"Gier der Stadtverwaltung grenzenlos"

Wettbüro-Betreiber wehren sich gegen Bebraer Steuerpläne

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Fühlen sich gleich mehrfach zu Unrecht abgestraft: Herbert Knierim und sein Sohn Matthias vor dem Cashpoint Sportwetten-Büro an der Bebraer Pfarrstraße.

Bebra. Nachdem die Bebraer Stadtverordneten jüngst ausführlich über eine Steuer für Wettbüros diskutiert haben, sind Bebras einzige Betreiber eines solchen Geschäfts verärgert.

„Uns scheint, dass die Gier in der Stadtverwaltung zurzeit grenzenlos ist“, sagt Herbert Knierim. Der 66-Jährige ist Geschäftsführer der Knierim Entertainment GmbH, die in Bebra eine Spielhalle an der Nürnberger Straße und Bebras einziges Wettbüro an der Pfarrstraße betreibt. Er und sein Sohn Matthias sind nach den jüngst im Bebraer Stadtparlament diskutierten Plänen über eine Wettbürosteuer - die HNA berichtete - mächtig erzürnt.

Für ihr gerade mal 25 Quadratmeter großes Wettbüro müssten sie monatlich 1000 Euro Steuern zahlen. Denn die vom Hessischen Städte- und Gemeindebund herausgegebene Mustersatzung, die bislang noch von keiner einzigen Kommune in Hessen eingeführt worden ist - Bebra wäre wie berichtet Vorreiter - sieht eine Bemessungsgrundlage von 500 Euro pro angefangene 20 Quadratmeter vor. Eine Entscheidung der Stadtverordneten ist noch nicht gefallen - nach längerer Debatte ist das Thema zunächst noch einmal im Ausschuss gelandet.

Höher als der Umsatz

„In meinen Augen ist diese Steuerbemessung - unabhängig von Umsatz oder Gewinn -abenteuerlich. Wo gibt es denn sowas?“, fragt Matthias Knierim. Ein Blick auf die Zahlen zeige: „in manchen Monaten wäre die Steuer höher als unser kompletter Umsatz“, sagt der 34-Jährige.

Eine Besteuerung in dieser Größenordnung habe für den Betrieb erdrosselnde Wirkung. „Wenn die Verantwortlichen der Stadt Bebra eine solche Steuer beschließen sollten, bleibt uns gar nichts anderes übrig, als den Klageweg zu beschreiten“, sagt Herbert Knierim.

Besonders ärgere er sich über die Respektlosigkeit gegenüber seinem Gewerbe: „Wir sind genauso ein Betrieb, wie andere auch - für uns gelten gesetzliche Vorschriften, an die wir uns zu halten haben. Wenn wir unser Wettbüro infolge der Steuer schließen müssen, werden unsere Kunden, die bisher in einem kontrollierten und geregelten Umfeld ihre Wetten abschließen können, auf dubiose Angebote im Internet zurückgreifen.“ Das sei das genaue Gegenteil dessen, was mit der Öffnung des Sportwettenmarktes durch den Glücksspielstaatsvertrag 2012 für private Anbieter beabsichtigt worden sei. Ziel darin sei es laut Paragraph 1, eine geeignete Alternative zum nicht erlaubten Glücksspiel zu bieten und den natürlichen Spieltrieb der Bevölkerung in geordnete und überwachte Bahnen zu lenken.

Jugend- und Spielerschutz

„Es stört uns enorm, dass unser ganzes Gewerbe dümmlicherweise immer so negativ dargestellt wird - wer unsere Spielhalle als Spielhölle bezeichnet, dem könnte man auch vorwerfen, dass er nicht in einem Rathaus sondern in einer Raubritterburg arbeitet“, sagt der Geschäftsführer. Spielhallen seien längst keine dunklen, verruchten Hinterzimmer mehr, sondern Freizeit- und Vergnügungsstätten mit geschultem Personal, das auf Jugend- und Spielerschutz achte. 11 Angestellte beschäftigt die Knierim-Entertainment GmbH zurzeit.

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