Corona hat es dem Jahrgang schwer gemacht

Rotenburger JGS feiert Abiball in Bebra: Ein bisschen Tanzen, aber nur mit Maske

Haben den Abiball der JGS Rotenburg möglich gemacht: Mitarbeiterin Lisa Furth (von links), Luisa Fricke, Geschäftsführer Matthias Bähr, Lina Schuhmann und Lisa-Marie Haag vor dem Lokschuppen in Bebra.
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Haben den Abiball der JGS Rotenburg möglich gemacht: Mitarbeiterin Lisa Furth (von links), Luisa Fricke, Geschäftsführer Matthias Bähr, Lina Schuhmann und Lisa-Marie Haag vor dem Lokschuppen in Bebra.

Die Abiturienten der Rotenburger Jakob-Grimm-Schule feiern am Samstag im Bebraer Lokschuppen ihren Erfolg. Mit 239 Gästen dürfte die Veranstaltung kreisweit einzigartig sein.

Rotenburg/Bebra – Es ist ein Abiball, wie man ihn kennt: Mit Kleid und Anzug, großen Reden, ein klein wenig Tanzen und einem Erfrischungsgetränk hier und da. In ungewöhnlichen Zeiten wird das Gewohnte allerdings schnell zu etwas Besonderem. Und so hat der Abiball 2021 der JGS allen Beteiligten auch viel Kraft und Ausdauer abverlangt.

Luisa Fricke wälzt am Donnerstag mit ihren Mitstreiterinnen vom Abiball-Komitee im Lokschuppen das jüngste Problem – das erstmal nicht wie ein Problem klingt: Es darf getanzt werden. Bis zum Vortag haben die Schülerinnen und das Lokschuppen-Team noch ohne übermäßigen Körpereinsatz der Gäste geplant, jetzt gibt es auch dafür grünes Licht. Also muss zwischen den Tischen ein Platz für die Tanzfläche gefunden werden, auf der es rundenweise rhythmisch zur Sache gehen soll. Getanzt werden darf fünf Songs lang, mit Maske – danach wird in der Pause gelüftet. Das klingt eher nach Fitnessstudio als der Feier eines Meilensteins im jungen Leben, aber Luisa Fricke sagt: „Es ist ein echter Lichtblick. Wir sind froh über alles, was geht. Denn alles ist besser als nichts.“

Seit zwei Jahren planen die Schüler bereits für das Fest – und waren damit sogar früher dran als ihr Vorgängerjahrgang. Nach erfolgloser Suche in Rotenburg rannten sie in Bebra offene Türen ein, mit Geschäftsführer Matthias Bähr ging es durch alle Pandemie-Wirren. Dass die Abiturienten im Lokschuppen feiern können, ist ihm auch deshalb wichtig, weil er selbst JGS-Schüler war. Gemeinsam wurde viel geplant – und vieles coronabedingt wieder verworfen. Erst seit zwei Wochen steht fest, dass die Feier wirklich stattfinden kann.

Zwei Jahre Planung, zwei Wochen Sicherheit, zwei Tage Vorfreude

Und erst zwei Tage vor dem Abiball wird sie für die Schüler wirklich greifbar: „Ich kann es mir zum ersten Mal richtig vorstellen“, sagt Lisa-Marie Haag und blickt in den Lokschuppen-Saal, als könnte sie die Party schon sehen. Wie sehr die Schülerinnen um ihren Abiball zittern mussten, zeigt die Frage nach dem Kleid. Das wird normalerweise Monate vor der Veranstaltung sorgfältig ausgesucht – bei Lisa-Marie Haag hängt es seit dem vergangenen Wochenende im Schrank. Die Freundinnen waren nicht viel früher dran.

Erst am Montag haben die Schüler die Tickets für die Party verkauft. Weil die Abifeier auch ein Familienfest ist, wollten sie keine Grenzen setzen: Einige Mitschüler kommen daher mit nur einem Begleiter, andere bringen eine Entourage mit. „Wir hatten Glück, dass es alles gepasst hat“, sagt Lina Schuhmann. Maximal 250 Personen dürfen im Lokschuppen feiern – ein Negativtest ist Pflicht. Wer nicht an seiner Tischgruppe sitzt, muss Maske tragen.

Corona macht es dem Jahrgang schwer: Wie Geld sammeln für die Abschlusssause?

Normalerweise organisieren die Abgänger der JGS viele Feiern, backen Waffeln, sammeln Sponsoren – alles, um die Kosten der Abschlusssause stemmen zu können. Corona hat es dem Jahrgang 2021 schwer gemacht: „Wir hatten zum Glück ein gewisses Startguthaben“, sagt Luisa Fricke. Mit Spendenläufen, Sponsoren und Unterstützung der Stadt sowie örtlicher Betriebe haben sie immerhin rund 6750 Euro zusammenbekommen. Hinzu kommt der Ticketverkauf (Preis pro Person: 42 Euro). Wenn es denn Schülern an finanzieller Schlagkraft fehlte, wurden laut Bähr auch mal „fünf Augen zugedrückt“ und das Event entsprechend „schöngerechnet“. Was heißt: Caterer, Fotograf, Dekorateurin, alle haben sie Abstriche gemacht, sind den Abiturienten entgegengekommen. „Alle stehen total hinter diesem Abiball – das ist ein Gänsehautmoment für mich“, sagt Lisa Furth vom Lokschuppen-Team.

Durch die vielen Planänderungen und Unsicherheiten rund um den Ball sei es allerdings bei einigen Abgängern eher zu Stresspickeln gekommen, sagen die Schülerinnen: Die Tickets seien zu teuer, der neue Termin passe nicht – ursprünglich sollte am 26. Juni gefeiert werden, zu diesem Zeitpunkt waren die Auflagen aber strenger. Auch dass ein Rotenburger Abijahrgang in Bebra feiert, gefällt längst nicht allen in der Fuldastadt. „Es gab viel Kritik, aber wenig konstruktive Vorschläge“, sagt Luisa Fricke mit einem Achselzucken.

Statt sich beirren zu lassen, hat das achtköpfige Abiball-Komitee weitergemacht und notfalls Nachtschichten eingelegt. Apropos Nachtschicht: Bis drei Uhr soll morgen Abend im Lokschuppen gefeiert werden, dann ist Schluss, weil um halb sechs die Modellbaubörse startet. Bis dahin muss der Saal vorzeigbar sein– vielleicht wird das die bisher größte Hürde für die Abiturienten. (Clemens Herwig)

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