Wochenendporträt

„Streng, aber gut drauf“: Schulamtsleiterin Anita Hofmann geht in Ruhestand

Nur noch zum Aufräumen und zur Übergabe geht Anita Hofmann ins Staatliche Schulamt in Bebra. Vor ihr liegt der Ruhestand.
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Nur noch zum Aufräumen und zur Übergabe geht Anita Hofmann ins Staatliche Schulamt in Bebra. Vor ihr liegt der Ruhestand.

Anita Hofmann, seit 2010 Leiterin des Staatlichen Schulamts für die Kreise Hersfeld-Rotenburg und Werra-Meißner in Bebra geht in den Ruhestand.

Bebra – „Klare Worte sind eine Verpflichtung in einer Leitungsfunktion“, sagt Anita Hofmann. Die Leiterin des Staatlichen Schulamtes in Bebra, Aufsichtsbehörde für die Schulen im Kreis Hersfeld-Rotenburg und im Werra-Meißner-Kreis, hat diese klaren Worte nicht gescheut und auch mal strenge Briefe mit Forderungen in Schulen geschickt. Jetzt geht die 65-jährige Rotenburgerin in den Ruhestand.

Angemessen für Lehrkräfte schien es ihr zum Beispiel, während der Pandemie nur für die nötigsten Wege nach draußen zu gehen und nicht etwa „Freizeit“ zu demonstrieren, wenn sie aus gesundheitlichen Gründen vom Präsenzunterricht befreit waren. Angemessen, aber nicht durchsetzbar ist für sie auch eine Impfpflicht für Lehrkräfte. Genauso übrigens wie für Kita- und Pflegepersonal. „Wir haben eine besondere Verantwortung denen gegenüber, die sich nicht selbst schützen können“, sagt sie. Und: „In Schulen gibt es ja auch eine Masernimpfpflicht, die sich bewährt hat.“

Klare Worte also auch hier. Dennoch nimmt sie für sich in Anspruch, pfleglich mit dem Personal umgegangen zu sein und Stärken gefördert zu haben, auch wenn sie Menschen mal auf die Füße getreten sei. Sie muss schmunzeln, wenn sie an die Worte einer ihrer Enkelinnen denkt, die sie „streng, aber gut drauf“ genannt hatte.

Sie wollte immer unterrichten

Dass sie Leiterin im Schulamt werde würde, war nicht Ziel ihrer Lebensplanung. „Mein Streben war immer, zu unterrichten“, sagt Anita Hofmann. Doch ihre Laufbahn begann in den 1980er-Jahren, zu einer Zeit, als Lehrer zu den Langzeitarbeitslosen zählten. Nach dem Examen als Haupt- und Realschullehrerin für Mathematik und Biologie konnte sie Spätaussiedler unterrichten, aber nicht im Schuldienst.

Der damalige Leiter des Schulamts, Rainer Hill, hatte ihr empfohlen, noch ein Studium für die Grundschule draufzusetzen, um die Einstellungschancen zu erhöhen. Das tat sie, damals schon Mutter eines Kindes, in Frankfurt. Die Familie war zu der Zeit aber schon von Darmstadt nach Rotenburg gezogen. Ihr Referendariat machte sie in Schenklengsfeld, anschließend arbeitete sie in Niederaula und Kirchheim. „Ich kenne mich aus im Landkreis“, sagt Anita Hofmann. Den Werra-Meißner-Kreis sollte sie erst später kennenlernen. Früh allerdings engagiert sie sich auch in der Lehrerfortbildung.

Schließlich bekommt die junge Lehrerin eine Stelle an der Rotenburger Albert-Schweitzer-Grundschule. Sechs Jahre arbeitet sie dort. Dann sei sie „angefragt“ worden, ob sie die Leitung der Förderstufe der Jakob-Grimm-Schule übernehmen würde. Für sie eine spannende Aufgabe, an der Schnittstelle zwischen Grundschule und weiterführender Schule und mit viel Freiheit und Verantwortung für 500 Schülerinnen und Schüler. Vier Jahre bleibt sie dort.

Ins Schulamt reingeschlittert

Ins Schulamt sei sie „ein Stück weit reingeschlittert“, erzählt sie. Sie hatte eine Reihe von Fortbildungen gemacht und auch im Studienseminar selbst welche geleitet. Die berühmte TIMMS-Studie war damals herausgekommen, die den deutschen Schulen schlechte Noten in Mathematik erteilt hatte.

Der damalige Schulamtsleiter Wolfgang Krippner holt Hofmann schließlich 2001 ans Schulamt. „Das konnte ich mir damals eigentlich nicht vorstellen. Nur Verwaltung, das war nicht mein Ding.“ Sie sah sich karrieremäßig eher als pädagogische Leiterin einer Schule. Sie tat den Schritt dennoch.

