Ehemaliger Polizeibeamter kennt Tricks und warnt

Angebliche Traumreise: Bebraner "gewinnt" mit 13 Jahre altem Teilnahmeschein

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Reif für den Papierkorb: Die vermeintliche Gratis-Reise wird Burghard Hauptmann aus Bebra nicht antreten. Stattdessen schickte er dem Absender eine gepfefferte E-Mail mit der Frage "Wollen Sie mich jetzt auf den Arm nehmen?".

Acht Tage Urlaub auf Zypern, im feinsten Hotel und für fast geschenkt - das Angebot klang toll, machte aber einen Bebraner skeptisch: Sein Gewinnschein ist 13 Jahre alt. 

Das alles klingt unglaubwürdig, findet Burghard Hauptmann aus Bebra. Per Post wurde dem 72-Jährigen zum Gewinn einer Reise gratuliert, die er für den kleinen Unkostenbeitrag von 180 Euro pro Person antreten könne. Das Unternehmen, laut Briefkopf aus Leipzig, schickte sogar die Kopie eines von Hauptmann ausgefüllten Gewinnspielscheins mit. Doch statt den pensionierten Polizeioberkommissar damit in Sicherheit zu wiegen, wurde der misstrauisch: Der Schein ist mindestens 13 Jahre alt.

„Vielleicht wurden die beim Datenkauf übers Ohr gehauen“, vermutet Hauptmann. Denn es ist zwar seine Handschrift auf der vermeintlichen „Original-Lösungskarte“, aber die Kontaktdaten stimmen nicht mehr. Aufgeführt ist eine Durchwahl ins Polizeipräsidium Frankfurt, der Bebraner war dort zuletzt ausgerechnet als Datenschutzbeauftragter tätig. „Also genau auf der anderen Seite“, sagt er. Das ist bald 13 Jahre her, und eine Gewinnspielkarte hat Hauptmann lange nicht mehr ausgefüllt.

Dafür nimmt er im Internet gern „an so Rätselsachen“ mit Gewinnoption teil, bei denen persönliche Daten hinterlegt werden. Seitdem hat er schon zehn Reisen „gewonnen“ – angetreten hat er keine. „Ich denke noch mal anders: Ich sehe hinter allem einen Trick“, sagt er. Wenn ein Gewinnschreiben in sein Haus in Bebra flattert, bei dem er sich an die Teilnahme nicht mehr erinnern kann, spricht er zuerst mit seiner Frau. Häufig landet die Post samt vollmundigen Versprechungen dann im Papierkorb. Sein Tipp: Alles prüfen, was die vermeintlichen Gewinnspiel-Unternehmen von sich preisgeben. Telefonnummern, Firmensitz, Zeitpunkt des Gewinnspiels. „Und auch mal das Telefon in die Hand nehmen und anrufen, statt sofort das Rückschreiben auszufüllen und abzuschicken“, sagt der 72-Jährige.

Im Fall der Traumreise nach Zypern hat er sich mit einer Antwort per E-Mail begnügt. „Wollen Sie mich jetzt auf den Arm nehmen oder auf eine Reise ins Ungewisse schicken oder herrscht in ihrem „Reiseportal“ ein heilloses Durcheinander“, schreibt er in Richtung der Firma, deren Gratis-Reise gute 13 Jahre zu spät kommt. Wer bei dem Unternehmen anruft, landet zunächst in der Warteschleife – alle Mitarbeiter sind zurzeit im Gespräch, heißt es. Bei Nachfragen von der Presse verweist die Frau, zu der schließlich durchgestellt wird, an ihren Geschäftsführer. Der sei gerade nicht im Haus, per E-Mail aber immer gut zu erreichen. Bisher haben weder Burghard Hauptmann noch unsere Zeitung eine Antwort auf die gestellten Fragen bekommen.

Verstorbene Mutter gewinnt Traumreise

Im Rotenburger TUI-Reisecenter Reisewelt kommt es immer wieder mal vor, dass Kunden mit ähnlichen „Gewinnen“ nach der Seriösität des Angebots fragen. „Das ist immer wie eine Welle: Eine Zeit lang wird an die Haushalte verteilt, dann ist wieder Ruhe“, sagt Chefin Ellen Persch. Ihre Mitarbeiterin Nadine Röhs ist direkt betroffen: Im Dezember gewann ihre Mutter bei einem Gewinnspiel angeblich eine Traumreise. Auch hier landete mit dem Glückwünschschreiben eine Kopie des ausgefüllten Teilnahme-Zettels im Haus. Nur: Nadine Röhs Mutter ist vor vier Jahren verstorben.

Tipps von Polizei und Verbraucherzentrale

„Seriöse Unternehmen fordern kein Geld für den Gewinn“, sagt Kai-Oliver Kruske von der Verbraucherzentrale Hessen. Sein Tipp daher: Niemals zahlen, zumal es nach Erfahrung der Verbraucherzentralen sehr schwer sei, das einmal überwiesene Geld zurückzubekommen. Häufig werden etwa Bearbeitungsgebühren erhoben, ohne deren Zahlung der angebliche Gewinn nicht eingelöst werden könne. Bei vermeintlichen Gratis-Reisen gehe es den Unternehmen zudem immer darum, mit versteckten Zusatzkosten Geld zu machen. Ebenfalls eine beliebte Masche: Auf dem Tagesplan der Traumreise stehen als Ausflüge getarnte Kaffeefahrten, die oft in abgelegene Gegenden führen, um den Opfern möglichst wenig Raum zur Flucht zu lassen. 

Die Rückmeldung von verdächtigen Unternehmen an die Verbraucherzentrale sei hilfreich bei der Erstellung von Schwarzen Listen, so Kai-Oliver Kruske. Die Pflege dieser Datenbanken sei allerdings sehr aufwendig und die Abzocker wechseln häufig ihre Firmenidentität. Kruse empfiehlt zudem bei Zweifeln den Besuch der Webseite www.mimikama.at, die von einem Verein zur Aufklärung von Internetbetrug betrieben wird. Wer bei einer Gewinnspielteilnahme seine persönlichen Daten hinterlegt, geht damit ein Risiko ein: „Die ausgefüllten Lösungszettel selbst sowie Telefonnummern und Adressen werden weitergekauft“, sagt Polizeisprecher Manfred Knoch. Dabei hätten es die Abzocker meist auf ältere Menschen abgesehen, die etwa über den Vornamen herausgefiltert werden. Grundsätzlich gelte: Wer an keiner Lotterie teilgenommen hat, kann auch nicht gewonnen haben.

Was wirklich hinter ominösen Gewinnspiel-Portalen im Internet steckt, lesen Sie hier.

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