Zweiter Rundgang in Bebra

Stadtrundgang im Göttinger Bogen in Bebra: Planer wollen auf Familien zugehen

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Potenzial vorhanden: An der Grünfläche vor dem Fußgängertunnel unterhalb der Göttinger Straße könnte etwas passieren, so Projektleiterin Karolin Stirn (rechts im Bild).

Mehr als 40 Bürger kamen am Mittwochabend zum zweiten Rundgang „Soziale Stadt“ in Bebra. Diesmal im Blick der Planer: Der Brennpunkt Göttinger Bogen. 

Der Göttinger Bogen ist ein prägender Kern der Stadt, so Jens Meister vom Bau- und Planungsamt, der „nach Aufmerksamkeit schreit“. Flüchtlinge, Migranten und Gastarbeiter, die in den 1970er Jahren aus der Türkei und dem ehemaligen Jugoslawien in den Göttinger Bogen gezogen sind, seien heute etablierte Bebraner, sagte Uli Rathmann vom Fachdienst Generationen. 

Da in dem 86 Hektar großen Areal viele junge Familien wohnten, sollte es belebt werden: mit einer Kindertagesstätte, einer Krippe, einem ordentlichen Nahversorgungsangebot und einem Familienzentrum für alle Generationen. Ein Blick auf die Stationen des Rundgangs:

Brüder-Grimm-Schule

Die teilweise chaotischen Verkehrsverhältnisse, besonders zu Unterrichtsbeginn- und Ende, beklagten Nachbarn der Grundschule. Auch Projektleiterin Karolin Stirn kritisierte den „ungeordneten Raum an der überdimensionierten Bushaltestelle“. 

Die Teilnehmer wünschten sich mehr Bäume, Büsche und Sitzgelegenheiten auf dem Schulgelände. „Es gibt hier in der Luisenstraße gewisse Ecken, die mir und meinem Sohn bei Dunkelheit nicht geheuer sind“, sagte ein Anwohner und verwies auf immer mehr alkoholisierte Menschen, die nachts bedrohlich wirkten. 

Wegen Vandalismus und eines einschlägigen Szene-Treffs sei der Pausenhof außerhalb der Schulzeiten geschlossen. Die Projektleiter sehen dennoch Potenzial: Auf den 4000 Quadratmetern zwischen August-Wilhelm-Mende- und Brüder-Grimm-Schule könnte ein Familienzentrum entstehen.

An der Bebra

Der Weg zur Kernstadt unterhalb der Göttinger Straße – zwischen dem Bach Bebra und einem Autohandel – könnte laut Dominikus Hyazinth Stein von ProjektStadt aufgewertet werden. Die Grünfläche müsse wieder im Mittelpunkt stehen. Ein Vorschlag: Bänke im Schatten könnten zum Verweilen reizen.

 

„Nicht sicher, zu dunkel und nicht barrierefrei“ – der Fußgängertunnel erhitzte die Gemüter. Einige Teilnehmer weichen lieber auf den Auto-Tunnel aus.

Soziale Förderstätten

Zurück in der Luisenstraße ging es um die Werkstätten der Sozialen Förderstätten mit angeschlossenen Wohnbereichen. Laut Geschäftsführer Ulrich Völke gibt es dort keine Erweiterungsflächen mehr. Eine Werkstatt für Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen in einem Wohngebiet sei etwas Besonderes. 

„Wir sind inklusiv, fühlen uns in Bebra integriert und gut vernetzt“, so Völke. Die Kasseler Projektleiter sehen Synergien zu einem möglichen Familienzentrum in der Luisenstraße.

Heidaustraße

Viele in die Jahre gekommene Gebäude und große, aber ungestaltete Grünflächen: „Hier gibt es kein Wohn-, sondern ein Renovierungsproblem“, sagten die Bewohner des Göttinger Bogens, René Wucherpfennig und Andrea Mangold. Es sei nie Geld investiert und das Entwicklungspotenzial nie ausgeschöpft worden.

 

Der 9000-Quadratmeter-Platz werde gerne genutzt, so die Rückmeldung. Er bleibe „unter seinen Möglichkeiten“ und sei nicht für alle Altersgruppen geeignet, urteilten die Projektleiter. 

Die Spielmöglichkeiten seien begrenzt und Barrierefreiheit auf den Wegen nicht gewährleistet. In den vergangenen zwölf Jahren seien oft Spenden für den Platz gesammelt worden, erklärte Teilnehmer Thomas Roch. Er habe sich „zur Perle entwickelt“, sagte er – und sieht das Förderprogramm als Riesenchance.

 

Der Zustand der Kleingärten in der Siedlung ist durchwachsen. Manche Flächen rund um die Gärten dienen als Müllablage. Das Projektteam schlug vor, eine verwilderte Ackerfläche als BMX-Strecke für Jugendliche oder als Kinder-Bauernhof zu nutzen. Einige Anwohner votierten dafür, das Gebiet zu vernachlässigen. Es sei zu abgelegen.

Hintergrund des Förderprogramms

Der Göttinger Bogen gehört wie die nordwestliche Kernstadt zum Förderprogramm Soziale Stadt. Es unterstützt Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf. Bei den Rundgängen sollen Stärken und Schwächen angesprochen werden – Bürgerbeteiligung erwünscht. 

Das Förderprogramm läuft bis 2028, Ende 2019 muss bereits ein sogenanntes Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept (Isek) stehen. Zuständig sind das Kasseler Büro ProjektStadt und das Bebraer Bauamt. Bürger können sich auch im Internet informieren und einbringen unter bebra-baut-zukunft.de.

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