Übergang ist wohl über 100 Jahre alt

Weiteröder protestieren gegen Abriss der alten Fußgängerbrücke

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Die Weiteröder sind schnell mobilisiert, wenn es gegen ihre Fußgängerbrücke über die Bahngleise zwischen den Wohngebieten Eichbach und Bebraer Höhe geht. Am Montagnachmittag forderten über 80 Teilnehmer im Bebraer Stadtteil den Erhalt des Übergangs, ohne den Fußgänger einen weiten Umweg in Kauf nehmen müssen.

Weiterode. Eine Fußgängerbrücke, womöglich aus der Zeit als Kassel noch Cassel war, sorgt für Aufregung in Weiterode. Die Bahn will sie abreißen, im Bebraer Stadtteil gibt es Widerstand. 

Die Bahn hatte den Fußgängerüberweg – Baujahr ist laut Bahn-Kataster 1927 – vor zwei Wochen gesperrt, nicht nur die Bewohner des Bebraer Stadtteils protestierten. Jetzt gibt es Hinweise, dass die Brücke noch deutlich älter sein könnte.

Gut besucht: Die Kundgebung startete an der Friedestraße, von dort ging es direkt zum Fußgängerüberweg zwischen Allee- und Oststraße.

Über den Nachrichtendienst WhatsApp und per Mundpropaganda verbreitete sich die Nachricht, dass der RTL Hessen einen Beitrag zum Brückenstreit plant. Mehr als 80 Teilnehmer nutzten daraufhin am Montagnachmittag die Gelegenheit, um sich mit Transparenten für den Erhalt des Übergangs stark zu machen.

Vor der alten Brücke: Die Weiteröder sind sauer, weil die Bahn den Übergang zwischen den Wohngebieten Eichbach und Bebraer Höhe ohne Warnung gesperrt hat. Die Kundgebung am Montag weckte auch das Interesse von RTL Hessen.

„Die Infrastruktur wird auf schamlose Weise kaputtgemacht“, sagte Anwohner und Initiator Hans-Jürgen Ernst bei der Kundgebung, die zunächst an der Friedestraße und dann an der Brücke stattfand. Die Kosten dürften beim Erhalt des Übergangs keine Rolle spielen, forderte Ernst und bekam von den Weiterödern Applaus. „Wir lassen uns das nicht so einfach nehmen“, gab sich Ortsvorsteher Andreas Nölke kämpferisch. Er forderte eine nachhaltige Lösung: „Was bringt es uns, wenn die Brücke nur zwei Jahre offenbleibt?“

Ist die Brücke noch einmal zehn Jahre älter?

Von Nölke stammt auch der Vorschlag, die Brücke von einem unabhängigen Ingenieurbüro prüfen zu lassen. Laut Bahn ist der Fußgängerüberweg nicht länger verkehrssicher. Das überzeugt viele Weiteröder nicht: Das sei bereits bei den Abrissplänen 2014 das Argument gewesen, ist zu hören.

Wollen eine Lösung im Streit mit der Bahn: Bürgermeister Uwe Hassl (von links), Anwohner Hans-Jürgen Ernst und Ortsvorsteher Andreas Nölke.

Auch eine externe Prüfung komme in Betracht, sagte Bürgermeister Uwe Hassl. Der Bebraer Rathauschef setzt zunächst jedoch auf die Ergebnisse eines gemeinsamen Ortstermins mit der Bahn Mitte März sowie eine kurzfristige – und kostengünstige – Reparatur. 

Zumal die „alte Dame“, wie CDU-Chef Thorsten Strippel die Brücke im Parlament genannt hatte, noch einige Jahre älter sein könnte als angenommen. Dokumente aus dem Archiv der ehemaligen Gemeinde Weiterode legen nahe, dass der Fußgängerüberweg zwischen 1902 und 1917 gebaut wurde. Die Stadt tastet sich derzeit an das tatsächliche Baujahr heran.

Eine Kundgebung mit vielen Kindern

Auffällig in Weiterode: Viele Kinder hielten bei der Kundgebung ein Schild hoch. „Ich möchte mich auf dem kürzesten und sichersten Weg mit meinen Freundinnen treffen können“, war da zu lesen. Der Überweg verbindet das Wohngebiet Eichbach mit dem Ortskern. Ohne die Abkürzung auf Bahngelände wird der Weg für Fußgänger rund 1,5 Kilometer länger und führt über die Lange Brücke, „wo der Bürgersteig vielleicht für Katzen, aber nicht für Menschen gebaut ist“, sagte Ute Oeste, die im Eichbach wohnt.

Müssen zu Fuß einen langen Umweg in Kauf nehmen: Die Anwohner Dieter Wendel, Ute Oeste und Manfred Brenner vor dem vergitterten Brückenzugang.

Für sie ist der geplante Abriss das I-Tüpfelchen des Niedergangs der einstigen Eisenbahnerstadt Bebra: „Die Bahn stiehlt sich aus der Verantwortung.“ Dabei sei die alte Brücke ein Bonbon für die Schneise gewesen, die von den Gleisen der Bahn durch Weiterode gezogen werden. Ihr Nachbar Dieter Wendel versucht, möglichst viele Wege zu Fuß zu erledigen. Der Besuch beim Arzt ist für den 69-Jährigen ohne die Abkürzung über die Brücke jetzt beschwerlicher. 

Familienprotest: Bei den Gerlachs mit Tochter Emily (unten links) sowie Matthias und Martina Gerlach fehlte nur Sohn Jan, der seinen Schulweg nun mit dem Bus statt zu Fuß erledigt.

Ein Transparent mit „Wir brauchen unsere Brücke“ hatte die Familie Gerlach von der Bebraer Höhe dabei. Die Gründe? Freunde besuchen, der Schulweg – mit dem Übergang ist das deutlich einfacher.

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