Bebra setzt sich für Blinde ein

Sehbehindertentag: Mit dem Stock den Weg ertasten

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Begutachten das Leitsystem für Blinde und Sehbehinderte: Von links der Bebraer Bauamtsleiter Patrick Schuster, das Ehepaar Kurth und rechts Werner Auth. 

Bebra. Für einen Rollstuhlfahrer kann ein drei Zentimeter hoher Bordstein schon eine unüberwindliche Barriere sein, sehbehinderte oder blinde Menschen dagegen brauchen einen kleinen Absatz, der ihnen sagt: Hier beginnt die Straße.

Vor dieser kleinen Absenkung erspüren sie mit dem Blindenstock die breiten weißen Längsrillen: Das Sperrfeld ist ein Signal, bevor es auf die Straße geht. Die Noppen wiederum fordern Aufmerksamkeit und bedeuten: Hier verändert sich etwas.

Sehbehinderte Menschen sollen sich auf dem Bahnhofsvorplatz ebenso bewegen können wie Menschen mit Rollator, Rollstuhl, Kinderwagen und alle anderen. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, hat das Bebraer Bauamt schon vor drei Jahren erstmals Kontakt mit dem Blinden- und Sehbehindertenbund Osthessen aufgenommen. Gestern, zum Tag der Sehbehinderten, trafen sich Elsbeth Kurth und Werner Auth erneut mit Bauamtsleiter Patrick Schuster und Mitarbeiterin Dorota Patzwa, die Hinweise von dieser Benutzergruppe für den Bau des Bahnhofsvorplatzes bekommen wollten.

Elsbeth Kurth konnte als Kind noch ganz normal sehen und ist heute vollkommen blind. Werner Auth hat ein stark eingeschränktes Gesichtsfeld von sechs statt der normalen 200 Grad. Beide lobten die Stadt Bebra für ihr Engagement. „Ich bin nachts blind wie ein Maulwurf“, sagt Auth. Für ihn ist das Leitsystem ein wichtiges Hilfsmittel.

Viele verschiedene Systeme

Bebra sei auf den Sehbehindertenbund zugekommen, freut sich auch Elsbeth Kurth. Zwar gebe es DIN-Vorschriften, doch noch besser sei es, mit den Betroffenen zu reden. Sie müssen ohnehin damit klarkommen, dass jeder Kreis, jede Stadt und Gemeinde oder auch die Bahn eigene Systeme haben. Sich in fremder Umgebung zu orientieren, ist für stark Sehbehinderte deshalb sehr anstrengend.

Nach den Behindertenparkplätzen fragt Elsbeth Kurths Mann, der sie stets begleitet. Er wünscht sich eine noch deutlichere farbliche Kennzeichnung der Plätze, die oft von anderen Autofahrern blockiert werden.

Die Noppen und Rillen, die manche Zeitgenossen lästig finden, sind für die Sehbehinderten unverzichtbar. „Brauchen Sie auch ein taktiles Leitsystem vom Busbahnhof zum Taxistand?“, fragen Schuster und Patzwa. „Nein“, sagt Werner Auth, ein Zuviel wäre auch verwirrend.

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