Kritik an Missbrauch des Widerstand-Begriffs:

Stiftung Adam von Trott: „Nicht Rechtsextremen und Verschwörungserzählern überlassen“

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Wahrer Widerstandskämpfer: Adam Trott zu Solz setzte sich entschieden gegen den Nationalsozialismus ein. Vor dem Volksgerichtshof wurde er zum Tod verurteilt. 

Die Stiftung Adam von Trott mit Sitz in Imshausen wirft Gegnern der Corona-bedingten Einschränkungen vor, den Begriff des Widerstands bei Demonstrationen zu missbrauchen.

Die Stiftung Adam von Trott mit Sitz in Imshausen wirft Gegnern der Corona-bedingten Einschränkungen vor, den Begriff des Widerstands bei Demonstrationen zu missbrauchen.

Sarah Reinke,Geschäftsführerin

„Neben Impfgegnern, Anhängern von Verschwörungsfantasien und Rechtsradikalen ist die neue Gruppierung Widerstand 2020 ein zentraler Akteur“, schreiben Vorstandsvorsitzende Dorothee Engelhard und Geschäftsführerin Sarah Reinke in einer gemeinsamen Stellungnahme. „Bereits seit einigen Jahren wird von rechtsextremer Seite versucht, den Begriff Widerstand neu zu codieren und für sich zu instrumentalisieren.“

So würden sich diese Gruppen als Opfer stilisieren, bezeichneten das politische System der Bundesrepublik als Diktatur und wollten sich unter dem Rückgriff auf den Widerstand gegen den Nationalsozialismus legitimieren. „Dies ist historisch falsch und empört alle, die sich tatsächlich mit Widerstand beschäftigen“, heißt es weiter.

Der Widerstand gegen den Nationalsozialismus stehe für Verantwortung, Toleranz und Rechtsstaatlichkeit. „Die Widerstandskämpfer hätten der Übermacht einer perfiden Diktatur gegenübergestanden, die von der großen Masse der Bevölkerung getragen worden sei. „Sie riskierten wissentlich ihr Leben, wenn sie für ihre Werte einstanden, Verfolgten halfen, das Ende des Terrors planten und Konzepte für ein friedliches und demokratisches Deutschland in einem vereinten Europa entwarfen wie der Namensgeber unseres Vereins, Adam von Trott.“

Dorothee Engelhard,Vorstandsvorsitzende

Viele von ihnen wurden verhaftet, in Konzentrationslagern gequält und ermordet. „Wir wehren uns dagegen, dass ihr Beispiel von Rechtsextremisten oder der inhaltlich diffusen Gruppierung Widerstand 2020 missbraucht wird“, betonen Engelhard und Reinke.

Auf den sogenannten Hygiene-Demos gegen die Corona-Einschränkungen würden rechte, fremdenfeindliche und antisemitische Positionen vertreten. „Das hat mit Widerstand, wie ihn die Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus vertraten oder auch mit dem Widerstand, den Demokraten und Menschenrechtsaktivisten heute gegen Diktaturen leisten, nichts zu tun.“

Ihr Appell: „Überlassen wir diesen Begriff nicht Rechtsextremen und Verschwörungserzählern.“

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