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Sofia spricht noch immer nicht: Reha für Bebranerin brachte nicht gewünschten Erfolg

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Von: Lea-Sophie Mollus

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Lebensfroh und energiegeladen: Die sechsjährige Sofia aus Bebra ist trotz der wenig erfolgreichen Sprachtherapie im niedersächsischen Bissendorf gut gelaunt.
Lebensfroh und energiegeladen: Die sechsjährige Sofia aus Bebra ist trotz der wenig erfolgreichen Sprachtherapie im niedersächsischen Bissendorf gut gelaunt. © Lea-Sophie Mollus

Nun ist die sechsjährige Bebranerin zurück zuhause. Doch die Therapie hat nicht den gewünschten Erfolg gebracht.

Bebra – Eine anstrengende Zeit liegt hinter Sofia: Die Sechsjährige hat nicht nur vier Wochen in einer Spezialklinik für Sprachtherapie verbracht, die Strecke von Bebra in das über 220 Kilometer entfernte Bissendorf hat sie mit ihrem Vater auch noch mit dem Fahrrad zurückgelegt – zumindest fast. Nun ist sie zurück zuhause. Doch die Therapie hat nicht den gewünschten Erfolg gebracht.

Sofia lebt mit ihren Eltern und ihren zwei Geschwistern – Leonie (9) und Maximilian (5) – in Bebra. Die Sechsjährige hat Probleme mit dem Sprechen: Im einen Moment sagt sie klar verständliche Worte, im anderen verfällt sie in eine Babysprache – wir berichteten. Im Zuge einer logopädischen Behandlung, in der sich Sofia seit vier Jahren befindet, hat sie einen Sprachcomputer bekommen. „Anna“, wie das Gerät liebevoll genannt wird, hilft Sofia dabei, sich auszudrücken: Durch Berühren verschiedener Symbole auf dem Touch-Display kann die Sechsjährige Sätze bauen und zum Beispiel mitteilen, wie sie heißt oder dass sie Hunger hat.

Der Aufenthalt in einer Reha-Klinik im niedersächsischen Bissendorf, die auf Kinder und Jugendliche mit Kommunikationsstörungen spezialisiert ist, sollte Sofia helfen, sich auch ohne „Anna“ auszudrücken – doch der gewünschte Erfolg blieb aus. Nachdem die Sechsjährige die über 220 Kilometer lange Strecke dorthin gemeinsam mit ihrem Vater Enrico Wübbold auch aus finanziellen Gründen größtenteils mit dem Fahrrad absolviert hatte – die letzten 80 Kilometer wurden sie von Mitgliedern des Vereins „Trucker for Kids“ mitgenommen, mit denen die Familie seit Beginn der umfangreichen Berichterstattung in Kontakt steht – lebte sie dort vier Wochen.

„Sofia hat alles gut mitgemacht“, sagt Vater Enrico Wübbold. „Aber ihre Sprache ist nicht besser geworden.“ Das lebensfrohe Mädchen spricht weiterhin nur situativ. Als sie zum Beispiel auf der Hinfahrt Pferde auf einer Koppel gesehen hatte, sprach sie sehr deutlich und die Hoffnung, dass die Therapie ihr weiterhelfen würde, stieg, berichtet Wübbold. In Bissendorf angekommen war aber alles beim Alten. Hinzu kam, dass Sofia nach zwei Wochen aufhörte zu essen – „vermutlich Heimweh“, sagt ihr Vater, ist aber sicher, dass ihr der Aufenthalt trotzdem gutgetan hat, da sich Sofia zum Ende der Zeit sogar öffnen und sich auf andere Kinder einlassen konnte. Zurück ging es nicht wie geplant mit dem Fahrrad, sondern mit dem Taxi. Dank „Trucker for Kids“, die die Fahrt bezahlten.

Seine Erwartungen hat der Vater mit der Zeit runtergeschraubt – das mache zu viel Druck. „Irgendwann wird sie sprechen. Und wenn nicht, haben wir sie trotzdem lieb“, sagt Wübbold. Dennoch war der 50-Jährige erst einmal frustriert, als er mit seiner Tochter wieder in Bebra ankam. „Ich dachte, es geht alles wieder von vorne los. Die Probleme gehen weiter“, sagt er. Nach der mehr oder weniger erfolglosen Reha hat die Familie mit Problemen bei der Wohnungs- und Arbeitssuche sowie einer neuen möglichen Therapie für Sofia zu kämpfen, die sie wieder vor Herausforderungen stellt.

Ein Reiterhof in Haunetal-Müsenbach bietet Reitpädagogik und -therapie an – für die tierliebe Sofia eine gute Option. Wäre da nicht die Strecke von 25 Kilometern. Zwar weiß die Familie bisher nicht, was bei der Therapie auf sie zukommt, trotzdem setzt der Vater schon jetzt alles in Bewegung, um sie seiner Tochter zu ermöglichen. Dazu ist er nun auf der Suche nach einem Lastenfahrrad mit Beiwagen – „natürlich leihweise“, sagt Wübbold.

Weil die Therapie nicht anerkannt sei, übernehme die Krankenkasse weder die Kosten dafür, noch jene für Hin- und Rückfahrt. „Zur Not fahren wir wieder mit dem Fahrrad und zelten auf dem Hin- und Rückweg“, sagt der Vater. Ob Sofia das mitmacht, weiß er nicht. Aktuell stehen Radfahren und Zelten jedenfalls nicht auf der Liste ihrer Lieblingsbeschäftigungen: „Sie hat Angst, dass es wieder weiter weg geht.“

Dass das Vater-Tochter-Gespann mit dem Rad zur Kur gefahren ist, war trotzdem eine gute Idee. „Sofia ist sehr ängstlich“, sagt Wübbold – mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs zu sein, hätte ihr demnach nicht gutgetan. Durch die intensive gemeinsame Zeit sind beide noch enger zusammengewachsen. „Sie ist ein absolutes Papa-Kind.“ Beide haben einen Pakt geschlossen: „Wenn sie ihren ersten ganzen Satz spricht, rasiere ich meinen Bart ab“, sagt Wübbold, dessen Gesichtsbehaarung inzwischen beachtlich ist. Die Familie wartet aktuell noch auf den Abschlussbericht aus Bissendorf – möglicherweise empfiehlt die Klinik einen weiteren Aufenthalt im kommenden Jahr. (Lea-Sophie Mollus)

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