Mobile Teams in Hersfeld-Rotenburg

Schlange stehen für die Spritze: So war der Auftakt der Impftour in Bebra

Ein Blick in die „Apotheke“: Arzthelferin Regina Brede (vorn) und die pharmazeutisch-technische Assistentin Catrin Sotta bereiten die Impfstoffe vor. Jede Spritze wird – je nach Vakzin – markiert. Gelb steht für Moderna.
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Ein Blick in die „Apotheke“: Arzthelferin Regina Brede (vorn) und die pharmazeutisch-technische Assistentin Catrin Sotta bereiten die Impfstoffe vor. Jede Spritze wird – je nach Vakzin – markiert. Gelb steht für Moderna.

Über zwei Monate nach dem Aus des Impfzentrums wirft Hersfeld-Rotenburg wieder den Impfturbo an: Mobile Teams sind täglich unterwegs. Wir waren beim Start in Bebra dabei.

Bebra – Es gibt eine Beschilderung im Einkaufszentrum in Bebra, die Impfwilligen den Weg weisen soll. Gebraucht wird sie am Freitagmorgen nicht. Bereits eine Viertelstunde vor Öffnung der Impfstation um 11 Uhr heißt es: Einfach immer der Schlange nach, die sich quer durch das Erdgeschoss und dann vor den Türen noch die Nürnberger Straße entlang zieht. Hunderte stehen an, um sich ihre erste, zweite oder Auffrischungsimpfung abzuholen.

An der Spitze der Wartenden: Karl Herwig und Ingeborg Rudolph aus Ersrode. Sie haben bereits um 8.30 Uhr Stellung bezogen – noch bevor die ersten Geschäfte geöffnet haben. Allerdings nur, weil sie dachten, dass bereits ab 10 Uhr geimpft wird. Beide haben den Andrang vorausgesehen: „Ich habe drei Stunden einkalkuliert“, sagt Rudolph. Als die ersten Läden aufsperren, geht sie bummeln – Karl Herwig hält ihr solange den Platz frei.

Impfoffensive in Hersfeld-Rotenburg: So lief der Auftakt der „Spritztour“ in Bebra

