"Welle der Hilfsbereitschaft"

Weiteröder Familie mit zwei schwer erkrankten Kindern bedankt sich für Hilfe

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Freuen sich über die große Unterstützung: Unser Bild zeigt von links Oskar, Kristina, Helena, Sophie, Erik und David Schaub. Die Familie kommt aus Weiterode.

„Die große Anteilnahme überwältigt uns sehr.“ Das schreibt Kristina Schaub aus Weiterode in einem Dankesbrief, den sie zur Veröffentlichung an die HNA-Redaktion geschickt hat.

In Ellis Saal und vom Weiteröder Kindergarten Rappelkiste hatte es in den vergangenen Wochen Spendenaktionen gegeben, mit denen die Weiteröder Familie unterstützt werden soll: Sie hat zwei schwer kranke Söhne. Nach den Spendenaufrufen haben auch zahlreiche Menschen aus Weiterode und dem gesamten Landkreis, teilweise anonym, gespendet.

„Wir hätten selbst nie um Unterstützung gebeten und es fällt schwer, Hilfe anzunehmen – das muss man auch erstmal lernen. Umso dankbarer sind wir, dass wir am Ende des Jahres nicht nur mit zwei halbwegs gesunden Kindern und der ganzen Familie Weihnachten feiern können, sondern auch die finanzielle Last dank der zahlreichen Spenden ein Stück weit geringer ist“, schreibt Kristina Schaub.

Ihr Dank geht auch an die Fleischerei Holzhauer, die die Wurst für den Ahle-Wurscht-Verkauf lieferte.

Zwei Kinder sind schwer erkrankt 

Beim vierjährigen Erik wurde im Januar ein bösartiger Tumor im Bauch festgestellt – und zwar eine besonders seltene Art, an der in den vergangenen zehn Jahren laut Kristina Schaub lediglich 20 weitere Kinder in ganz Europa erkrankt sind. Dementsprechend musste bei der Therapie experimentiert werden. Chemotherapie und Operation verliefen aber gut, Erik geht es mittlerweile besser.

Sein mittlerweile einjähriger Bruder Oskar kam mit einem angeborenen Herzfehler auf die Welt. Auch er musste operiert werden.

Zurück in den Alltag: Jungs erholen sich 

„Seitdem erholen sich beide Kinder erstaunlich schnell und auch für die beiden älteren Schwestern ist es eine große Erleichterung, dass beide Brüder wieder zuhause sind und wir als Familie langsam zurück in den Alltag finden, denn sie mussten streckenweise nicht nur auf beide Eltern verzichten, sondern ihre Hobbys und Besuche von Freunden massiv einschränken“, schreibt Kristina Schaub.

Und weiter: „Nach so einem schlimmen Jahr mit all seinem Unglück soviel Unterstützung zu erfahren, gibt uns unglaublich viel Kraft und Motivation und es ist inspirierend zu erfahren, wie aus vielen kleinen Gesten soviel Positives entstehen kann.“ 

Kristina Schaubs Brief im Wortlaut: 

Wir sagen Danke 

Eine große Welle der Hilfsbereitschaft hat uns in den letzten Wochen aus unserer Heimatgemeinde Weiterode und dem ganzen Landkreis erreicht. Auslöser war der St. Martins Umzug des weiteröder Kindergartens Rappelkiste und der Ahle-Wurscht-Verkauf von Ellis-Saal anlässlich des 25-jährigen Jubiläums. Die Kollekte des St. Martins-Gottesdienstes sowie 2,-€ je Wurstverkauf sollten unserer Familie zugute kommen und uns nach einem anstrengenden Jahr eine kleine finanzielle Unterstützung sein. Was dann geschah, konnte sich niemand vorstellen. 

Sowohl der Kindergarten als auch Ellis-Saal berichteten in der HNA über ihre Aktion zugunsten unserer Familie, die durch die schwere Erkrankung der beiden Söhne eine große finanzielle Belastung erfahren hatte. Im Januar wurde bei unserem Sohn Erik (4) ein bösartiger Tumor im Bauch festgestellt. Die Diagnose riss unsere sechsköpfige Familie von einem auf den nächsten Tag aus dem Leben. Gerade noch wollten wir die Kinderzimmer renovieren - die Farbe war gekauft, die Tapeten abgerissen - und uns im Anschluss daran eine kleine Auszeit im Harz gönnen, schon befanden wir uns auf der Kinderonkologie und mussten eine Hiobsbotschaft nach der anderen verkraften. Nicht nur das unser Sohn an Krebs erkrankt war, nein es war auch noch eine sehr seltene Tumorart, ein Pancreatoplastom, an dem in den letzten 10 Jahren lediglich 20 weitere Kinder europaweit erkrankt waren. Entsprechend ernüchternd war die Prognose und experimentell die Therapie. 

Lange Krankenhausaufenthalte und Chemotherapie mit allen bekannten Nebenwirkungen folgten. Um die Betreuung von Erik im Krankenhaus und den 3 Geschwistern (Oskar 1, Helena 6 und Sophie 9 Jahre) zu gewährleisten, wechselten wir uns Tag und Nacht ab und fuhren die 81 km lange Strecke zur Klinik jeweils zweimal. Unterstützung bekamen wir dabei von den Großeltern, die sofort zu uns kamen, um für die nächsten 6 Wochen auf die Geschwister aufzupassen und den Haushalt einigermaßen am laufen zu halten. Auch während der folgenden Chemoblöcke waren sie immer zur Unterstützung Vorort. 

