Abwasserbetrieb der Stadt

Bebra saniert viele Kilometer Kanalnetz mit Spezialschlauch

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Die Kanalsanierer und ihr Arbeitsgerät: Sebastian Schwalm mit dem Rohr-Roboter

Bebra. Seit Jahren saniert der Abwasserbetrieb der Stadt Bebra das Kanalnetz. Dabei kommt auch eine Art Lichterkette zum Einsatz.

Insgesamt etwa 140 Kilometer Rohre werden in Bebra saniert, die meisten stammen aus den 1960er- und 70er-Jahren. Das Großprojekt wird wohl frühestens im Jahr 2030 abgeschlossen sein. Um diesen Termin annähernd einhalten zu können, nutzen die Kanalsanierer in der Kernstadt jetzt Spezialharz und Ultraviolettstrahlung.

Beim sogenannten Schlauchliner-Verfahren werden keine Straßen aufgemacht und Rohre ausgetauscht. Stattdessen wird unter der Erde ein Spezialschlauch in das beschädigte Rohr gezogen und mit Luftdruck an dessen Innenwand gepresst. Durch die Bestrahlung mit UV-Licht wird das bis dahin nachgiebige Material hart. Das Zusammenspiel von Physik und Chemie ist schneller als eine offene Sanierung und mit weniger Beeinträchtigungen für die Anwohner verbunden, sagt Stefan Gier vom Planer und Bauüberwacher Rother & Partner aus Abterode (Werra-Meißner). Für den Abwasserbetrieb – und damit den Gebührenzahler – koste das Verfahren nur ein Viertel von dem, was für eine herkömmliche Sanierung anfalle, so Geschäftsführer Herbert Höttl.

Arbeit unter der Erde: Die Kanalarbeiten in der Straße An der Bebra am Montag. Auf dem Foto wird der Spezialschlauch in Stellung gebracht. 

Knapp vier Kilometer Kanal sollen im Jahr 2019 per Schlauchliner saniert werden, hinzukommen auf etwa 1400 Metern kleinere Stellen mit Reparaturbedarf. Die veranschlagten Kosten: rund 890 000 Euro. Bei herkömmliche Kanalarbeiten müsste der Abwasserbetrieb allein 2019 mehr als drei Millionen Euro stemmen, schätzt Christopher Mock von der Fachfirma Aarsleff mit Hauptsitz in Bayern. Zudem schaffe man nur etwa zehn Meter pro Tag.

Anfang der Woche sanieren die Bayern mithilfe der Firma Schwalm aus Bad Hersfeld ein gut 40 Meter langes Abwasserrohr in der Straße An der Bebra am Sportplatz – mit dem Schlauchliner-Verfahren ist es ein Tageswerk für die Kanalsanierer. Das alte Rohr wird zunächst durchgespült, also mit Wasserhochdruck grob gereinigt. Dann kommt ein vierrädriger Roboter zum Einsatz, der mit einer Fernbedienung gesteuert wird, die stark an das Eingabegerät einer Spielekonsole erinnert. Er rollt durch den Kanal und räumt ihn frei. An seiner Spitze ist Platz für verschiedene Aufsätze, mit einer Fräse werden beispielsweise herausstehende Hausanschlüsse beseitigt.

Sobald der Weg frei ist, kommt der Spezialschlauch, der einmal ein Kanalrohr werden wird, zum Einsatz. Er besteht aus Glasfasergewebe und ist mit Kunstharz getränkt, das unter UV-Licht fest wird. Er wird in eine Gleitfolie gewickelt und durch das alte, 80 Zentimeter breite Kanalrohr gezogen. Wird die Folie in Salatöl eingerieben, geht das Ziehen noch leichter, erklärt Experte Christopher Mock – und meint es ernst.

Ist der Schlauch in Position, wird er mit einem Luftdruck von 400 Millibar entfaltet, bis er wie eine zweite Haut von innen an dem alten Rohr anliegt. Zum Vergleich: Ein gängiger Druck bei Autoreifen sind 2,4 Bar, also gut das Sechsfache. Allerdings wird wesentlich mehr Luft durch den Kanal als in den Autoreifen geleitet.

Die Kanalsanierer und ihr Arbeitsgerät: Erik Ulbrich mit dem UV-Wagen. Die Lampen werden seitlich ausgeklappt.

Zum Abschluss wird eine Art Lichterkette – ein Wagen mit Ultraviolett-Lampen – langsam durch den Kanal gezogen. Das mit Harz getränkte Gewebe reagiert und härtet zum Rohr im Rohr aus.

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