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Schafhalter aus Bebra beklagt: „Feinste Wolle ist nichts mehr wert“

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Von: Carolin Eberth

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Das Merinoschaf ist eine Feinwoll-Schafrasse, die ursprünglich aus Nordafrika stammt. Ein Tier gibt zwischen drei und vier Kilogramm Wolle pro Jahr. Dafür erhält Schäfer Elmar Albrecht aktuell rund 90 Cent jährlich.
Das Merinoschaf ist eine Feinwoll-Schafrasse, die ursprünglich aus Nordafrika stammt. Ein Tier gibt zwischen drei und vier Kilogramm Wolle pro Jahr. Dafür erhält Schäfer Elmar Albrecht aktuell rund 90 Cent jährlich. © carolin eberth

Der Preis für Schafwolle ist stark gesunken. Die Kosten für die Schur lassen sich durch den Verkauf nicht decken, beklagt Schafhalter Elmar Albrecht.

Hersfeld-Rotenburg – Die Schafe von Landwirt Elmar Albrecht müssen jedes Jahr geschoren werden – doch wohin mit der ganzen Wolle?

Der Preis für ein Kilo hochwertige Merinowolle ist auf weniger als 25 Cent gesunken. Für normale Wolle wird gar nichts mehr gezahlt, wie Albrecht erzählt. Schafbauern könnten mit diesen Erlösen nicht einmal die Kosten für die Schur decken. Vom nachhaltigen Rohstoff wird Wolle so zum Abfallprodukt, wie der Vorsitzende der Schafhaltervereinigung Waldhessen, klagt.

Vor 25 Jahren gab es noch vier Deutsche Mark für einen Kilo Wolle

Albrecht hat rund 200 Schafe, darunter Merinoschafe und Suffolk-Schafe, die um seinen Dachshof bei Lüdersdorf (Bebra) weiden und Landschaftspflege betreiben. Anders als bei seinen Vorfahren, bringt ihm die Wolle seiner Tiere keinen Verdienst mehr, wurde sogar zum Minusgeschäft, wie Albrecht erzählt. „Früher war Wolle noch ein begehrter Rohstoff und wurde dementsprechend gut bezahlt. Zum Vergleich: Vor 25 Jahren habe ich noch über vier Deutsche Mark für einen Kilo normale Wolle bekommen.“ Nun werde die deutsche Wolle hauptsächlich ins Ausland exportiert.

Merinoschafe verlieren ihr Wollkleid nicht von selbst und müssen daher etwa einmal im Jahr geschoren werden.
Merinoschafe verlieren ihr Wollkleid nicht von selbst und müssen daher etwa einmal im Jahr geschoren werden. © Eberth, Carolin

Trotzdem müssen seine 200 Schafe mindestens einmal im Jahr geschoren werden. „Wir scheren unsere Schafe nicht selber und jedes Schaf, das geschoren wird, kostet natürlich Geld. Wir bezahlen um die 2,50 Euro pro Schaf. So komme ich auf Kosten von ungefähr 500 Euro und der Erlös kann dies nicht mehr decken.“ Denn: Ein Merino gibt zwischen drei und vier Kilogramm Wolle pro Jahr und dafür erhält Schäfer Elmar Albrecht aktuell nur rund 90 Cent. Das macht pro Merinoschaf einen Verlust von 1,60 Euro und bei herkömmlichen Schafen ein Minusgeschäft von 2,50 Euro.

Keiner wollte die 700 Kilogramm Wolle seiner Schafe haben

Der Bebraer Schäfer verkauft seine Wolle seit Jahren an einen Betrieb in Rosdorf, der die Wolle zum größten Teil weiter nach China verkauft. „Hier will sie ja schließlich keiner haben oder verarbeiten. Es gibt ja nicht mal mehr Wollwäschereien in Deutschland.“ Doch auch von seinem langjährigen Ankäufer wurde er dieses Jahr im Stich gelassen. „Der Betrieb hat die Wolle nicht abgeholt, weil er sie ebenfalls nicht verkauft bekommen hat.“

Die Merinofasern kratzen nicht und können sowohl im Sommer kühlend wirken als auch im Winter wärmen.
Die Merinofasern kratzen nicht und können sowohl im Sommer kühlend wirken als auch im Winter wärmen. © Eberth, Carolin

So habe der Vorsitzende der Schafhaltervereinigung Waldhessen die gesamte Wolle aus diesem Jahr sammeln müssen und sei sie erst im Dezember losgeworden. „Ich hatte sogar schon überlegt, die 700 Kilogramm Wolle wegzuschmeißen, weil sie keiner kaufen wollte. Das habe ich natürlich nicht gemacht, wäre ja viel zu schade um diesen nachwachsenden und nachhaltigen Rohstoff.“

Merinowolle wird in der Regel aus Neuseeland oder Australien importiert

Dabei sei Wolle eigentlich ein Rohstoff mit vielen Vorteilen: Sie ist sehr atmungsaktiv – wärmt, wenn es kalt ist und kühlt, wenn es warm ist. Zudem kann sie viel Feuchtigkeit aufnehmen und fängt auch bei längerer Verwendung nicht an zu stinken. „Ich habe weiße, braune, schwarze und bunte Wolle. Die bräuchte man nicht einmal färben, um daraus zum Beispiel Socken anzufertigen.“ Albrechts Mutter und Großmutter hätten dies noch praktiziert.

„Und die Socken habe ich heute noch an. Keine anderen halten so gut warm.“ Auch wenn Merinowolle als nachhaltige Alternative zu Kunststoff-Fasern gerade wieder etwas im Kommen ist, werde die Wolle in der Regel aus Neuseeland oder Australien importiert, bemängelt Albrecht. „Ich hoffe, dass sich das bald ändern wird und wir dann auch wieder mehr Geld für die Schurwolle erhalten werden“, so Elmar Albrecht.

Die diesjährige Wolle seiner Schafe habe er nun nach Obersuhl verkauft an einen Betrieb, der die Schafschurwolle zu kleinen Pellets verarbeitet als natürlicher Langzeit-Dünger.
(Von Carolin Eberth)

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