Videos sollen in Corona-Zeiten Flugblätter und Infostände ersetzen

Bürgerinitiative kämpft mit Filmbeiträgen gegen die Erweiterung des Gilfershäuser Steinbruchs

Der Kalksteinbruch bei Gilfershausen. Unser Foto zeigt ihn bei einer Infoveranstaltung im Juni 2020.
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Die geplante Erweiterung des Steinbruchs bei Gilfershausen ist weiter stark umstritten. Jetzt wollen die Gegner mit Videos für mehr Aufmerksamkeit für ihre Position sorgen.

Es sind schwierige Zeiten für die Bürgerinitiative Lange Hecke, die seit mehr als einem Jahr gegen die geplante Steinbrucherweiterung bei Gilfershausen kämpft.

Bebra – Flugblätter auf der Straße verteilen geht nicht, der Infostand auf dem Wochenmarkt oder Haustür-Besuche sind in Corona- und Lockdown-Zeiten tabu.

Bleibt nur noch der gute alte Postwurf als Option? Mitnichten: Die Gegner des Projekts der Bebraer Firma Beisheim haben ihren Widerstand ins Internet verlegt – und gehen auch mit einem mobilen Fernsehstudio neue Wege, in dem etwa Betroffene der Erweiterung zu Wort kommen. Wir haben einen Drehtag begleitet.

Die Bürgerinitiative hat es eilig, ihre Informationen an die Leute zu bringen: Bereits am 17. Januar sollen Bebras Wahlberechtigte darüber abstimmen, ob der Beschluss des Stadtparlaments gekippt wird, der den Weg für die Steinbruchpläne grundsätzlich freigemacht hatte. Die Briefwahl hat bereits begonnen – die Wahlunterlagen können auch im Internet über die Homepage der Stadt beantragt werden – und sie sei unter bestimmten Voraussetzungen noch bis zum Abstimmungstag, 15 Uhr, möglich, so Wahlleiterin Isabel Steinbach. Lange Warteschlangen für die Briefabstimmungsunterlagen im Rathaus müssten vermieden werden.

Bevor Mitte Januar das Kreuzchen gemacht wird, will die Bürgerinitiative noch einmal für ein Nein zur Steinbrucherweiterung und somit ein Ja zum Bürgerentscheid werben, mit dem der Parlamentsbeschluss gekippt wird. Dafür besucht ein Filmteam um die Moderatorinnen Monika Rehs und Ilka Wandel, Regisseur Jens Mohr sowie Kameramann Marius Ribitzki die Gesprächspartner vor Ort. Sechs Sendungen hat „Lange Hecke TV“ bereits veröffentlicht, verfügbar sind sie über die Internetseite der BI und auf der Videoplattform Youtube. Das meistgeklickte Gespräch, in dem Braunhausens ehemaliger Ortsvorsteher Karl Joachim Mohr seine Bedenken äußert, wurde bisher 648 Mal angesehen.

Am vergangenen Wochenende ist die Kommunität in Imshausen der Drehort. Chef-Filmer Ribitzki hat bereits am Abend zuvor seine Ausrüstung aufgebaut. Die ökumenische Gemeinschaft befürchtet, dass der Ort, an dem Menschen nach Stille, Einkehr und Besinnung suchen, durch einen großen Steinbruch massiv von Lärm beeinträchtigt wird. Regisseur Jens Mohr betont, dass die Informationen kompakt, plausibel und fehlerfrei gesendet werden sollen: „Bei uns gibt es keine Fake News.“

Hält Bedenken von Betroffenen mit der Kamera fest: die Bürgerinitiative Lange Hecke. Chef-Filmer Marius Ribitzki hat dabei alles im Blick – selbst lästige Fliegen.

Doch bevor es losgehen kann, stört eine Fliege im Raum. „Wir haben ein Problem“, stellt Marius Ribitzki fest. Das versteht Bruder Georg nicht, der als Interviewpartner die Kommunität vertritt. Wie kann eine harmlose Fliege ein Problem sein? „Weil sie mit Sicherheit irgendwann, während wir auf Sendung sind, auf der Nase der Moderatorin oder einem Gesprächspartner landen wird“, erklärt der Mann an der Kamera. Dann könne man noch einmal von vorn anfangen. Das Problem löst sich schnell: Es muss ohnehin gelüftet werden. Das Hygienekonzept sieht es so vor und wird strikt eingehalten.

Inwieweit die Kommunität von der Erweiterung des Steinbruchs betroffen ist, will Monika Rehs von Bruder Georg wissen. „Wir haben große Sorge, dass wir unserem Anspruch, im Einklang mit der Natur zu leben, nicht mehr gerecht werden können“, sagt der. Abbau und Abtransport seien nur etwa einen Kilometer entfernt. Auch Pfarrer Tobias Gottestleben vom Kirchspiel Solz kommt zu Wort. Er erinnert an das beliebte Zeltlager in unmittelbarer Nähe zum Steinbruchgelände. Das könne nach einer Erweiterung auch nicht mehr stattfinden.

Keine Spaziergang-Aktion

Der für den 20. Dezember geplante Spaziergang durch Bebra fällt aus. Die BI wollte die Ausmaße von 21,4 Hektar verdeutlichen – und hatte dafür die Fläche des erweiterten Steinbruchs auf die Innenstadt übertragen. Geplant war ein 2,3 Kilometer langer Marsch entlang der Grenzen. Titel: „Am Rande des Abgrunds.“

Bürgerinitiative will neuen Abstimmungs-Termin

Mit Briefen an Bebras Stadtverordnetenvorsteher Herbert Börner, Bürgermeister Stefan Knoche und das Hessische Innenministerium bittet die Bürgerinitiative erneut um eine Verschiebung des Termins für den Bürgerentscheid. Durch den Lockdown sehe sie sich nicht in der Lage, die Wähler umfassend über das Anliegen der Abstimmung zu informieren. Da die Briefwahl bereits laufe, sei eine Verschiebung rechtlich strikt untersagt, heißt es auf Anfrage aus dem Bebraer Rathaus. Die Stadt habe sich dazu auch in Wiesbaden rückversichert. Zudem habe die BI bereits lange vor Verschärfung der Pandemielage auf vielen Kanälen aus ihrer Sicht Aufklärungsarbeit geleistet. Eine geringe Abstimmungsbeteiligung sei ebenfalls nicht zu erwarten – von der Briefwahl werde bereits sehr rege Gebrauch gemacht. (Susanne Kanngieser und Clemens Herwig)

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