Der Leiter der Beruflichen Schulen Bebra geht in den Ruhestand

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Wolfgang Haas geht in den Ruhestand: Für das Foto wählte er die Weltkugel, die der Kollege Gunter Koch gestaltet hat.

Bebra. Wolfgang Haas geht in den Ruhestand. Der Leiter der Beruflichen Schulen Bebra kann hochzufrieden zurückblicken, wenn er Ende Januar verabschiedet wird.

Ein Drahtseilakt hängt an der Wand des Schulleiterbüros, seit Wolfgang Haas es vor 16 Jahren bezogen hat. Das Bild zeigt auf der einen Seite eine Kugel, auf der ein Mann balanciert. Er bemüht sich um Gleichgewicht mit Dreien auf der anderen Seite.

Vor dem Bild steht Haas’ Schreibtisch gegenüber der Tür. „Sie stand immer offen“, sagt der Schulleiter, der in Kürze verabschiedet wird. Offen für die Lehrerschaft, die Eltern und natürlich für die Schüler der größten Schule im Landkreis, der Beruflichen Schulen in Bebra.

Humor sollte Lehrer haben 

Man müsse die Schüler ernst nehmen, sagt Haas rückblickend. Ein Lehrer müsse nicht nur fachkompetent sein und pädagogisches Geschick haben, sondern die Schüler auch mögen und ihnen zeigen, dass er echtes Interesse an ihnen habe. Und Humor, sagt er noch, sollte ein Lehrer haben.

Kreisweit bekannt geworden ist die Schule vor allem durch das Berufliche Gymnasium (BG), das Haas angestoßen und mit breiter Unterstützung eines guten Teams und der Politik durchgesetzt hat. Heute besuchen genau 300 Schüler aus dem ganzen Kreis das BG. Es sei der Leuchtturm der Schule, sagt der 65-Jährige. Mit der Fachoberschule Mediengestaltung hat die Kunst Einzug in die Beruflichen Schulen gehalten - drei Bilder der FOS-Schüler hängen ebenfalls in Haas’ Büro.

Der Ausbau der Landesfachklassen, in denen inzwischen 500 Schüler aus ganz Hessen und Deutschland in Bebra unterrichtet werden, fällt in die Zeit seiner Schulleitung. Und es wurde viel gebaut: Ein neuer kaufmännischer Trakt, das prägende Gebäude des BG mit den schrägen grünen Säulen und großer Aula, an der sich auch die Stadt beteiligt hat. Für über 500.000 Euro ist die Werkstatt komplett neu ausgestattet worden, den Schülern stehen moderne EDV, Roboter und vieles mehr zur Verfügung.

Wolfgang Haas kann hoch zufrieden zurückblicken, wenn er Ende dieses Monats in den Ruhestand verabschiedet wird. Ruhig wird der Ruhestand aber nicht werden. Gleich im Februar steht ein Schlachtefest an. Sein Stellvertreter Reiner Marth füttert in Niedergude für Haas und seinen Schwager ein Schwein, das geschlachtet wird. Eine Hälfte verarbeitet Haas selbst in seinem Haus in Bad Hersfeld zu Leberwurst, Weckewerk und Ahler Worscht - die von Jahr zu Jahr immer besser wird.

Zeit für Tennis 

Wolfgang Haas glaubt nicht, dass er in ein großes Loch fallen wird. Dazu hat er zu viele Interessen. Die Freiräume will er nutzen, um mehr zu unternehmen, den erwachsenen Kindern zu helfen. Er will Tennis spielen und ist in den TSV Bebra eingetreten.

Für die Arbeit im Weinberg bei Rotenburg ist jetzt auch mehr Zeit, der Förderverein der Schule und Zubra, die Zusammenarbeit Bebra, Rotenburg, Alheim, können weiter auf ihn zählen. Zu dem alten, aber fahrbereiten Traktor, den er in einer Scheune in Unterhaun stehen hat, soll noch ein Oldtimer kommen. Und das tägliche Kochen will er übernehmen.

Vermissen wird er den Austausch mit den Kollegen, dem ganzen Team, den Schülern. Denn der Beruf sei sehr kommunikativ, erklärt Haas, und er selbst ist es auch.

Ist ihm der Drahtseilakt gelungen? „Ich denke schon“, sagt Wolfgang Haas bescheiden, der sich zu seinem Amtsantritt Gelassenheit gewünscht hatte. „Auch wenn es manchmal eine große Aufgabe gewesen ist.“ Wenn doch einmal die Gelassenheit fehlte, sorgte Reiner Marth für Ausgleich.

Zur Person

Wolfgang Haas (65) ist aufgewachsen im Hochsauerlandkreis. Er hat zunächst Werkzeugmechaniker gelernt, danach in Meschede (Gesamthochschule Paderborn) Maschinenbau studiert und 1974 abgeschlossen. Es folgte ein Aufbaustudium zum Berufsschullehrer an der damaligen Gesamthochschule Kassel, wo er Mathematik und Berufspädagogik studierte.

Sein Referendariat absolvierte er in Fulda und Bebra, wo er seit dem 1. August 1977 ununterbrochen tätig ist und seine 2. Staatsprüfung abgelegt hat. „Bebra war damals schon eine tolle Schule“, sagt Haas. Gerhard Müller war zu der Zeit Direktor, Hans Gerlach Stellvertreter.

Haas zog mit seiner Frau Claudia, die in Grebenau/Alsfeld an der Grundschule Lehrerin war, nach Bad Hersfeld - in die Mitte von Grebenau und Bebra. Von 1998 bis 2001 war Haas Fachleiter im Studienseminar, dann löste er Friedrich Heßler in der Schulleitung ab. Haas’ Frau ist heute an der Linggschule in Bad Hersfeld Lehrerin. Beide haben zwei erwachsene Kinder.

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