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Neues Escape Game mit Spurensuche vom Inselgebäude bis zum Wasserturm in Bebra

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Von: Clemens Herwig

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Solide Fünf auf der Rätselprofi-Skala: von links die „vier Fragezeichen“ Julia Fernau, Lea Paulus, Lenya Kaiser und Märthe Werder mit einem Rucksack voller Hinweise. Jedes gelöste Rätsel führt zu einer neuen Station, nach und nach können die Schlösser am Rucksack geöffnet und neue Tipps freigespielt werden.
Solide Fünf auf der Rätselprofi-Skala: von links die „vier Fragezeichen“ Julia Fernau, Lea Paulus, Lenya Kaiser und Märthe Werder mit einem Rucksack voller Hinweise. Jedes gelöste Rätsel führt zu einer neuen Station, nach und nach können die Schlösser am Rucksack geöffnet und neue Tipps freigespielt werden. © Clemens Herwig

Rätselfreunde werden in Bebra nicht in einen Raum gesperrt, sondern ab dem 14. Mai unter Zeitdruck auf eine gut zwei Kilometer lange Tour durch die Stadt geschickt:

Bebra – Gemeinsam mit der Rotenburger Event-Agentur German Quest hat die Stadtentwicklung SEB ein sogenanntes Escape Game mit einer Spurensuche vom Inselgebäude bis zum Wasserturm entwickelt. Wir waren bei einem Probelauf dabei.

Das Szenario

Der Titel des neuen Tourismus-Angebots würde auch gut zu einem Krimi-Hörspiel passen: „Die Schicksalsfahrt des Biber-Express“. Die Ausgangslage: Zwei vollbesetzte Züge sind auf Kollisionskurs, nur das Umstellen einer Weiche kann eine Katastrophe verhindern. Diese ist allerdings mit einem Schloss gesichert, der Schlüssel verschwunden – und die Zeit rennt. Bis zur Kollision bleiben 80 Minuten. Nur mit einem ersten Tipp, Stift und Papier sowie einem Rucksack voller Hinweise geht es los. Das Knifflige: Viele Taschen des Rucksacks sind ebenfalls mit Schlössern gesichert, die sich nur nach gelösten Rätseln öffnen lassen.

Die Gruppe

Statt der berühmten drei nehmen gleich vier Fragezeichen die Herausforderung an, das Unglück abzuwenden. Julia Fernau und Lea Paulus aus Bebra, Lenya Kaiser aus Friedewald und die Neu-Schwarzenhaselerin Märthe Werder kennen sich nicht und haben die Rätsel-Tour in Bebra noch nie gespielt. Alle bringen aber etwas Erfahrung aus verschiedenen Escape Rooms mit und schätzen sich als solide Fünf („Gilt Sudoku?“) auf der Rätselprofi-Skala ein.

Die Rätsel-Tour

„Teilt eure Infos mit der Gruppe und denkt ein bisschen um die Ecke“, sagt Spielentwickler und German-Quest-Chef Eilert Bretting, der die Tour mit Bebras Tourismus-Managerin Romy Grimm begleitet und nach Schwachstellen des Rätselspaßes sucht. Normalerweise sind die Teams allein unterwegs, können allerdings zu jedem Rätsel einen Joker ziehen und sich per QR-Code mehrere Tipps und zuletzt die Lösung aufs Handy holen. Darüber hinaus ist das Spiel bewusst so konzipiert, dass ein Smartphone in der Regel nicht weiterhilft.

Was gehört zum Spiel und was ist einfach nur Bebra?
Was gehört zum Spiel und was ist einfach nur Bebra? © Clemens Herwig

Die vier Fragezeichen haben beim Start auf Gleis 3 vor allem eine ganze Menge Fragezeichen über dem Kopf. „Lauft 65 Schritte in Richtung Bad Hersfeld“, liest Lea Paulus vor. Gesagt, getan – bei der anschließenden Knobelei, bei der es unter anderem darum geht, dass richtige Schild im an Schildern nicht gerade armen Bahnhof zu finden, fährt sich das Team fest und verbrennt gleich zum Auftakt einen QR-Code-Joker. Erst nach 20 Minuten fällt das erste von vier Schlössern am Rucksack, das den nächsten Hinweis blockiert. Bretting notiert: Beim ersten Tipp muss er nachbessern.

