Beisheim wehrt sich gegen Kritik

Steinbruchpläne: Widerstand gegen massive Erweiterung bei Braunhausen

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Sind gegen die Erweiterung: Imshausens Ortsvorsteherin Gudrun Gundlach, Braunhausens Ortsvorsteher Jens Mohr und Christian Richard, Naturschützer aus Imshausen, vor dem Steinbruchtor.

Pläne des Bebraer Unternehmens Helmut Beisheim, den ruhenden Kalksteinbruch im Bebraer Stadtteil Braunhausen zu reaktivieren und stark zu erweitern, wirbeln Staub auf.

Lärm, Staub, Wertverlust der Wohnhäuser, erhebliche Verkehrsbelastung durch Lkw-Verkehr, Zerstörung des Landschaftsbildes, schwere Eingriffe in die Natur, Schaden für den Tourismus und die Beeinträchtigung der Arbeit der Stiftung Adam von Trott sowie der Kommunität Imshausen – das alles und noch weitere schlimme Folgen fürchten die Mitglieder der Bürgerinitiative „Lange Hecke“, in der sich Menschen und Institutionen aus dem Raum Imshausen, Braunhausen und Gilfershausen zusammengeschlossen haben.

Bereits im Juni gab es einem Scoping-Termin, also ein Treffen von Beteiligten und Behörden, bei dem schon Umweltaspekte diskutiert wurden.

Seit Jahren nicht in Betrieb: Der Steinbruch oberhalb von Braunhausen – auf dem Foto direkt über dem leuchtenden Baum im Vordergrund zu sehen – soll erheblich erweitert werden. Das millionenschwere Projekt der Bebraer Firma Beisheim stößt in den Ortsteilen auf Widerstand.

Die Ortsbeiräte von Imshausen und Braunhausen haben die Pläne bereits abgelehnt. Das Gilfershäuser Gremium wird sich in öffentlicher Sitzung am kommenden Mittwoch mit dem Thema befassen.

In einer Pressekonferenz haben Vertreter der Initiative ihre Befürchtungen dargelegt. Bebras Bürgermeister Uwe Hassl sieht das Projekt ebenfalls kritisch, das wurde während der Konferenz deutlich. Nach seinen Angaben befinden sich die Pläne noch in einer Vorprüfungsphase beim Regierungspräsidium. Unter anderem werde dabei die Wegesicherung und Erschließung untersucht.

Was ist geplant?

In drei Bauabschnitten sollen jährlich bis zu 200.000 Tonnen Kalkstein abgebaut werden. Für die drei Gewinnungsfelder, die entstehen sollen, wird pro Bauabschnitt mit mindestens zehn Jahren gerechnet. Insgesamt sollen 7,6 Millionen Tonnen vermarktbare Tonnage gewonnen werden.

Wie wird der Kalkstein abtransportiert?

Geplant ist eine serpentinenförmige neue Zufahrt vom Abbaugebiet zur Kreisstraße 53 zwischen Gilfershausen und Imshausen und von dort aus weiter über Gilfershausen oder Solz. Die Bürgerinitiative rechnet mit 40 bis 50 Lkw-Fahrten täglich.

Wer hat welche Bedenken?

Die Stiftung Adam von Trott in Imshausen sieht sich durch Lärm und Staubbelastung in ihrer Arbeit beeinträchtigt. Bildungsreferentin Ute Janßen sagt: „Unser größtes Kapital ist die Stille und das konzentrierte Arbeiten in der Abgeschiedenheit. Die Gebäude im Trottenpark werden aber gerade grundlegend saniert – auch mit Geld vom Bund.“

Auch Ingo Vater, Sprecher der Kommunität Imshausen, weist auf die Gäste hin, die eigens zu Tagen der Stille anreisten und die Schönheit der Landschaft genössen.

Im Kirchspiel Solz mit seinem jährlichen Zeltlager in der Nähe des Steinbruchs sorgt man sich auch um die Stabilität des gesamten Berges. Jens Mohr, Dorfbewohner und Ortsvorsteher von Braunhausen sagt, dass man seit Jahren versuche, auch die kleinen Orte voranzubringen und Zuzügler zu generieren. „Wir werben mit Landschaft und Ruhe. Womit sollen wir künftig werben?“

Vor groß angelegtem industriellem Abbau hätten die Menschen Angst. Es drohe die Wertminderung von Grundstücken. Mohr und seine Imshäuser Kollegin Gudrun Gundlach weisen auch noch auf die Gedenkstätte Adam von Trotts hin. In deren unmittelbarer Nähe sei eine Steinbruchindustrie nicht zu rechtfertigen.