Die ersten guten Nachrichten kamen Mitte März - die Chemo schlug an, der Tumor wurde kleiner. Am 30. Mai konnte er in einer zwölfstündigen OP vollständig herausoperiert werden. Es folgte bis Mitte September eine Nachchemo. Die Ärzte sind optimistisch, den ganzen Tumor im gesunden Gewebe entfernt zu haben und bei den monatlichen Kontrolluntersuchungen konnten bis jetzt glücklicherweise kein Rezidiv oder Metastasen gefunden werden. 

Und weil ein schwerkrankes Kind noch nicht reicht, zogen wir im Anschluss Ende Oktober mit unserem jüngsten Sohn Oskar für knapp vierzehn Tage ins Deutsche Herzzentrum Berlin ein. Bei Oskar wurde kurz nach seiner Geburt Anfang 2017 ein angeborener Herzfehler festgestellt. Es folgten monatliche Kontrollen beim Kindergardiologen und eine medikamentöse Behandlung, durch die er erstaunlicherweise mit wenig Einschränkungen sein erstes Lebensjahr bestreiten konnte. Im Februar 2018 kam allerdings die Nachricht, dass das Herz zu stark belastet und eine Operation unumgänglich sei. Die Ärzte versuchten ihr Bestes, die OP hinauszuzögern, damit wir zuerst Eriks Behandlung abschließen und uns im Anschluss mit voller Kraft Oskars Genesung widmen konnten. Und so wurde Oskars Herzfehler am 31. Oktober in einer sechsstündigen OP am offenen Herzen soweit korrigiert, dass ihm ein gesundes Leben möglich ist. 

Seitdem erholen sich beide Kinder erstaunlich schnell und auch für die beiden älteren Schwestern ist es eine große Erleichterung, dass beide Brüder wieder zu Hause sind und wir als Familie langsam zurück in den Alltag finden, denn sie mussten streckenweise nicht nur auf beide Eltern verzichten, sondern ihre Hobbys und Besuche von Freunden massiv einschränken. 

Neben der psychischen Anspannung aller Familienmitglieder stieg auch die finanzielle Belastung. Anfangs auf Erik, später dann selbst krankgeschrieben, fiel ein Gehalt komplett weg. Auch der Tätigkeit als selbständiger Grafiker konnte der andere Elternteil nicht mehr in vollem Umfang nachgehen. Gleichzeitig stiegen die Kosten durch die vielen Krankenhausfahrten, erhöhten Betreuungskosten, Zusatznahrung etc. 

Während der ganzen Zeit erreichten uns Grußkarten mit guten Wünschen, kleinen Finanzspritzen und Aufmerksamkeiten für die Kinder aus dem Verwandten- und Freundeskreis, die uns immer wieder Kraft und Mut gegeben haben. Auch für die praktische Unterstützung in Form von Kinderbetreuung, Einkäufen, Wäsche zusammenlegen ... waren wir sehr dankbar. Wir durften erfahren, dass uns neben all dem Unglück doch auch viel Empathie und Hilfsbereitschaft entgegen gebracht wurde und so auch die positiven Aspekte einer Krankheit kennen lernen. 

Als wir von der St. Martins-Aktion des weiteröder Kindergartens Rappelkiste und dem Ahle-Wurscht-Verkauf von Ellis-Saal erfuhren, waren wir sehr gerührt. Nie im Leben hätten wir allerdings damit gerechnet, dass beide Aktionen so weite Kreise ziehen und eine so große Resonanz darauf folgen würde. Im Kindergarten gingen zahlreiche Umschläge für uns ein und immer wieder meldeten sich Menschen, die uns ebenfalls helfen wollten. Die Ahle Wurscht wurde zum Verkaufshit und war innerhalb kürzester Zeit ausverkauft, so dass die Fleischerei Holzhauer nochmal eine neue Ladung nachlegte. Der Zusammenhalt der Weiteröder war grenzenlos und wurde über die Dorfgrenzen hinaus getragen. 

Die große Anteilnahme am Schicksal unserer beiden Jungs und die Hilfsbereitschaft überwältigt uns sehr. Nach so einem schlimmen Jahr mit all seinem Unglück soviel Unterstützung zu erfahren, gibt uns unglaublich viel Kraft und Motivation und es ist inspirierend zu erfahren, wie aus vielen kleinen Gesten soviel Positives entstehen kann. 

Wir hätten selbst nie um Unterstützung gebeten und es fällt schwer, Hilfe anzunehmen - das muss man auch erstmal lernen. Umso dankbarer sind wir, dass wir am Ende des Jahres nicht nur mit zwei halbwegs gesunden Kindern und der ganzen Familie Weihnachten feiern können, sondern auch die finanzielle Last dank der zahlreichen Spenden, ein stückweit geringer ist. 

Die Erfahrung, dass so viele Menschen Anteil an unserer Geschichte genommen und mit ihrer Spende geholfen haben sowie die Gesundheit unserer Kinder sind für uns schon jetzt das schönste Weihnachtsgeschenk. Selbstlos helfen und seinen Mitmenschen Empathie entgegen bringen ist nicht selbstverständlich und wir möchten allen unseren Dank und unsere Wertschätzung entgegen bringen, die uns auf diesem Weg unterstützt haben. Unser herzlichster Dank gilt insbesondere den Großeltern Karl und Elfi Klunk ohne die wir das ganze Jahr nicht überstanden hätten, Opa Martin, der uns ebenfalls sehr unterstützt hat, allen Verwandten und Freunden, dem Kindergarten Rappelkiste und dem Kulturverein Ellis-Saal für ihren selbstlosen Einsatz, der Fleischerei Holzhauer, dem Bürgermeister der Stadt Bebra und allen, die für uns gespendet haben. Schön, dass es Menschen wie Euch gibt. 

Wir wünschen Euch eine besinnliche Adventszeit und ein gesegnetes Weihnachtsfest.

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