Die Nachfrage nach Corona-Impfungen in Hersfeld-Rotenburg ist gewaltig. Das hat der Auftakt der neuen „Spritztour“ in Bebra gezeigt - hier die lange Schlange vor dem Einkaufszentrum „be!“.
Die Nachfrage nach Corona-Impfungen in Hersfeld-Rotenburg ist gewaltig. Das hat der Auftakt der neuen „Spritztour“ in Bebra gezeigt - vor dem Einkaufszentrum „be!“ bildete sich bei Temperaturen um den Gefrierpunkt eine lange Schlange.  © Sebastian Schaffner/Clemens Herwig
Die Nachfrage nach Corona-Impfungen in Hersfeld-Rotenburg ist gewaltig. Das hat der Auftakt der neuen „Spritztour“ in Bebra gezeigt - hier die lange Schlange vor dem Einkaufszentrum „be!“.
Die Nachfrage nach Corona-Impfungen in Hersfeld-Rotenburg ist gewaltig. Das hat der Auftakt der neuen „Spritztour“ in Bebra gezeigt - vor dem Einkaufszentrum „be!“ bildete sich bei Temperaturen um den Nullpunkt eine lange Schlange.  © Sebastian Schaffner/Clemens Herwig
Die Nachfrage nach Corona-Impfungen in Hersfeld-Rotenburg ist gewaltig. Das hat der Auftakt der neuen „Spritztour“ in Bebra gezeigt - hier die lange Schlange vor dem Einkaufszentrum „be!“.
Er wäre wohl lieber im warmen Kinderzimmer: Erstimpfling Michelle Grupp (25) aus Lispenhausen reiht sich mittags in die Schlange vor dem Einkaufszentrum ein. Sie hat zwei Stunden Zeit und Sohn Liam mitgebracht. Auf lange Wartezeiten ist das Duo eingestellt – 50 Prozent allerdings nur unter Protest.  © Sebastian Schaffner/Clemens Herwig
Die Nachfrage nach Corona-Impfungen in Hersfeld-Rotenburg ist gewaltig. Das hat der Auftakt der neuen „Spritztour“ in Bebra gezeigt - hier die lange Schlange vor dem Einkaufszentrum „be!“.
Schilder weisen Impfwilligen im Einkaufszentrum in Bebra den Weg. Gebraucht werden sie am Freitagmorgen nicht.  © Sebastian Schaffner/Clemens Herwig
Die Nachfrage nach Corona-Impfungen in Hersfeld-Rotenburg ist gewaltig. Das hat der Auftakt der neuen „Spritztour“ in Bebra gezeigt - hier die lange Schlange vor dem Einkaufszentrum „be!“.
Ein Blick in die „Apotheke“: Arzthelferin Regina Brede (vorn) und die pharmazeutisch-technische Assistentin Catrin Sotta bereiten die Impfstoffe vor. Jede Spritze wird – je nach Vakzin – markiert. Gelb steht für Moderna.  © Sebastian Schaffner/Clemens Herwig
Die Nachfrage nach Corona-Impfungen in Hersfeld-Rotenburg ist gewaltig. Das hat der Auftakt der neuen „Spritztour“ in Bebra gezeigt - hier die lange Schlange vor dem Einkaufszentrum „be!“.
Catrin Sotta zieht eine Spritze mit Impfstoff auf.  © Sebastian Schaffner/Clemens Herwig
Die Nachfrage nach Corona-Impfungen in Hersfeld-Rotenburg ist gewaltig. Das hat der Auftakt der neuen „Spritztour“ in Bebra gezeigt - hier die lange Schlange vor dem Einkaufszentrum „be!“.
Bringt Erfahrung aus dem Impfzentrum in Rotenburg mit: Intensivkrankenschwester Anni Dörge. © Sebastian Schaffner/Clemens Herwig
Die Nachfrage nach Corona-Impfungen in Hersfeld-Rotenburg ist gewaltig. Das hat der Auftakt der neuen „Spritztour“ in Bebra gezeigt - hier die lange Schlange vor dem Einkaufszentrum „be!“.
Georg Soldan war der erste Impfling der zweiten „Spritztour“ im Kreis. Für die Station Bebra gibt es von ihm nach dem Piks ein Lob.  © Sebastian Schaffner/Clemens Herwig
Die Nachfrage nach Corona-Impfungen in Hersfeld-Rotenburg ist gewaltig. Das hat der Auftakt der neuen „Spritztour“ in Bebra gezeigt - hier die lange Schlange vor dem Einkaufszentrum „be!“.
Der 13-Jjährige Konstantin Wiens aus Bad Hersfeld hat sich am Freitag seine erste Spritze abgeholt...  © Sebastian Schaffner/Clemens Herwig
Die Nachfrage nach Corona-Impfungen in Hersfeld-Rotenburg ist gewaltig. Das hat der Auftakt der neuen „Spritztour“ in Bebra gezeigt - hier die lange Schlange vor dem Einkaufszentrum „be!“.
...damit er sich im Alltag möglichst wenig einschränken muss. Mutter Anna Wiens hatte sich ab 9.20 Uhr für den Schüler in die Schlange gestellt.  © Sebastian Schaffner/Clemens Herwig
