kreis), die drei weitere Anlagen in Hessen betreibt.

Stichwort Klärschlamm

In einer Kläranlage werden alle Abwässer der Haushalte gereinigt, das saubere Wasser fließt zurück in den Kreislauf. Übrig bleibt Klärschlamm. Er enthält viele Mineral- und Pflanzennährstoffe, aber auch Schadstoffe und besteht zu 98 Prozent aus Wasser. Interessant als Dünger für die Landwirtschaft sind besonders Nitrat, Phosphat und andere Nährsalze. Für die weitere Nutzung wird der Schlamm daher entwässert. In der Regel geschieht das mit mechanischen Pressen oder Zentrifugen.

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