Neuer Mann an der MZV-Spitze

Sigmar Schäfer ist neuer Geschäftsführer beim Müllabhol-Zweckverband in Bebra

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Bezeichnet sich als zurückhaltenden Zeitgenossen: Die berühmten drei Affen, die als Holzfiguren auf seinem Schreibtisch stehen, sind für Sigmar Schäfer im übertragenen Sinne so etwas wie ein Lebensmotto. 

Sigmar Schäfer ist seit rund 100 Tagen neuer Geschäftsführer des Müllabhol-Zweckverbandes (MZV).

Sigmar Schäfer ist seit rund 100 Tagen neuer Geschäftsführer des Müllabhol-Zweckverbandes (MZV). Seitdem er die Nachfolge von Bernhard Skolik angetreten hat, sind mit ihm auch drei Affen ins Chefbüro auf dem Gelände des Wertstoffhofs in Bebra eingezogen. „Sie sind so etwas wie ein Vorbild für mich“, sagt der 56-Jährige.

Die drei Holzfiguren auf seinem Schreibtisch symbolisieren – frei übersetzt – das alte Sprichwort „Höre, sieh und schweige, wenn du in Frieden leben willst“. Schäfer, der nach eigenen Angaben einen kooperativen Führungsstil pflegt, lebt dieses Motto.

Viel zu kritisieren habe der Südhesse aber ohnehin nicht an seiner neuen Wirkungsstätte. Im Gegenteil: „Selten habe ich einen so top aufgestellten Betrieb übernommen“, sagt er über die Arbeit seines Vorgängers, der zuvor zehn Jahre die Geschäfte geführt hat und ihm bei der Einarbeitung geholfen hat. Der Müllverband hat 23 Mitarbeiter und ist für die Abfälle in Bebra, Ronshausen und Rotenburg zuständig.

Schäfer ist gelernter Chemiefacharbeiter und hat in zahlreichen Unternehmen in der Automotive- und Entsorgungsbranche gearbeitet. Nach seiner Lehre beim Reifenhersteller Dunlop in seiner Heimatstadt Hanau arbeitete er unter anderem als Projektleiter bei einem Unternehmen, das für die Entsorgung der Produktionsabfälle, Lösungsmittel und Öle von Dunlop zuständig war. Anschließend war er Vertriebs- und Niederlassungsleiter bei den Firmen Suez und Veolia. Von 2012 bis 2018 managte er bei der Eon-Tochter EEW (Energy from Waste) die Steuerung von rund fünf Millionen Tonnen Abfällen aus 18 Müllheizkraftwerken. Zuletzt verschlug es den Vater einer erwachsenen Tochter an die Grenze zur Schweiz, wo er für die Entsorgung im Kreis Lörrach (Baden-Württemberg) zuständig war.

Und warum dann der Schritt zum MZV? „Ich wollte wieder nach Hessen“, sagt der bekennende Eintracht-Frankfurt-Fan, der mit seiner Frau in Bad Salzschlirf (Landkreis Fulda) wohnt. „Beim Gespräch mit dem Verbandsvorsitzenden und dem Vorstand hatte ich gleich ein gutes Gefühl.“ Schäfer hat auch Ideen nach Bebra mitgebracht, möchte vor allem die Serviceangebote des Müllverbandes erweitern – mehr will er aber noch nicht verraten.

Mit Interesse dürfte die Neubesetzung des Geschäftsführerpostens auch beim Abfallwirtschafts-Zweckverband Hersfeld-Rotenburg verfolgt worden sein, dem zweiten, größeren Müllverband im Landkreis, der für die Abfälle in den anderen 17 Kreiskommunen zuständig ist.

Dass das Verhältnis beider Verbände in der Vergangenheit nicht unbedingt nur von gegenseitiger Bewunderung geprägt war, sei ihm zugetragen worden, sagt er.

Wie berichtet, hatte der MZV dem AZV zuletzt vorgeworfen, Abfallmengen falsch berechnet und Kosten fehlerhaft zugeordnet zu haben. Die Verbandsversammlung in Bebra hat daraufhin ein Normenkontrollverfahren am Verwaltungsgerichtshof Kassel angestrengt, in dem die AZV-Gebührensatzung, die auch für den MZV gilt, juristisch überprüft werden soll.

Angesprochen auf die Streitigkeiten hält es Schäfer aber wieder mit den drei Affen. Er sagt lediglich: „Das Tagesgeschäft mit dem AZV ist von einem freundlich-kollegialen Verhältnis geprägt.“ Bei AZV-Geschäftsführer Jörg Goßmann habe er sich bereits vorgestellt. Die Zusammenarbeit sei „hundertprozentig“. Goßmann habe etwa angeboten, den MZV beim Biomülleinsammeln mit einem Außendienstmitarbeiter zu unterstützen, um gemeinsam gegen Kunden vorzugehen, die Fremdstoffe in die Biotonnen werfen. „Alles andere“, sagt Schäfer mit Blick auf die Rechtsstreitigkeiten, „ist Sache der Verbandsvorstände“.

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