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Rettungshundestaffel der DLRG Bebra ist jetzt einsatzbereit

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Von: Eden Sophie Rimbach

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Bones ist geprüfter Flächenhund und würde auch im Wald jeden menschlichen Geruch entdecken.
Gefunden: Bones ist geprüfter Flächenhund und würde auch im Wald jeden menschlichen Geruch entdecken. © Eden Sophie Rimbach

Im Januar 2019 wurde die Rettungshundestaffel der DLRG-Bebra gegründet. Jetzt ist sie in Hessen einsatzbereit.

Bebra – Zielsicher läuft Bones auf eine Person zu, die bewegungslos und mit gesenktem Kopf im Freien sitzt. Bones folgt seiner Nase, bellt dann, um anzuzeigen, dass er bei der Flächensuche einen Menschen aufgespürt hat. Belohnt wird Bones beim Training mit viel Lob, Streicheleinheiten und seinem Spielzeug. „Wir versuchen, viel über den Spieltrieb zu trainieren“, erklärt Steffi Glock und fügt hinzu, dass Training und Einsatz für die Hunde eine Beschäftigung sind, die diese als Spiel sehen.

Glock selbst ist vor 15 Jahren durch ihren Hund einer Rettungshundestaffel beigetreten. Als sie nach einer sinnvollen Aufgabe für den Magyar Vizsla, einen ungarischen Jagdhund, suchte, stand fest, dass sie nicht mit ihm zur Jagd gehen wollte. In der Ausbildung und dem Training im Bereich einer Rettungshundestaffel sah sie eine Beschäftigung, bei der Mensch und Hund viel zusammen unternehmen und gleichzeitig anderen geholfen wird.

Im Januar 2019 wurde die Rettungshundestaffel der DLRG-Bebra gegründet. Im Einsatz sind ausschließlich Ehrenamtliche mit ihren Privathunden. Steffi Glock und Silke Brall sind die Ausbilderinnen, Tim Stennei der Staffelleiter. Zusammengearbeitet haben die Ausbilderinnen bereits zuvor. Brall kam vor etwa zehn Jahren erstmals zu einer Hundestaffel. „Ich fand es einfach faszinierend“, sagt sie und erinnert sich daran, wie sie ihre Cousine erstmals zu der Hundestaffel begleitete. Da für Brall immer klar gewesen sei, dass sie sich mit einem Hund ausreichend beschäftigen wolle, folgte auf diese Erfahrung für sie ein Hund. Heute ist sie mit zweien aktiv dabei.

Auf drei bewegte Jahre blicken die Ausbilderinnen und der Staffelleiter zurück, wenn sie an die Zeit von der Gründung bis zur Einsatzbereitschaft für das Land Hessen denken.

Training: Hund Bones (4) zeigt ausnahmsweise auf dem Trainingsplatz anstatt im Wald, wie ihn seine Nase zu einer Person führt. Mitglied Linda Dietrich lässt sich aufspüren.
Training: Hund Bones (4) zeigt ausnahmsweise auf dem Trainingsplatz anstatt im Wald, wie ihn seine Nase zu einer Person führt. Mitglied Linda Dietrich lässt sich aufspüren. © Eden Sophie Rimbach

Denn während die Staffel nach ihrer Gründung mit einem geprüften Mantrailer und einem geprüften Flächenhund an Einsätzen in Thüringen teilnehmen durfte, fehlte diese Erlaubnis für Hessen bis zum 4. Juni dieses Jahres. Zu einer Rettungshundestaffel müssen hier neben einem Mantrailer fünf Flächenhunde gehören. Diese Voraussetzung erfüllt die Rettungshundestaffel in Bebra seit den Prüfungen der vier Flächenhunde vor einigen Wochen. Hierzu kam eine Prüferin vom Bodensee nach Bebra.

An den ersten Einsatz ihrer Hundestaffel in Thüringen erinnern sich alle drei noch gut. „Den konnten wir positiv abschließen“, sagt Stennei. Er hat den Tag genau vor Augen. Am Abend waren die Hilfsorganisationen inklusive der Rettungshundestaffel alarmiert worden. An der Einsatzstelle waren damals auch die Angehörigen der vermissten Person, die bei Sonnenaufgang gefunden wurde. Alle Beteiligten hätten vor Freude und Rührung geweint, als die Suche erfolgreich endete. „Dafür machen wir’s“, wisse man laut Glock in solchen Momenten.

Als der DLRG-Ortsverband Bebra mit der Idee zur Staffel auf sie zukam, haben sie und Brall sich trotz der damit verbundenen Zeit und Arbeit dazu entschlossen, die Aufgabe zu übernehmen. Denn während die DLRG-Rettungshundestaffel im südhessischen Lampertsheim in der Wassersuche aktiv ist, habe ein DLRG-Angebot für die Flächensuche und Mantrailing in Hessen gefehlt.