Doch dann kommen die Retter des Biber-Express ins Rollen: Rätselnd geht es im Rudel in Richtung Lokschuppen und weiter zum Wasserturm. „Wenn sich die Gruppen gefunden haben, wollen sie häufig auf Teufel komm raus zusammenbleiben“, sagt Bretting. Um Hinweise schneller zu finden, ist es manchmal allerdings von Vorteil, sich etwas aufzuteilen. In Bebra ist außerdem ein bisschen Logik, etwas Mathematik (Fragezeichen-Zitat: „Hat jemand eine Formelsammlung dabei?“) und vor allem ein wacher Blick für die in der Umgebung versteckten Hinweise gefragt. Dabei stellt sich dem Team oft die Frage: Was gehört zum Spiel, und was ist einfach nur Bebra? Gerade am Bahnhof mit seinen gesperrten Bereichen ist das auch eine Herausforderung für die Spielentwickler. Die Rätselanweisungen sollen daher möglichst klare Vorgaben liefern, etwa: „Geh durch die Unterführung“.

Den Rätselspaß aus einem geschlossenen Raum in die Innenstadt zu verlagern, gehörte zu den Herausforderungen für Bebras Tourismus-Managerin Romy Grimm und Entwickler Eilert Bretting (linkes Foto). Dafür konnten sich die Macher nicht nur beim Szenario, sondern auch bei den Rätseln bei Bebras reicher Eisenbahngeschichte bedienen.
Den Rätselspaß aus einem geschlossenen Raum in die Innenstadt zu verlagern, gehörte zu den Herausforderungen für Bebras Tourismus-Managerin Romy Grimm und Entwickler Eilert Bretting (linkes Foto). Dafür konnten sich die Macher nicht nur beim Szenario, sondern auch bei den Rätseln bei Bebras reicher Eisenbahngeschichte bedienen. © Clemens Herwig

Neben eindeutigen Anweisungen überflutet das Spiel die Teilnehmer aber auch immer wieder mit Informationen zu Wasserturm, Lokschuppen und Inselgebäude, lenkt sie so geschickt von echten Hinweisen ab – und liefert gleich noch etwas Heimatkunde, sagt Romy Grimm mit einem Lächeln. Dann wetzt sie den vier Fragezeichen hinterher, die mit Zeitdruck im Nacken unterwegs zur letzten Station sind.

Auf dem Bild nutzt Märthe Werder ein Andreaskreuz als Hilfsmittel.
Auf dem Bild nutzt Märthe Werder ein Andreaskreuz als Hilfsmittel. © Clemens Herwig

Das Team legt im wahrsten Sinne des Wortes auf den letzten Drücker den Hebel für die Weiche um und verhindert so die Kollision. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so knifflig ist“, sagt Julia Fernau für die Gruppe, die während der Tour zusammengewachsen ist. In der Tat: Auch wenn mit einer kinderwagentauglichen Strecke geworben wird, richtig Rätselspaß dürften vor allem Jugendliche und Erwachsene haben. Zu viert, so das Fazit der Fragezeichen, waren alle beim Knobeln gut eingebunden. „Die Hinweise sollte man ganz genau lesen, wenn man nicht durch die Gegend irren möchte“, sagt Märthe Werder. Auch Ortskenntnisse sind für das Spiel von Vorteil.

Große Gruppen werden aufgeteilt

Das Escape Game in Bebra ist auf drei bis acht Spieler ausgelegt – größere Gruppen werden aufgeteilt und können auch gegeneinander antreten. Je nach Teilnehmerzahl kostet die Rätsel-Tour zwischen 75 und 144 Euro. Gerettet werden soll der Biber-Express in 80 Minuten, die Spieler bekommen allerdings insgesamt zweieinhalb Stunden zur Verfügung, um eine Pause einlegen zu können. Gestartet werden kann ab 14. Mai von Mittwoch bis Sonntag jeweils von 10 bis 15 Uhr in der Tourist-Info im Inselgebäude. Buchungen sind bereits möglich. Kontakt unter Telefon 0 66 23/91 97 20.

Escape Games

Bei Escape Games (deutsch: Fluchtspiele) versucht eine Gruppe unter Zeitdruck und durch das gemeinsame Lösen von Rätseln, dem Finden von Gegenständen und durch das Kombinieren von Hinweisen das Spielziel zu erreichen. Escape Games finden oft in einem Raum statt, der während des Spiels nicht verlassen werden soll – immer mehr Angebote verlagern den Spaß aber auch nach draußen. Die zu bewältigenden Aufgaben sind häufig in eine Geschichte eingebettet, die vom Lösen eines Mordfalls bis zur Rettung der Welt reichen kann. Die Idee stammt aus der Computerspielentwicklung, wurde zunächst in Japan für die reale Welt umgesetzt und entwickelte sich zum globalen Trend. (Clemens Herwig)

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