Seit 2010 leitet sie das Amt mit seinen 25 festen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und 20 „Einfliegern“ wie sie Mitarbeiter nennt, die außerdem an Schulen arbeiten. Nach außen muss auch sie selbst arbeiten: „Vernetzung mit Institutionen und Personen ist unheimlich wichtig.“ Inzwischen gebe es gute Verbindungen, etwa zu Jugendämtern, Polizei, den Schulträgern, dem Netzwerk gegen sexuelle Gewalt und anderen Kooperationspartnern.

In Gesprächen mit denen zeigt sie klare Kante: „Ich will schließlich, dass gelingt, was wir machen.“ Dass sie ehrgeizig ist, räumt sie unumwunden ein.

In aller Ruhe übergibt Anita Hofmann nun ihre Aufgaben an ihr Führungsteam, Jürgen Krompholz und Dirk Beulshausen, und bummelt freie Tage vom Lebensarbeitszeitkonto ab. Ihre Stelle wird ausgeschrieben. Am 27. Oktober wird sie der Kultusminister offiziell entlassen. Was dann? „Ich habe kein Projekt und keine Pläne“, sagt sie. „Ich freue mich auf mehr selbstbestimmte Zeit mit meinem Mann und endlich mehr Zeit für die Enkel. Wer weiß, vielleicht ergibt sich ja dann eine neue Aufgabe“.

„Corona war das Schwierigste“

„Es ging ums gute Überleben in der Schule“, fasst Anita Hofmann die bislang eineinhalb Jahre dauernde Pandemie zusammen. Diese Zeit sei die schwierigste überhaupt in ihrer Dienstzeit gewesen. „Die Lehrkräfte waren gefordert wie nie zuvor, die Schüler konnten nur eingeschränkt in die Schule.“ Rund um die Uhr und an den Wochenenden musste gearbeitet werden, natürlich auch von den Schulleitungen.

„Ich habe die Leistung der Schulen gesehen, aber ich musste trotzdem schnell immer Neues einfordern. Wir mussten stets kurzfristig reagieren.“ Diese kurzfristigen Entscheidungen habe sie vertreten können in der Funktion als Mittlerin zwischen Ministerium und Schulen. „Ich habe ja gemerkt, dass auch im Ministerium gearbeitet wurde. Niemand hat sich dort Entscheidungen leicht gemacht. Auf alle Fragen wurde geantwortet.“

Hilfreich sei gewesen, dass noch kurz vor der Pandemie, als Folge des Orkantiefs Sabine, gemeinsam mit dem Landkreis eine Infokette aufgebaut worden sei. „Die haben wir dann gebraucht. Wir haben Konzepte entwickelt und gemerkt, wir sind handlungsfähig.“

Positives hat Hofmann auch bemerkt: „Lehrkräfte haben verlässlich Unterrichtspakete für die Schüler geschnürt. Es war großartig, was die gemacht haben.“ Natürlich habe es auch Ausreißer gegeben, da seien Einzelgespräche nötig gewesen. Dass es etwa von einigen Lehrern keine Rückmeldung zu den bearbeiteten Hausaufgaben gegeben habe, „kann natürlich nicht sein“. Enormen Nachholbedarf sieht die Pädagogin für die Kinder im sozial-emotionalen Bereich. „Da wird einiges zu tun sein, um die in die Isolation und Computerwelt gedrängten Kinder in andere Bahnen zu lenken.“ Sie müssten zum Beispiel wieder in Sportvereinen aktiv werden.

Positiv sei der, wenn auch erzwungene, Fortschritt in der Digitalisierung der Schulen. „Das ging vorher viel zu langsam. Aber Medienkompetenz ist ein Bildungs- und Erziehungsauftrag.“ (Silke Schäfer-Marg)

Zur Person

Anita Hofmann wurde 1956 in Hof/Saale geboren und machte 1974 Abitur in Darmstadt. Anschließend studierte sie Biologie und Mathematik für Haupt- und Realschulen in Frankfurt, später auch für Grundschulen. Ihr Referendariat leistete sie in Schenklengsfeld, arbeitete als Lehrerin in Bad Hersfeld, Rotenburg, Niederaula und Bebra. 2001 wechselte sie als Schulaufsichtsbeamtin ins Staatliche Schulamt. Seit 2010 ist sie Amtsleiterin. Anita Hofmann lebt mit ihrem Mann in Rotenburg. Das Paar hat drei Kinder und sechs Enkel. (sis)

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