13-Jähriger ist ein Beispiel erfolgreicher Förderung

Trotz Handicap: Bebraner Marvin meistert sein Leben

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Ehrgeizig: Marvin Schäfer (mit mit seiner Mutter Tamara) bewältigt sein Leben trotz Beeinträchtigung gut. Er ist ein Beispiel erfolgreicher Förderung.

Marvin ist ein normaler 13-Jähriger. Er geht zur Schule, fährt Fahrrad, verbringt Zeit mit Freunden und kuschelt mit seiner Katze. Begonnen hat sein Leben jedoch dramatisch.

Er kam mit dem Pierre-Robin-Syndrom auf die Welt. Zunächst erkennbar war für seine Eltern, dass er an der rechten Hand keine Finger hat. Folgenreicher war dagegen, dass sein Unterkiefer zu klein und seine Zunge in den Rachen verlagert und teilweise festgewachsen war. Wenn die Zunge zurückfällt, kann sie die Atemwege verschließen. Auch die Nahrungsaufnahme ist schwierig. Etwa 80 Kinder werden jedes Jahr in Deutschland mit dieser Fehlbildung geboren.

Marvin wurde also kurz nach seiner Geburt im November 2005 zunächst auf die Neugeborenenintensivstation des Klinikums Bad Hersfeld verlegt, dann weiter nach Gießen und schließlich nach Tübingen, wo es Spezialisten für das Pierre-Robin-Syndrom gibt. Seine Eltern reisten in größter Sorge mit dem damals dreijährigen Bruder Lukas immer hinterher, ohne zu wissen, ob ihr Kind überleben und Hilfe erhalten würde.

Geholfen wurde Marvin in Tübingen. Er erhielt eine Gaumenplatte aus Kunststoff, die in den Mund eingebracht wurde und sowohl die Zunge nach vorne drückte, als auch das Wachstum des Unterkiefers anregte. Im März 2006 konnte Tamara Schäfer ihren Sohn erstmals mit nach Hause nehmen. Zahlreiche Krankenhausaufenthalte und auch operative Eingriffe folgten.

Kreis und Frühförderzentrum des Klinikums Bad Hersfeld unterstützt die Familie

Unterstützt wurde die Familie von Anfang an durch das Frühförderzentrum des Klinikums Bad Hersfeld und auch durch den Kreis Hersfeld-Rotenburg. Tamara Schäfer, die inzwischen seit mehr als zehn Jahren alleinerziehend ist, war es immer ein Anliegen, dass ihr Sohn möglichst normal aufwachsen sollte. Dank einer Integrationsmaßnahme konnte Marvin die städtische Kindertagesstätte Tabalugaland besuchen.

Den Vorschlag, ihren Sohn auf eine spezielle Schule für Körperbehinderte – die nächste ist in Kassel – zu schicken, lehnte Tamara Schäfer ab. Sie wollte, dass er Freunde in der Nachbarschaft findet, mit denen er ohne großen Organisationsaufwand spielen kann.

Der Schulbesuch ist für Marvin dank einer sogenannten Teilhabeassistentin möglich. Anne Mann begleitet Marvin seit der dritten Klasse, sie hilft ihm bei den Dingen, die er mit einer Hand nicht schaffen kann, zum Beispiel beim Ausschneiden.

Sie erklärt ihm Aufgaben, wenn er aufgrund seiner Hörbeeinträchtigung, ebenfalls eine Folge des Pierre-Robin-Syndroms, etwas nicht verstanden hat oder wiederholt Marvins Aussagen, wenn er sich wegen seiner Probleme beim Sprechen nicht verständlich machen kann. Inzwischen besucht Marvin die Brüder-Grimm-Gesamtschule in Bebra und kommt dort gut zurecht. Er ist aufgeweckt, vielseitig interessiert und ehrgeizig. Mit der Mathematik steht er zwar ein wenig auf Kriegsfuß, aber die meisten anderen Fächer machen ihm richtig Spaß. Und Freunde hat er auch gefunden.

Marvin möchte in der Zukunft gerne in einer Werkstatt arbeiten

Ab dem kommenden Jahr soll die Unterstützung durch die Teilhabeassistentin eingeschränkt werden, weil Marvin zunehmend gut alleine zurechtkommt. Wenn sein Wachstum abgeschlossen ist, soll er noch eine Handprothese erhalten, mit deren Hilfe er auch die rechte Hand einsetzen kann. Dann soll auch sein Ohr operiert werden, sodass er ohne Hörgerät auskommt, erzählt seine Mutter. Marvin wartet ungeduldig auf diesen Zeitpunkt.

Auch berufliche Vorstellungen hat Marvin schon. Er möchte gerne in einer Werkstatt arbeiten und am Allerliebsten neue Autos entwickeln. „Die Entwicklung von Marvin zeigt, welche persönlichen Entwicklungen mit den vorhandenen Fördermöglichkeiten der Eingliederung nach dem zwölften Sozialgesetzbuch möglich sind“, sagt Klaus Landgrebe, der die Familie beim Kreis betreut und Marvin mit Freude begleitet. Tamara Schäfer, die jahrelang wegen der Kinder nicht arbeiten konnte, ist inzwischen übrigens selbst Schulassistentin für ein Kind mit Beeinträchtigungen und liebt ihre Arbeit.

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