Die Naturschützer Christian Richter und Ute Nöckel listen zahllose seltene Pflanzen, die sie gefährdet sehen, auf und plädieren für den Erhalt der Landschaft.

Bürgermeister Uwe Hassl befürchtet, dass die Nachfrage des Programms zur Reaktivierung alter Häuser in den Dörfern sinken wird. Besonders kritisch sieht er den Verkehrsstrom: „Es gibt keine Anbindung an eine Bundesstraße. Der gesamte Lkw-Verkehr würde über die Dörfer und durch die Bebraer Innenstadt donnern. Das will ich den Bürgern nicht zumuten.“

Er erinnerte zudem an eine Reihe von betroffenen Straßen, darunter auch viele Kreisstraßen, die erst kürzlich erneuert wurden.

Beisheim wehrt sich gegen Kritik

Die Firma Beisheim plant eine mehrere Millionen Euro teure Erweiterung des Kalksteinbruchs bei Braunhausen, bis zu 20 Arbeitsplätze könnten entstehen. Über den Widerstand aus den Ortsteilen ist man bei der Firma aus Bebra, die 13 Steinbrüche in Hessen und Thüringen betreut, vorsichtig formuliert etwas verwundert. 

„Da wird momentan viel Wind gemacht um Dinge, die noch nicht entschieden sind“, sagt Gesellschafter und Geschäftsführer Marcus Weber. Die Pläne der Steinbrucherweiterung seien nicht in Stein gemeißelt – um ebenfalls im Bild zu bleiben. Auch von der Bildung einer Bürgerinitiative wurden Weber und Beisheim-Bauingenieur Frank Theune überrascht. Sie hätten sich gewünscht, dass stattdessen der Kontakt mit ihnen gesucht wird. 

Beisheim-Geschäftsführer Marcus Weber

„Es werden Sachen erzählt, die nicht der Realität entsprechen“, sagt Weber. Lärm und Dreck beispielsweise seien durch den Einsatz moderner Maschinen kein Problem. Als Beispiele nennt er die Alheimer Steinbrüche in Sterkelshausen und Heinebach. „Es gibt zahlreiche Prüfungen durch die Behörden“, ergänzt Theune. Das Regierungspräsidium Kassel und die Naturschutzbehörden seien involviert, bei jedem Steinbruch gebe es zudem grundsätzlich Lärm- und Staubgutachten. Zuständig sei in diesem Fall der TÜV Hessen. Gibt es bereits fertige Gutachten für Braunhausen? „Soweit sind wir noch nicht“, so Theune.

Einige Beschwerden seien „schizophren“, sagt Marcus Weber. „Wir können nur da abbauen, wo es etwas abzubauen gibt“, so der Geschäftsführer. Um Engpässe im Verkehr zu vermeiden, habe sich Beisheim nach einer neuen Zufahrt umgesehen. Vorläufiges Ergebnis sei die serpentinenförmige Zufahrt, die bewusst nicht in einem der Bebraer Ortsteile ende. Allerdings müssten die Lkw ihre Ladung – auf die immerhin alle angewiesen seien – nun einmal irgendwo abliefern, so Weber. „Jeder bestellt bei Amazon, wenn das per Lkw geliefert wird, ist das scheinbar in Ordnung.“ Bei Stein sei das offenbar nicht der Fall. Kalksteinschotter kommt im Straßen- und Hausbau zum Einsatz. Jeder neue Bruch sei zudem ein „El Dorado“ für die Tierwelt: In anderen Beisheim-Steinbrüchen hätten vom Aussterben bedrohte Tierarten ein neues Zuhause gefunden. 

Bauingenieur Frank Theune

Bei der Größe der geplanten Erweiterung könnte ein Abbau frühestens Ende 2020 beginnen, sagt Bauingenieur Frank Theune – „wenn wir jetzt richtig loslegen würden“. Bei Beisheim ist man optimistisch, den Gegenwind aus den Ortsteilen zu überstehen. Die Firma mit Sitz in Bebra beschäftigt etwa 100 Mitarbeiter.

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