Weg ins Zentrum nun 1,5 Kilometer länger

Früher als geplant: Deutsche Bahn sperrt Fußgängerbrücke in Weiterode 

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Blockierte Abkürzung: Die Brücke über die Bahngleise zwischen Oststraße und der Alleestraße im Ortszentrum in Weiterode ist seit Dienstag gesperrt. Ortsvorsteher Andreas Nölke (linkes Foto) will einen Abriss des Fußgängerüberwegs aber nicht widerstandslos hinnehmen. 

Weiterode. Die Fußgängerbrücke über die Bahngleise zwischen den Weiteröder Wohngebieten Eichbach und Bebraer Höhe ist seit Dienstag gesperrt.

Die Zugänge sind mit Gittern versperrt, ein großes Schild warnt vor dem Betreten. Der Grund laut der Deutschen Bahn: Das Bauwerk ist marode, hat keinen wirtschaftlichen Nutzen und soll abgerissen werden. Das stößt im Bebraer Stadtteil auf Widerstand, am heutigen Donnerstag ist die Brücke Thema im Stadtparlament.

Der Fußgängerübergang auf Bahngelände zwischen Alleestraße und Oststraße ist der kurze Weg vom Eichbach in den Ortskern – zum Arzt, zur Ulfetalschule und zur Kita – und wird rege genutzt. Bei einem Besuch vor Ort stehen innerhalb von 15 Minuten mehrere Fußgänger etwas ratlos vor dem „Durchgang verboten“-Schild, weil sich die Sperrung noch nicht herumgesprochen hat. Auch Anwohner bestätigen, dass die Brücke genutzt wird. Ohne die Abkürzung wird der Weg zum Zentrum um rund 1,5 Kilometer länger und führt zudem über die Lange Brücke, die besonders für Kinder und Radfahrer eng und gefährlich ist.

Bahn wollte Fußgängerbrücke bereits 2014 loswerden

Bereits im Jahr 2014 wollte die Bahn den Fußgängerüberweg loswerden. Die damaligen Optionen: Ein ersatzloser Abriss oder die Stadt übernimmt das Bauwerk samt Sanierungskosten, zu dem Zeitpunkt rund 180.000 Euro. Der Ortsbeirat stellte eine Unterschriftenaktion auf die Beine, in kurzer Zeit sprachen sich mehr als 700 Teilnehmer dafür aus, die Brücke zu behalten. Hinzu kamen Solidaritätsbekundungen im sozialen Netzwerk Facebook. Die Bahn machte daraufhin einen Rückzieher.

„Damit war es nur aufgeschoben und nicht aufgehoben, das war uns allen klar“, sagt Weiterodes Ortsvorsteher Andreas Nölke (CDU). Der Stadtteil wird auf ganzer Länge durch die Bahnstrecke Bebra – Eisenach geteilt. An der Situation habe sich nichts geändert: „Wir brauchen die Brücke.“ Um das zu belegen, wollen sich die Weiteröder auf die Unterschriftenaktion aus 2014 berufen. „Wir können das aber auch gern wiederholen“, sagt Nölke.

Eigentlich sollte Brücke erst Anfang März gesperrt werden

Ursprünglich sollte die aus Sicht der Bahn unsichere Fußgängerbrücke erst Anfang März gesperrt werden. Die Bahn habe den Termin vorgezogen, weil zum Wochenbeginn ohnehin ein Arbeitstrupp vor Ort gewesen sei „und man die Sache erledigen wollte“, so der Stand von Bürgermeister Uwe Hassl aus Gesprächen mit dem Unternehmen. Die Brücke könne demnach auch nicht mehr saniert werden – soll sie erhalten bleiben, wären ein Abriss und Neubau unvermeidlich. Das würde nach Schätzung der Bahn etwa 350.000 Euro kosten. Das Unternehmen könne sich vorstellen, das Bauwerk an die Stadt abzutreten, so Hassl, eine Beteiligung an den Kosten werde aber ausgeschlossen.

Blockierte Abkürzung: Die Brücke über die Bahngleise zwischen Oststraße und der Alleestraße im Ortszentrum in Weiterode ist seit Dienstag gesperrt. Ortsvorsteher Andreas Nölke (linkes Foto) will einen Abriss des Fußgängerüberwegs aber nicht widerstandslos hinnehmen. 

„Wenn wir uns entscheiden, dort einzusteigen, bleibt die Brücke für die nächsten drei Jahre gesperrt“, warnt der Bürgermeister. Fördergeld müsste beantragt, Ausschreibungen auf den Weg gebracht werden. „Und wir haben für immer die Baulast samt regelmäßigen Begutachtungen am Hals“ – die nach Bahnstandards durchgeführt würden, weil die Brücke über die Gleise führt.

Bei einer gemeinsamen Sitzung der Ausschüsse hatte die CDU das Thema per Dringlichkeitsantrag auf die Tagesordnung der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag, 14. Februar, setzen lassen. In dem Beschlussvorschlag wird der Magistrat damit beauftragt, sämtliche – auch rechtliche – Schritte einzuleiten, um die Brückensperrung zu verhindern. Das Wort haben jetzt die Parlamentarier. Auch die Weiteröder wollen ihr Vorgehen planen. Wenn das Ergebnis aus dem Stadtparlament bekannt ist, soll es eine öffentliche Sitzung des Ortsbeirats geben. Eine Stellungnahme der Bahn lag nach Anfrage unserer Zeitung bis zum Redaktionsschluss nicht vor.

Weitere Themen im Parlament

Die Sitzung der Stadtverordnetenversammlung findet am Donnerstag ab 19 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses in Bebra statt. Neben der Sperrung der maroden Fußgängerbrücke in Weiterode wird auch der Termin für die Wahl des Bebraer Bürgermeisters Thema sein: Uwe Hassls Amtszeit endet Anfang des kommenden Jahres. Vorgeschlagen ist der 8. September. Zudem stimmen die Parlamentarier darüber ab, ob die städtische Entschädigungssatzung angepasst wird. Hintergrund ist unter anderem eine Erhöhung des Budgets für die Bebraer Schul- und Stadtbücherei aus dem Dezember über 2000 Euro, mit der auch Öffnungszeiten in den Ferien ermöglicht werden sollen.

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