Kanzlerin auf Haschkeks

Wenn Mutti untertaucht: Kabarett Distel sorgte in Ellis Saal scharfzüngig für pointierte Kritik an der Politikszene

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Ärger mit dem Bruder: Das Ehepaar Rietmüller sorgt sich um den dauerbekifften Bruder. Der glaubt, er habe Untermieterin Angela Merkel selbst entführt. Unser Bild zeigt (von links) Timo Doleys, Stefan Martin Müller und Caroline Lux.

Weiterode. Ein Feuerwerk von scharfzüngigen Pointen, satirischen Szenen und Liedern sowie gelungenen Parodien bot die Distel am Sonntagabend in Ellis Saal in Weiterode mit ihrem Programm „Wohin mit Mutti?“. Klar, wer da im Mittelpunkt stand.

Ungewöhnlich, aber nicht weniger gut, verpackte das Berliner Ensemble das originelle Stück als eine Form von komödiantischem Kabarett. Denn es wurde eine zusammenhängende Geschichte erzählt. Die von Familie Rietmüller, die noch durchschnittlicher ist als Max Mustermann, und so unauffällig lebt, dass keiner merken wird, wenn sie die Kanzlerin beherbergt.

Frau Merkel muss nämlich aus Sicherheitsgründen weg. Doch da gibt es Probleme, denn die Bundeskanzlerin beteiligt sich nicht an der Hausarbeit („das bisschen Haushalt macht die Von der Leyen, sagt mein Mann“) und isst immer das ganze Glas Nutella auf.

Immer fest im Griff

Und da ist noch der dauerbekiffte Bruder von Frau Rietmüller, der illegal zur Untermiete wohnt, und glaubt, er habe Frau Merkel selbst entführt. Als dann der „Grüne Ritter“ Anton Hofreiter (genial in allen Rollen: Stefan Martin Müller), der mit dem Song vom „Goldenen Reiter“ der Haschkeks-halluzinierenden Merkel erscheint, wird der Spagat zwischen Witz und Zynismus perfekt. Immer agil und mit ausgeprägter Mimik auf der Bühne präsent, hatte das Trio das Publikum von Anfang an fest im Griff. Wenn Timo Doleys in Merkelmanier das Gesicht verzog und die Hände zur Raute formte, war ihm die Begeisterung seiner Zuschauer sicher. Präzise und in Mimik und Gestik exakt war auch Caroline Lux als Ursula von der Leyen oder Sahra Wagenknecht.

Wenn sich die politische Weltbühne momentan zu einem schlechten Scherz voller Gnadenlosigkeit zu entwickeln scheint, ist Kritik an den richtigen Stellen umso wichtiger. Wie gut, dass es da die Distel gibt. Denn sie leuchtete in sämtliche Ecken und Winkel, um etwaige Missstände schonungslos ans Licht zu zerren. Sie legte auch fest, wer – zumindest in ihrem Programm – beleidigt werden darf. Zum Beispiel: Ausländische Staatspräsidenten, Hobby-Angler, die Bundesregierung, Selbstmordattentäter und: Anton Hofreiter von den Grünen. „Der ist sowieso hart im Nehmen. Schon beim morgendlichen Blick in den Spiegel hat er die tägliche Nahtod-Erfahrung“. Scharfzüngig und frech steuerten Timo Doleys, Stefan Martin Müller und Caroline Lux durch die bundesdeutsche Politikszene und die Niederungen der Gesellschaft. Politmonologe und Lieder waren pointiert und brandaktuell.

Das Publikum belohnte mehr als zwei Stunden mitreißende Unterhaltung am Ende mit tosendem Applaus.

Von Susanne Kanngieser

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