„Auf alten Pfannen lernt man kochen“

Duo Cocodello überzeugt in Ellis Saal in Weiterode mit mitreißendem Mikromusical

Cornelia Schirmer und Delio Malär - beide mit Gitarre - präsentieren auf der Bühne in Ellis Saal in Weiterode ihr Mikromusical „Auf alten Pfannen lernt man kochen“.
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Wurden in Ellis Saal gefeiert: Cornelia Schirmer und Delio Malär sind das Duo Cocodello.

Mit tollen Stimmen und viel Witz, aber auch feiner Sensibilität hat das Duo Cocodello mit seinem Mikromusical in Ellis Saal in Weiterode für lang anhaltenden Applaus gesorgt.

Weiterode - Cocodello hieß es am Samstagabend in Ellis Saal. Was zunächst an einen an akkurat ausgerichteten Strandliegen vorbeiziehenden, „Coco bello“ rufenden und Kokosnussstücke anpreisenden Obstverkäufer erinnert. Aber nur im ersten Moment, denn das nach Weiterode gekommene Duo Cocodello servierte in seinem mitreißenden Mikromusical „Auf alten Pfannen lernt man kochen“ etwas ganz anderes.

Die im thüringischen Schweina geborene, in Hamburg lebende Schauspielerin, Schauspieldozentin und Künstlerin Cornelia Schirmer (52) und der Schweizer Schauspieler, Musiker und Autor Delio Malär (28), der an der Schule für Schauspiel Hamburg von Cornelia Schirmer ausgebildet wurde, spielten und besangen fast sich selbst.

Lust, Liebe und das Problem mit dem Altersunterschied

Sie die gealterte, rollenlose Lehrerin, die sich auf und hinter der Bühne als Putzfrau verdingt. Er den ehemaligen Lieblingsschüler, dessen Karriere gerade beginnt. Zum Vorspielen eingeladen, trifft er sie zufällig wieder.

Sie warnt ihn vor den Brettern, die die Welt bedeuten. Sie fragt ihn allerdings auch, wie denn sein Leben so verlaufen sei, woraufhin er ihr singend von der „Perfekten Woche“ mit Monika, Diana, Mikado, Doris, Frieda, Sabine und Sonntag als Ruhetag erzählt. Von Anfang an überzeugen die beiden mit tollen Stimmen und nicht minder tollem Gitarrenspiel, Witz und großem Einsatz, aber auch mit Sensibilität, etwa da, wo Delio über den Unterschied zwischen Lust und Liebe und das Alleinsein philosophiert. Und über den Dreifach-Rat, den Frau Schirmer ihm mit auf den Weg gegeben hat: „Immer früh aufstehen, immer das Öllämpchen brennen lassen, und nie etwas mit Kolleginnen anfangen!“

Schon bald allerdings „übermannen“ die in die Rolle der aufmunternden Lehrerin schlüpfende Frau Schirmer eigene Gefühle: „Sie müssen in ihre innere Mitte fallen und sich zentrieren!“ Als sie Delio über den Bauch streichelt und schließlich sogar küsst, fällt er nach einem Moment der Fassungslosigkeit über sie her. Und damit ist es da, das Problem des Altersunterschieds, das Zerrissensein zwischen dem „Ich kann doch nicht…“ und dem „Ich will mit dir gehen, du süßes Karamellbonbon!“

Viel Applaus und grandios zelebrierte Zugaben

Dem verzückten Publikum erwächst ein musikalischer und schauspielerischer Hochgenuss, voller Pointen, bei dem sich die Protagonisten des Mikromusicals makromäßig einbringen und alles geben. So echt und mit solcher Spielfreude, dass man sich immer wieder fragt: „Haben die beiden denn nun tatsächlich was miteinander oder nicht?“ Als Delio selbst zum Lehrer wird, die nicht mehr an sich glaubende Frau Schirmer phantasievoll „mit Schokolade behängt“ und mitnimmt in eine imaginäre Manege, blüht sie auf – erlebt in ihrem neuem, schwarz-glitzernden Outfit so etwas wie einen zweiten Frühling.

Warum soll es auch auf die Zahl der Jahre ankommen, wenn schon Delios Großvater gesagt hat: „Auf alten Pfannen lernt man kochen!“? Das Glück scheint perfekt zu sein – als es unerwartet endet, weil Delio auf die Probenbühne gerufen wird.

Langanhaltender, von Herzen kommender Applaus, der von den strahlenden und unübersehbar glücklichen Cocodellos mit grandios zelebrierten Zugaben, bei denen sich Delio Malär total verausgabt, ebenso herzlich erwidert wird. Mögen sie schon bald die Fortsetzung ihrer Liebesgeschichte servieren: „Auf der Bühne gehörst Du mir“. (Von Wilfried Apel)

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