Nächster Termin am 25. Juni

Schmuddelig bis schrecklich und Plätze mit Potenzial: Erster Rundgang in Bebra

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Bürgerbeteiligung erwünscht: Am Dienstag fand der erste Rundgang zur Stadtentwicklung in Bebra statt.

Das Förderprogramm Soziale Stadt unterstützt Stadtteile mit Entwicklungsbedarf. Knapp 30 Bürger waren jetzt beim ersten Rundgang in der nordwestlichen Kernstadt Bebras dabei.

Mit einem ersten Rundgang ist die Stadterneuerung in Bebra nun auch in der nordwestlichen Kernstadt angekommen. Knapp 30 interessierte Bürger sind dabei, als die Planer am Dienstagabend die Stärken und Schwächen zwischen Rathausmarkt und dem nördlichen Stadteingang zum Thema machen.

Die Rückmeldungen entlang der Route reichen von schrecklich über schmuddelig bis zum „Schandfleck“. Doch einigen Stationen haben auch Potenzial. Gemeinsam mit dem Göttinger Bogen ist der Stadtteil im Förderprogramm Soziale Stadt, das Bereiche mit besonderem Entwicklungsbedarf unterstützt. 

Das Programm läuft bis 2028, bis Ende des Jahres muss allerdings ein sogenanntes Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept (Isek) stehen. Die Bürger sollen sich daran beteiligen.

Nachholbedarf bei der Barrierefreiheit

Karolin Stirn, Projektleiterin beim zuständigen Kasseler Büro ProjektStadt, ist mit der Teilnehmerzahl des ersten Rundgangs zufrieden. Zwischen 20 und 50 Bürger seien bei einer Stadt von der Größe Bebras erfahrungsgemäß dabei. Sie warnt aber auch: „Wir können nicht alle Probleme lösen.“ Jeder Hinweis werde zumindest aufgenommen. 

Ecke mit Innenhofcharakter: Die Amalienstraße.

Besonders häufig in der Kritik steht die Barrierefreiheit: Sowohl Behinderte als auch Senioren und Familien mit kleinen Kindern hätten es in der nordwestlichen Kernstadt nicht leicht, sagt Werner Könnecke, seit mehr als zehn Jahren Behindertenbeauftragter der Stadt. Die Innenstadt sei dagegen mehr oder weniger barrierefrei. Auch Erste Stadträtin Ilse Koch, die in Vertretung für Bürgermeister Uwe Hassl teilnimmt, betont: „Seniorengerecht bedeutet auch familiengerecht.“

Bürger können sich auch im Internet beteiligen

Die Stadtteilrundgänge sind nicht die einzige Möglichkeit für Interessierte, sich bei der Zukunftsplanung für die nordwestliche Kernstadt und den Göttinger Bogen zu beteiligen. Unter dem Motto „Bebra baut Zukunft“ haben die Stadt und ihre Partner eine Internetplattform als zentrale Anlaufstelle für das Projekt ins Leben gerufen. 

Sie soll aktuelle Informationen liefern und Menschen mit Ideen miteinander vernetzen. Zudem hat das Kasseler Büro eine Stadtteilumfrage gestartet. Die ausgefüllten Fragebögen können in der Stadtbibliothek, im Rathaus oder auch abfotografiert per E-Mail abgegeben werden. „Es macht keinen Sinn zu planen, wenn wir nicht wissen, was die Leute vor Ort wollen“, sagt Karolin Stirn.

Die Stationen des Stadtrundgangs

Gute zwei Stunden dauerte der Stadtteilrundgang durch die nordwestliche Kernstadt in Bebra. Dabei stellte das Bau- und Planungsamt und das Büro ProjektStadt die insgesamt acht Stationen nicht nur vor, sondern bekam auch eine Einschätzung von den Bürgern. Ein Blick auf die Bilanz:

