Werbung für die Wahl statt echter Wahlkampf

Jäger der Ja-Stimmen: Stefan Knoche ist in Bebra auf Wahlwerbetour

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Der Noch-nicht-Bürgermeiser: Stefan Knoche will am 8. September zum Chef im Bebraer Rathaus gewählt werden. Der 46-Jährige ist der einzige Kandidat auf das Amt und derzeit mit seinem blauen Camper in den Bebraer Stadtteilen auf Wahltour – hier am Montagnachmittag unter der Dorflinde in Braunhausen.

Stefan Knoche will Bürgermeister in Bebra werden: Gerade ist der 46-Jährige auf Wahlwerbetour unterwegs.

Er will über die Zukunft von Bebra reden, doch die meiste Zeit hört Stefan Knoche zu. Groß und gerade steht er an diesem Nachmittag in hellblauem Poloshirt und Joggingschuhen unter der Dorflinde in Braunhausen und bekommt Nachhilfe in Geschichte. 

Er nickt, er brummt ab und zu zustimmend – es geht um die alte Kirche, die bis Anfang des 19. Jahrhunderts unweit des Baums in der Dorfmitte stand. Dann fragt er nach: „Warum musste die abgerissen werden?“ Ratlose Gesichter. So richtig weiß das keiner der Anwesenden.

Er will im September Bürgermeister in Bebra werden, er will Wahlkampf machen, doch stattdessen ist Stefan Knoche mit einer „Wahlwerbetour“ in den Bebraer Stadtteilen unterwegs. Die Aktion heißt, wie sie heißt, weil es keinen Gegner mehr gibt, an dem er sich reiben könnte.

Konkurrenz ist Knoche abhandengekommen

Erfahrener Wahlkämpfer: Bebras langjähriger Bürgermeister Horst Groß unterstützt Knoches Kandidatur.

Noch bevor das Rennen um den Chefposten im Rathaus richtig beginnen konnte, ist dem 46-Jährigen die Konkurrenz abhandengekommen. Er war auf dem Weg in den Urlaub – genauer: auf einer Fähre mitten auf der Ostsee – als überraschend bekannt wurde, dass mit Amtsinhaber Uwe Hassl sein einziger Gegenkandidat nicht antritt. „Jetzt kommt jeder und sagt herzlichen Glückwunsch und ich sage immer: Es wurde noch nicht gewählt.“ Das anschließende Lächeln gerät dem Noch-nicht-Bürgermeister etwas schief.

Dass Knoche auf ein Rennen ums Rathaus eingestellt war, zeigt sich an seinen Mitstreitern: Bebras langjähriger Bürgermeister Horst Groß und Dieter Mackenroth begleiten den 46-Jährigen durch die Stadtteile. Beide sind erfahrene Wahlkämpfer, die jeweils drei Bürgermeister- und Kommunalwahlen gemeistert haben. „Mit Gegenkandidat ist es eine andere Hausnummer und darauf hatten wir uns auch eingestellt“, sagt Horst Groß, der den kurzfristigen Rückzug Hassls bedauert.

Werbung für die Wahl statt echter Wahlkampf

Nun macht das Team Werbung für die Wahl statt Wahlkampf. „Wann treffen wir uns, um über die Zukunft Bebras zu sprechen?“ lautet der Slogan der Tour. Knoche will mit den Bürgern eine Arbeitsliste aufstellen. Wohl nur wenige glauben wirklich daran, dass Knoche bei der Wahl im September nicht Bebras neuer Bürgermeister wird. Die Frage ist: Wie viele Bebraner sagen Ja zu Stefan Knoche?

Im Einsatz für Braunhausen: Ortsvorsteher Jens Mohr und Ehefrau Ramona.

In Braunhausen – etwa 155 Einwohner, ein gutes Dutzend macht unter der Dorflinde auf ein Schwätzchen Halt – stehen die Chancen für Knoche gefühlt gut. Schnell ist man beim Du, während der Bürgermeisterkandidat kühle Getränke und Knabbereien aus dem blauen Camper holt, mit dem er und seine Familie sonst in den Urlaub fahren. Einige kennen den 46-Jährigen, haben ihn schon beim Braunhäuser Bolzturnier als linken Verteidiger kicken sehen.

„Ich will wissen, wer als Ansprechpartner für uns da ist“, erklärt Edith Koch ihren Besuch. Seit 50 Jahren wohnt sie in Braunhausen. Sie hofft, dass der Neue im Bebraer Rathaus die kleinen Ortsteile nicht vergisst. Bei Ortsvorsteher Jens Mohr und seiner Frau Ramona geht es schnell ums Eingemachte: Schon lange gibt es Überlegungen zur Erweiterung des nahen Steinbruchs, die zunehmend lauter werden. Ein Teil des benötigten Geländes gehört der Stadt. „Wir haben Ruhe und eine schöne Landschaft, aber keine Infrastruktur“, sagt Jens Mohr. Das Paar befürchte Lärm und Emissionen und einen Schaden für das, was den kleinen Bebraer Stadtteil ausmacht.

Knoche hört zu, nickt, moderiert. Er sieht auch die Arbeitsplätze, die eine Steinbrucherweiterung sichern würde. Später, in einem ruhigen Moment, macht er sich an einem Stehtisch Notizen mit einem Kugelschreiber, der seinen Namen trägt. „Ich bitte um Ihr Vertrauen und Ihre Stimme“, steht da.

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