Ihre Prüfung zum Flächenhund bestanden hat unter anderem Labrador-Retriever Martha (3).
Ihre Prüfung zum Flächenhund bestanden hat unter anderem Labrador-Retriever Martha (3). © Eden Sophie Rimbach

Vor drei Jahren gehörten sieben Hunde und sechs Hundeführer zur neu gegründeten Staffel. Zwei der Hunde waren geprüft. Heute sind es 13 Hunde, von denen sechs geprüft sind, zehn Hundeführer und drei Helfer. Letztere sind wichtig, da kein Hundehalter im Einsatz allein läuft. Sollte er sich verletzen, muss eine zweite Person dabei sein.

Trainiert wird zweimal wöchentlich. Am Mittwochabend wird auf dem Hundeplatz des Schäferhundevereins Bebra das Gehorsamkeitstraining mit Teambildung zwischen Mensch und Tier absolviert. Samstags geht es für die Flächensuchhunde in immer wechselnde Waldgebiete, während der Mantrailer im bebauten Bereich übt. Dankbar sei man laut Glock immer, wenn ein neues Gebiet zur Verfügung gestellt werde: „Wir brauchen diese Trainingsvoraussetzungen.“ Angst, dass einer der Hunde im jeweiligen Waldstück jagen würde, müsse man dabei nicht haben. Fünf bis sechs Stunden dauert das Training am Samstag.

Insgesamt trainieren die Ehrenamtlichen etwa zehn Stunden wöchentlich mit ihren Hunden im Alter zwischen 17 Wochen und zehn Jahren. Auch die Kosten übernehmen sie selbst, erhalten die Einsatzkleidung über den Verein und einmal im Jahr als Staffel eine Zuwendung des Landkreises.

Abhängig vom Arbeitgeber werden die Mitglieder bei einem Einsatz von der Arbeit freigestellt. Dass die Arbeit in der Staffel ein Hobby mit großer Verantwortung ist, wissen sie. Sie engagieren sich gern in der Staffel. Wer sich anschließen möchte, kann den Kontakt über die Internetseite suchen. Kontakt: https://bebra.dlrg.de/mitmachen/rettungshunde/ (Eden Sophie Rimbach)

Hintergrund: Erste Hilfe ist Pflicht

In Hessen benötigt jede Hundestaffel einen geprüften Mantrailer und fünf geprüfte Flächenhunde. Dann folgt der Kooperationsvertrag mit der Polizei. Die Staffel der DLRG-Bebra arbeitet im Einsatz als Teil der Arbeitsgemeinschaft der Hilfsorganisationen zur Vermisstensuche in Osthessen. Der Feuerwehr-Facheinheit Rettungshunde/Ortungstechnik obliegt die Arbeit mit den Hundestaffeln in Thüringen. Dementsprechend variieren auch die Anforderungen an eine Staffel. Voraussetzung für die Ausbildung zum Mantrailer oder Flächenhund ist das Bestehen des Rettungshundeeignungstests. Für diesen muss ein Hund mindestens ein halbes Jahr alt sein. Der Hundeführer muss unter anderem eine Sanitätsausbildung absolvieren, Erste Hilfe am Hund beherrschen, mindestens das Schwimmabzeichen in Bronze besitzen und eine Sprechfunkberechtigung erwerben. Hinzu kommen Kenntnisse in Kynologie, also der Lehre vom Hund und das Orientieren mithilfe von Karte und Kompass. ( esr)

Mantrailer und Flächenhund – So funktioniert die Arbeit einer Hundestaffel

Ein Flächenhund muss binnen einer halben Stunde eine Freifläche von 50 000 Quadratmetern absuchen können. Versteckt sind dort bei der Prüfung zwei oder drei Menschen, die das Team aus Flächenhund und Hundeführer finden muss. Eingesetzt werden die Flächenhunde, wenn es darum geht, Menschen in Gebieten wie dem Wald aufzuspüren. Dabei sucht der Flächenhund im Gegensatz zum Mantrailer nicht nach dem Geruch einer bestimmten Person, sondern zeigt generell bei jedem Menschen an. Bis der Hund diese Ausbildung abgeschlossen hat, vergehen etwa zwei bis drei Jahre.

Der Mantrailer sucht im Gegensatz zu den Flächenhunden nach dem individuellen Geruch des gesuchten Menschen. Eingesetzt werden kann er daher im Gegensatz zu den Flächenhunden auch in bebauten Gebieten, in denen sich mehrere Menschen bewegen. Daher gibt er bei der Suche die Richtung an. Wenn er zu einem Waldgebiet geht, werden auch die Flächenhunde in diesem eingesetzt. Wenn er dabei einen Fehler macht, kann die ganze Suche erfolglos enden. Während bei den fünf erforderlichen Flächenhunden das Einreichen der Urkunden nach bestandener Prüfung ausreicht, muss der Mantrailer daher von der Polizei geprüft werden. Das war für den Mantrailer der Rettungshundestaffel Bebra im August des vergangenen Jahres wieder der Fall. Stennei, Glock und Brall erklären, dass der Mantrailer im Einsatz die Richtung vorgibt, wenn beispielsweise die Spur eines bestimmten Menschen durch ein Stadtgebiet und hin zu einem Wald führt. Sowohl für Mantrailer als auch für Flächenhunde gilt, dass sie alle zwei Jahre wieder geprüft werden müssen. (esr)

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