  • Rathausmarkt: Der Startpunkt der Tour – mit viel Luft nach oben. Etwa beim in die Jahre gekommen Kopfsteinpflaster – gerade für ältere Menschen eine Stolperfalle – und bei der Barrierefreiheit, da das Rathaus nur über Treppen auf der einen und eine zu steile Rampe auf der anderen Seite erreichbar ist. Die Teilnehmer wünschen sich mehr Sitzgelegenheiten, auch die Mauer zur Nürnberger Straße wird als störend empfunden. Der Platz solle im Idealfall „generationsübergreifend genutzt werden“, sagt Projektleiterin Karolin Stirn von ProjektStadt. Einige Ideen haben Studierende der Uni Kassel bereits gesammelt. 
  • Nürnberger Straße/Pfarrstraße: „Leerstände sind immer ein schlechtes Image“, sagt Stirn wenige Meter weiter. Davon gibt es an der Oberen Nürnberger Straße einige – obwohl die Nähe zur Innenstadt vorhanden ist. Die Frage kommt auf, wo die Reise hingehen soll: Den Einzelhandel wieder stärken? Wohnungsbau? Die Befürchtung aus der Gruppe: Alle Geschäfte werden sich nicht wiederbeleben lassen. Derzeit wirke der Abschnitt „trostlos“.
  • Stadteingang Nord: Bebras historischer Dorfkern liegt um die Auferstehungskirche. Mittlerweile sei die Gegend mit den schönen, alten Gebäuden aber keine wichtige Achse mehr, sagt Dominikus-Hyazinth Stein von ProjektStadt am Lindenplatz. Das soll sich mit der Überarbeitung des Stadteingangs Nord ändern, bei der auch die derzeit viel befahrene Rotenburger Straße entlastet werden soll. An der Kreuzung zur Kasseler Straße soll ein Kreisel mit Mittelinsel entstehen, so Bauamtsleiter Patrick Schuster. Zudem soll sich die Situation für Fußgänger verbessern – gerade auch mit Blick auf das nahe Seniorenzentrum der Awo. Erneut auffällig: der Leerstand. Einen als Sperrmüll abgestellten Fernseher beobachte sie bereits seit Wochen, sagt Karolin Stirn. Die Rückmeldung der Bürger? „Schrecklich.“
  • Stadtpark/Awo-Seniorenzentrum: „Das könnte ein kleines Juwel sein“, sagt Teilnehmer Dieter Gothe über den Park am Seniorenzentrum – von dem viele nicht wissen, dass er eine öffentliche Anlage ist. Zum Juwel fehlen allerdings Bänke, leicht begeh- und befahrbare Wege und Beleuchtung in der Anlage.
  • Karlstraße/an der Bebra: Es ist dunkel, es ist eng: Der Tunnel unter den Bahngleisen in Richtung Mende-Park „löst Unwohlsein aus“, sagt Karolin Stirn. Fahrradfahrer müssten zudem den Kopf einziehen. Das soll sich ändern, heißt es vom Bauamt, auch eine Renaturierung der Bebra sei geplant. „Das ist alles ein bisschen schmuddelig“, bringt es Dieter Gothe auf den Punkt. Zudem gebe es keinen vernünftigen Fußweg zum Hessischen Hof, sagt Stadtarchivar Peter Kehm.
  • Lindenallee/Tegut-Parkplatz: Die Lindenallee wirke eher wie der Eingang zu einem Gewerbegebiet statt der Innenstadt, so Karolin Stirn. Der Parkplatz vor dem Tegut ist in die Jahre gekommen. Behindertenparkplätze sind kaum noch als solche zu erkennen. Ändern ließe sich das nur, wenn die Betreiber des Lebensmittelmarktes mit an Bord seien, heißt es von den Planern. Eine direkte Verbindung zum Einkaufszentrum be! sei theoretisch möglich. Bei den anwesenden Anwohnern löst das zunächst keine Begeisterung aus. Auf das Tegut-Sortiment verzichten wollen die Teilnehmer des Rundgangs auf keinen Fall. Klar wird aber: Es muss etwas passieren. Das Wort „Schandfleck“ fällt. Besonders die schmale Treppe und steile Rampe („im Winter können Rollstuhlfahrer das vergessen“) in Richtung Rathausmarkt wird kritisiert.
  • Amalienstraße: Zu viel Beton, zu wenig Farbe und es fehlen Pflanzen: Es gibt Kritik an der Amalienstraße. Doch nicht nur Projektleiterin Stirn sieht Potenzial für eine positive Innenhofatmosphäre. Die Straße wird als Durchgang zwischen Markt und dem Angebot rund um das be! genutzt, sei aber häufig zugeparkt. Was auch daran liege, dass so das Ärztehaus ebenerdig zu erreichen ist.

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