Bebras Bürgermeister im Gespräch

Uwe Hassl im Interview: „Die Schritte werden kleiner“

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In dieser Woche auch mal auf seiner Harley unterwegs: Bebras Bürgermeister Uwe Hassl nahm sich trotz seines Urlaubs Zeit für unser Interview.

Bebra. Die Sommerferien gehen zu Ende. Das zweite Halbjahr beginnt, und die Bundestagswahl steht vor der Tür. Was machen eigentlich unsere heimischen Politiker in diesem Sommer? Wir haben nachgefragt , heute bei Uwe Hassl, parteiloser Bürgermeister von Bebra.

Herr Hassl, Sie haben gerade Urlaub. Fahren Sie nicht weg?

Uwe Hassl: Nein, wir haben die Handwerker im Haus. Entspannen kann ich auch so, obwohl man natürlich trotzdem 24 Stunden erreichbar ist.

Apropos Entspannung: Während anderswo der Wahlkampf an Fahrt aufnimmt, können Sie sich diesbezüglich zurücklehnen.

Hassl:Das stimmt. Ich bin ja parteilos und kann mir das diesmal alles von außen ansehen. Auch für die sozialen Medien habe ich mir zu diesem Thema einen Maulkorb verpasst.

Ihre nächste Wahl ist noch weit entfernt. Sie haben gerade quasi Halbzeit. Ziehen Sie doch mal ein Fazit der vergangenen drei Jahre.

Hassl:Ich habe gemerkt, dass man Gas geben muss, wenn man etwas unbedingt möchte. Das kostet aber viel Kraft. Und wenn die Kraft für die zweite Amtshälfte noch reichen soll, muss man sie sich einteilen.

Deswegen gehe ich es jetzt viel diplomatischer an. Ich will andere glauben machen, dass es auf ihren Ideen beruht, was zu beschließen ist. Vorher habe ich immer alles als meine Idee verkauft. Weil ich aber keine Partei habe, kommt man damit schlechter zum Ziel.

Wenn Sie das jetzt so öffentlich sagen, ist das Pulver aber doch schon verschossen.

Hassl: Nein, wir verschießen nichts. Es kann ja nicht sein, dass sie danndie Projekte, die in der Stadt geplant sind, ablehnen. Das wäre ja töricht.

Geplant ist derzeit besonders viel rund um den Bahnhof. Wie geht es vor allem mit dem Lokschuppen und dem Inselgebäude weiter?

Hassl:Das Bahnhofsensemble ist unser großes Problem, weil es so ein enges Zeitfenster gibt. Wir haben Fördermittel, die nicht geschoben oder übertragen werden können. Es muss alles 2019 fertig sein. Am Lokschuppen sind die vielen Baurichtlinien ein Hindernis. Aber auch das wird klappen. Auf dem Bahnhof liegt derzeit viel Aufmerksamkeit, obwohl wir auch noch andere Probleme haben.

Welche zum Beispiel?

Hassl: Wir dürfen die Neuverschuldung nicht so stark werden lassen. Das Problem ist, dass Stadtumbau und die Entwicklung ja schon lange laufen und fertig werden müssen. Wir haben also eher noch mehr Verschuldung vor uns.

Was wollen Sie dagegen machen?

Hassl: Auf der einen Seite muss ich das Defizit von 7,5 Millionen loswerden. Das kann ich in dieser Amtszeit schaffen. Aber dann muss auch die Neuverschuldung weg und das geht nur mit Einsparungen.

Wie hart werden diese Einsparungen die Bürger Bebras treffen?

Hassl: Wenig. Wir werden keine Gebühren und Steuern erhöhen. Das haben wir vor Jahren schon getan. Wir werden weniger ausgeben, die Schritte müssen eben kleiner werden. Das einzige, was die Bürger treffen könnte, wären die Straßen. Die müssen in Bebra erneuert werden.

Die Straßenbeiträge sind derzeit in anderen Kommunen ein großes Thema.

Hassl:Die Bürger wollen nicht nach den alten Gesetzen zu ihren Beiträgen herangezogen werden. Wir werden voraussichtlich auf einewiederkehrende Straßenbaubeiträgeumschwenken. Derzeit haben wir aber noch zwei Straßen, die es nach dem alten Modus zu berechnen gilt.

Ist das Amt des Bürgermeisters nicht manchmal einfach nur ein großes Abwägen, um es möglichst vielen Recht zu machen?

Hassl: Schauen Sie, als Anwalt hatte ich es immer einfach. Da musste ich immer nur dem Auftraggeber gerecht werden. Und jetzt ist der Auftraggeber eine ganze Stadt. Da geht es nur darum, zwischen den Grenzen zu optimieren. Ich glaube, das geht allen Bürgermeistern so.

Letztes Stichwort Breitenbacher See. Könnte die Stadt aus diesem Gelände nicht viel mehr Nutzen schlagen?

Hassl: Wissen Sie, was das Hindernis am See ist? Die Symbiose zwischen Natur- und Landschaftsschutz und Tourismus. Eigentlich müsste jeder Bürger, der dort hingeht, die unterschiedlichen Naturzonen kennen. Wo man sich überhaupt aufhalten darf. Da halten sich viele nicht dran. Deswegen brauche ich da einen Ranger, der sich gut auskennt und als Respektsperson wahrgenommen wird. Damit könnte man da sicher mehr rausholen.

Zur Person

Uwe Hassl (56) stammt aus Bebra, machte Abitur in Bad Hersfeld und studierte nach der Bundeswehr in Gießen Jura. Er war 14 Jahre bis 2006 für die SPD im Stadtparlament. 2001 kandidierte er erstmals als Bürgermeister, unterlag aber Horst Groß. Im Jahr darauf machte er sich nach einer Zeit als angestellter Anwalt in Fulda mit einem Partner in Bebra selbstständig. Seit 2014 ist er parteiloser Bürgermeister von Bebra. Er ist Amerikafan, Träger des schwarzen Karategürtels und liebt Gartenarbeit. Hassl ist verheiratet und hat einen Sohn. (ank/lad)

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