"Schweigende Hinterbänkler"

Sitzung in Bebra: Harsche Kritik an Bürgermeister Hassl

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Die Stadtbücherei im alten Rathaus: Ernst-August Volland (links) geht in den Ruhestand. Horst Lucht (rechts)und der Büchereiverein hätten gerne im alten Rathaus ein en Treffpunkt der Generationen und Kulturen geschaffen.

Bebra. Deutliche Kritik an Bürgermeister Uwe Hassl prägte die Sitzung der Stadtverordneten in Bebra.

Als „schweigende Hinterbänkler" wollten sich die Stadtverordneten in Bebra nicht von ihm bezeichnen lassen. Den Ausdruck hatte Hassl in einer Anzeigenzeitung verwendet. In dem Text hatte er eine Verkleinerung des Parlaments angeregt.

Die Formulierung sei einfach unerträglich, gab ihm gleich zu Sitzungsbeginn am Donnerstag Stadtverordnetenvorsteher Herbert Börner zu verstehen. Er monierte den Umgang Hassls mit den Parlamentariern, die demokratisch gewählt seien und ein wichtiges Ehrenamt ausübten.

Ein heftiger Meinungsaustausch entzündete sich auch an der Frage, ob die städtische Bücherei - wie im November beschlossen - us dem alten Rathaus auszieht und mit der Grundschulbücherei an der Luisenstraße zusammengelegt wird. Der Beschluss war vom Bürgermeister unter anderem aus Kostengründen beanstandet worden. Die Beanstandung wiederum wiesen die Stadtverordneten einstimmig zurück. Zwei Enthaltungen kamen von der FWG.

Gerhard Schneider-Rose (SPD) hatte die Beanstandung des Beschlusses durch Hassl als einen wütenden Racheakt am Parlament bezeichnet. Er habe das Gefühl, Hassl betrachte dieses als lästige Laberbude, die er nicht ernst nehme. Schneider-Rose vermisse die wertschätzende Kommunikation. Dabei habe man in Bebra gelernt, auch ohne eindeutige Mehrheit das Beste aus der Situation zu machen. Man gehe nicht feindelig miteinander um, was eine super Ausgangslage für den neutralen Bürgermeister sei.

Neuer Beschluss 

Uwe Hassl erklärte, er müsse den Finger auch mal in die Wunde legen. Mit der Verlegung der Bücherei sei seines Erachtens nach etwas nicht richtig gelaufen. Er sprach von einem Schnellschuss der SPD-Fraktion, bei dem die Haushaltsregularien nicht beachtet worden seien. Er sehe sich als Kontrollorgan, sagte Hassl. Das wiederum hielt Bernd Holzhauer nicht auf dem Stuhl. Der Bürgermeister sei die Executive, nicht das Kontrollorgan. Trotz der Zurückweisung der Beanstandung zog die Versammlung den ersten Beschluss zurück und votierte einstimmig für einen leicht abgewandelten, in dem die aktuelle Entwicklung berücksichtigt wird. Man reiche dem Bürgermeister mit einem neuen Beschluss die Hand, sagte Schneider-Rose.

Uwe Hassl nahm die Hand aber nicht. Er sprach am Ende der Vorweihnachtssitzung von einem seit seinem Amtsantritt andauernden Kräftemessen und meinte, er habe nicht ganz unrecht gehabt, da der erste Beschluss aufgehoben worden sei.

Von Gudrun Schankweiler-Ziermann 

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