Fulda-Gerstungen

ICE-Halt oder nicht? Bebras Politik ist uneinig bei Resolution zur Neubaustrecke

Das Foto zeigt den Blick von der Gilfershäuser Straße und der Eisernen Brücke auf den Bahnhof Bebra. Links der sanierte Lokschuppen, im Hintergrund das Bebraer Wahrzeichen, der Wasserturm.
+
Kommt derzeit in der Planung der Bahn nicht vor: Der Bahnhof Bebra scheint bei der Anbindung an die Neubaustrecke Fulda-Gerstungen abgehängt zu sein.

Bebra – Der Nordkreis kämpft um die Chance auf einen Fernverkehrshalt auf der Neubaustrecke Fulda-Gerstungen. Nun gehen alle Blicke in Richtung der Eisenbahnerstadt Bebra.

In Wildeck und Ronshausen haben sich die Gemeindeparlamente bereits für den Bahnhof Bebra als Halt ausgesprochen. Dort entscheidet das Parlament am Donnerstag über eine entsprechende Resolution. Dabei zeichnet sich bereits ab: Es herrscht alles andere als Einigkeit darüber, ob Bebra wieder ins Spiel gebracht werden soll.

Die Eisenbahnerstadt ist spät in das Rennen um den ICE-Halt auf der Neubaustrecke gegangen – im Ziel fehlten dann vier Minuten. Bei der derzeitigen Planung der Bahn für das Jahrhundertprojekt spielt der Bahnhof keine Rolle mehr, auch, weil der angepeilte Deutschlandtakt (unter 62 Minuten Fahrzeit zwischen Fulda und Erfurt) über Bebra knapp verpasst wird. Derzeit favorisieren viele Kommunen – vor allem im Südkreis rund um Bad Hersfeld – einen Fernverkehrshalt in der Kreisstadt. Gegen einen Bahnhof auf der grünen Wiese, etwa bei Ludwigsau, sprechen sich alle aus.

Externes Ingenieurbüro könnte eine Streckenführung über Bebra erneut prüfen

Bebras Bürgermeister Stefan Knoche hat nun angekündigt, dass ein Ingenieurbüro gefunden sei, das eine Streckenführung über Bebra erneut prüfen würde. So soll das Argument der Bahn wiederlegt werden, dass die Variante über Bebra für den Deutschlandtakt zu lange dauert. Bis Ende November könne das Ergebnis vorliegen. „Wir sollten diese Chance nutzen, damit wir uns später keine Vorwürfe machen lassen müssen“, warb Knoche in den Ausschüssen für den Vorstoß. Kostenfaktor der Prüfung: rund 5000 Euro.

Allerdings sieht Bebras neuer Rathauschef auch die Nachteile eines Fernverkehrshalts. Seit seinem Amtsantritt im März habe er sich in das Thema eingearbeitet. Aus vielen Gesprächen sei eine Pro-und-Contra-Liste entstanden, die er an die Fraktionen verschickt hat (siehe Hintergrund). In Bebra sei bisher „zu wenig Position bezogen, zu wenig in der Öffentlichkeit diskutiert“ worden, heißt es in dem Schreiben. Das soll sich nun ändern – zumal die Stadt Bad Hersfeld bereits mehrere Gutachten finanziert habe und starke Lobbyarbeit für einen Halt in der Kreisstadt betreibe. „Wir sind mehr als spät dran“, stellt der Bürgermeister fest.

Hintergrund: Imagegewinn gegen Arbeitsplätze

Durch einen ICE-Halt in Bebra sei ein Imagegewinn für die Stadt zu erwarten, urteilt Bürgermeister Stefan Knoche. Hinzu komme der Standortfaktor Fernverkehrsanbindung sowie ein möglicher Aufschwung für die Wirtschaft – auch Bebras Bevölkerung könne weiter wachsen. Ebenfalls positiv: die Anbindung für Pendler ans Rhein-Main-Gebiet. Bebra müsse sich allerdings auf Schnellzüge einstellen, die mit mindestens 160 Stundenkilometern durch die Stadt fahren – und von denen nur jeder fünfte auch Halt macht. Befürchtet werde auch, dass der Güterverkehr unter dem Umbau für den Fernverkehr leidet und damit Arbeitsplätze und die Anbindung von regionalen Unternehmen an den Transport auf der Schiene gefährdet sind. Offen sei zudem das Ausmaß des nötigen Umbaus für die Neubaustrecke rund um den Bahnhof, in den Ortsteilen und westlich von Bebra im Industriegebiet – was weitere Arbeitsplätze bedrohen könne.

Eine erneute Prüfung der Fahrzeit sei „die einzige Chance, die wir haben“, sagte Timo Schröder (CDU) bei der Beratung in den Ausschüssen. Gemeinsam mit Wildeck und Ronshausen solle versucht werden, den Bahnhof Bebra erneut in Position zu bringen. Auch Stefan Krug (Gemeinsam für Bebra) will „die Flinte noch nicht ins Korn werfen“.

SPD: ICE-Halt ist mehr Fluch als Segen

Skepsis dagegen bei den Sozialdemokraten: Die Fraktion habe sich von einer „externen Fachperson“ beraten lassen und sei zu dem Schluss gekommen, „dass die Einrichtung eines ICE-Halts am Bahnhof Bebra mehr Fluch denn Segen ist“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Zu den größten Bedenken zählen Nachteile für den Güterverkehr. Sollte die Schnellbahnstrecke über Bebra führen, seien etwa die Arbeitsplätze von rund 150 Lokführern und Rangierern im Güterverkehr in Gefahr, weil die Schnellzüge deren Gleiskapazität benötigten. Ein Umbau der Anlagen bringe mehrjährige Bauarbeiten mit sich, möglicherweise seien auch der neue Lokschuppen und Wohngebäude im Weg.

Schnelle Verbindungen nach Frankfurt, Erfurt und Leipzig seien schön – eine gute Anbindung an Kassel, Eisenach, Göttingen und Fulda aber ebenfalls wichtig und durch einen Umbau für den Fernverkehr gefährdet. Zudem lasse sich die Querung des Fuldatales zwischen Bebra und Rotenburg nicht konfliktfrei realisieren. (Von Clemens Herwig)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.