Die Nachfrage nach Corona-Impfungen in Hersfeld-Rotenburg ist gewaltig. Das hat der Auftakt der neuen „Spritztour“ in Bebra gezeigt - hier die lange Schlange vor dem Einkaufszentrum „be!“.
Klopft im Gespräch noch einmal die Impfvorgeschichte und mögliche Erkrankungen ab: Ärztin Ulrike Göbel vom Kinder- und Jugendärztlichen Dienst des Landkreises.  © Sebastian Schaffner/Clemens Herwig
Die Nachfrage nach Corona-Impfungen in Hersfeld-Rotenburg ist gewaltig. Das hat der Auftakt der neuen „Spritztour“ in Bebra gezeigt - hier die lange Schlange vor dem Einkaufszentrum „be!“.
Standen ebenfalls weit vorn in der Schlange der Impfwilligen: Karl Herwig und Ingeborg Rudolph sitzen ihre 15 Minuten nach der Spritze ab. Wer bereits stärkere Reaktionen auf einen Imfpstoff gezeigt hat, wartet eine halbe Stunde. © Sebastian Schaffner/Clemens Herwig
Die Nachfrage nach Corona-Impfungen in Hersfeld-Rotenburg ist gewaltig. Das hat der Auftakt der neuen „Spritztour“ in Bebra gezeigt - hier die lange Schlange vor dem Einkaufszentrum „be!“.
Der Biontech-Impfstoff ist auch zum Auftakt der Spritztour im Kreis knapp. © Sebastian Schaffner/Clemens Herwig
Die Nachfrage nach Corona-Impfungen in Hersfeld-Rotenburg ist gewaltig. Das hat der Auftakt der neuen „Spritztour“ in Bebra gezeigt - hier die lange Schlange vor dem Einkaufszentrum „be!“.
Ein Blick in den gut gefüllten Wartebereich zur Mittagszeit.  © Sebastian Schaffner/Clemens Herwig
Die Nachfrage nach Corona-Impfungen in Hersfeld-Rotenburg ist gewaltig. Das hat der Auftakt der neuen „Spritztour“ in Bebra gezeigt - hier die lange Schlange vor dem Einkaufszentrum „be!“.
.Prüft die Impfunterlagen: Robin Terno vom EDV-Unternehmen Service Allstars, das für den Landkreis auch schon das Impfzentrum betreut hat.  © Sebastian Schaffner/Clemens Herwig
Die Nachfrage nach Corona-Impfungen in Hersfeld-Rotenburg ist gewaltig. Das hat der Auftakt der neuen „Spritztour“ in Bebra gezeigt - hier die lange Schlange vor dem Einkaufszentrum „be!“.
Die Uhr tickt: Nach zwei Stunden Warten und nur 50 Metern vorwärts steigt bei Mirka und Marina Jäger aus Bebra (vorn) die Sorge um ihre weiteren Termine. Das Ehepaar Monika und Roland Jost aus Rotenburg (dahinter) wartet ebenfalls auf die Booster-Impfung.  © Sebastian Schaffner/Clemens Herwig
Die Nachfrage nach Corona-Impfungen in Hersfeld-Rotenburg ist gewaltig. Das hat der Auftakt der neuen „Spritztour“ in Bebra gezeigt - hier die lange Schlange vor dem Einkaufszentrum „be!“.
Die Nachfrage nach Corona-Impfungen in Hersfeld-Rotenburg ist gewaltig. Das hat der Auftakt der neuen „Spritztour“ in Bebra gezeigt. © Sebastian Schaffner/Clemens Herwig
Die Nachfrage nach Corona-Impfungen in Hersfeld-Rotenburg ist gewaltig. Das hat der Auftakt der neuen „Spritztour“ in Bebra gezeigt - hier die lange Schlange vor dem Einkaufszentrum „be!“.
Sind zuversichtlich, dass jeder Impfwillige eine Spritze bekommt: die ärztliche Leiterin Dr. Marlene Dahlen (links) und Impfteam-Leiterin Maike Henning.  © Sebastian Schaffner/Clemens Herwig
Die Nachfrage nach Corona-Impfungen in Hersfeld-Rotenburg ist gewaltig. Das hat der Auftakt der neuen „Spritztour“ in Bebra gezeigt - hier die lange Schlange vor dem Einkaufszentrum „be!“.
Die Nachfrage nach Corona-Impfungen in Hersfeld-Rotenburg ist gewaltig. Das hat der Auftakt der neuen „Spritztour“ in Bebra gezeigt. © Sebastian Schaffner/Clemens Herwig
Die Nachfrage nach Corona-Impfungen in Hersfeld-Rotenburg ist gewaltig. Das hat der Auftakt der neuen „Spritztour“ in Bebra gezeigt - hier die lange Schlange vor dem Einkaufszentrum „be!“.
Die Nachfrage nach Corona-Impfungen in Hersfeld-Rotenburg ist gewaltig. Das hat der Auftakt der neuen „Spritztour“ in Bebra gezeigt. © Sebastian Schaffner/Clemens Herwig

Georg Soldan ist seit 9 Uhr dabei. Das kommunalpolitische Urgestein aus Iba will sich wie die Bekannten aus Ersrode boostern lassen. Soldan ist durch einen leichten Schlaganfall vorbelastet: „Das macht vorsichtig“, sagt er.

Biontech gibt es nur für Sonderfälle

Geimpft werden soll das Trio mit Moderna. Das Vakzin von Biontech ist knapp und für Sonderfälle wie junge Impflinge reserviert. Dennoch sind die Verantwortlichen zuversichtlich, dass jeder Impfwillige in Bebra eine Spritze bekommt: „Wir wären auch so flexibel, dass wir notfalls nach Bad Hersfeld in die Apotheke fahren könnten“, sagt die Leiterin der Impfteams, Maike Henning. Sie empfängt die Besucher an der Tür der zur Impfstation umfunktionierten Einkaufsräume. Dort gibt es ein farbiges Bändchen, je nach Impfstoff: gelb für Moderna, gelb-weiß für eine Moderna-Boosterimpfung, weil dabei nur die halbe Dosis zum Einsatz kommt. Der Farbcode für Biontech ist grün.

Minutenlang geht es dann durch weitere Anmeldeprozesse: „Ihren Impfpass bitte. Und die Versicherungskarte.“ Derweil läuft die Arbeit in der „Apotheke“ der Impfstation auf Hochtouren: Regina Brede, Catrin Sotta und Annegret Sommer bereiten die Impfstoffe vor. Reihenweise werden Spritzen aufgezogen. Die Besucher des Impfzentrums können den Vorbereitungen zuschauen wie beim Warten aufs Essen in einem modernen Restaurant.

Gute Note für die Station Bebra: Georg Soldan war der erste Impfling der zweiten „Spritztour“ im Kreis. Gepikst wir er hier von Anni Dörge: „Ich bin sozusagen eine Frau der ersten Stunde“, sagt die Intensivkrankenschwester mit Erfahrung aus dem Impfzentrum.

Georg Soldan ist als Erster mit den Formalitäten fertig und nimmt auf einem Stuhl in einer von drei Impfkabinen Platz. Während er den Ärmel hochkrempelt und Ärztin Ulrike Göbel den Ibschen nach seiner Impfvorgeschichte befragt, bereitet Anni Dörge die Spritze vor – beide Frauen waren bereits im Rotenburger Impfzentrum im Einsatz. Einen Piks später ist Soldan zufrieden: „Die Einrichtung ist gut erreichbar und gut gemacht“, sagt er. Kritik gibt es nur beim Blick auf die Impfgeschichte des Landkreises: „Zumindest die mobilen Teams hätten bleiben sollen. Es ist alles viel zu spät und kommt nun auf einen Schlag.“ Der Blick auf die Wartenden vor der Tür gibt ihm recht.

50 Meter vorwärts nach zwei Stunden Wartezeit

Das Ehepaar Jost aus Rotenburg hat gegen 12.30 Uhr etwas mehr als 50 Meter gut gemacht – nach knapp zwei Stunden Schlangestehen. „Wir halten weiter durch“, sagt Roland Jost, der völlig gelassen wirkt und erklärt: „Aufregen bringt ja nichts.“ Derweil wird das Personal bei der Anmeldung aufgestockt, weil das zweite mobile Impfteam nach einem Einsatz im Altenzentrum für Verstärkung sorgt. Impfteamleiter Martin Ködding und Bebras Bürgermeister Stefan Knoche packen beim Tische tragen mit an. „Das Administrative ist oft der Flaschenhals“, sagt Ködding. Das stimmt: In den Impfkabinen wurde bislang oft auf Patienten gewartet.

Für die Josts geht es nun allerdings schneller voran. Beide wollen ihren Impfschutz auffrischen lassen, in der Spritztour-Schlange stehen sie, weil der Hausarzt kurzfristig und unter vielen Entschuldigungen passen musste – es fehlte der Impfstoff, erzählt Monika Jost.

Schlange stehen statt Seniorenpflege

Direkt in der Reihe vor dem Ehepaar steigt nach und nach die Anspannung: Mirka Jäger macht sich Sorgen, dass sie es nicht rechtzeitig zur Arbeit schafft. Die 18-Jährige absolviert eine Ausbildung zur Pflegefachfrau und kann ihre Verspätung nicht einmal ankündigen, weil zu allem Unglück auch noch das Handy samt Kontakten daheim liegt. Während die Josts von hinten bereits Hilfe anbieten, sind sich Mirka Jäger und ihre Mutter Marina einig: „Zurückziehen wollen wir auch nicht, weil wir schon so viel geschafft haben.“ Und in der Tat können die Bebranerinnen zumindest die Anmeldung sehen.

Er wäre wohl lieber im warmen Kinderzimmer: Erstimpfling Michelle Grupp (25) aus Lispenhausen reiht sich mittags in die Schlange vor dem Einkaufszentrum ein. Sie hat zwei Stunden Zeit und Sohn Liam mitgebracht. Auf lange Wartezeiten ist das Duo eingestellt – 50 Prozent allerdings nur unter Protest.

Dort bleibt Impfteamleiterin Maike Henning gelassen: „Ich hätte fast mit mehr Unzufriedenheit gerechnet“, sagt sie. Natürlich gibt es Diskussionen – um den Impfstoff, um die lange Wartezeit. Einige Impfwillige kritisieren auch, dass sich Ältere beim stundenlangen Schlangestehen nicht setzen können. „Da sind uns die Hände gebunden“, sagt Henning, die rät, in solchen Fällen auf einen Impftermin in einer anderen Kreiskommune auszuweichen: „Wir impfen ab jetzt sieben Tage die Woche.“ (Clemens Herwig)

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