Von 33 sind nur sieben geblieben: 50 Jahre Werbegemeinschaft der Fleischer

Wurst nach alten Rezepten

Strandfest: Das Foto zeigt die Werbegemeinschaft beim Festzug Ende der 70er-Jahre in der Rotenburger Brotgasse. Auf dem Wagen stand: Gute Wurst aus Meisterhand, gibt es bei uns im Hessenland. Foto:  privat

Rotenburg/Bebra. Sonntags gab es einen Braten. Dann saßen fünf, sechs oder mehr Familienmitglieder um den Mittagstisch und ließen es sich schmecken.

Auch während der Woche kochte die Hausfrau täglich ein warmes Mittagessen. Dazu wurde Freitag oder Samstag beim Fleischer groß eingekauft. So war das in den 60er-Jahren, als sich 33 Fleischer aus dem damaligen Kreis Rotenburg, also auch aus Sontra, zur Werbegemeinschaft der Fleischer zusammenfanden.

Damals war das tägliche Kochen am Mittag selbstverständlich, und für den Sonntag gingen gerne zwei Pfund Schweinebraten oder acht Rouladen über die Theke. Heute ist Kochen für viele nur noch ein Hobby. Immer mehr Kunden wünschen ein belegtes Brötchen, eine Frikadelle an der „Heißen Theke“, von jeder Wurst zwei Scheiben, fertig gewürztes Fleisch zum Kurzbraten oder ordern den Party-Service. Diesen Herausforderungen stellen sich die Betriebe täglich mit großem Einsatz. Ohne die Ehefrauen und Familien der Fleischermeister wäre das nicht möglich.

Vor 50 Jahren sei alles ein bisschen einfacher gewesen, erzählen Heinz Müller (Lispenhausen) und Thomas Riebold (Bebra). Aber nicht nur die Wünsche der Kunden, auch viele Vorschriften und die erforderlichen Dokumentationen sind heute mit viel Aufwand verbunden, bedeuten aber auch große Sicherheit für die Kunden.

Tiere aus der Region

So beziehen die sieben Fleischermeister – außer den genannten sind es noch Bernd Apel, Thomas Brand und Peter Kanngießer (alle Rotenburg) sowie Dirk Holtz (Bebra) und Uwe Holzhauer (Weiterode) – ihre Tiere alle von Landwirten aus der Region. Für jedes Tier gibt es ein eigenes Dokument mit dem Nachweis, dass es absolut gesund war. Es wird großer Wert auf gesundes Futter und eine tiergerechte Haltung gelegt. Die Fleischer schlachten noch selbst, Müller und Kanngießer sogar vor Ort. Weckewerk, Wurst und die berühmte Ahle Worscht werden nach überlieferten Rezepten der Väter und Großväter hergestellt.

Sie bilden die Werbegemeinschaft der Fleischer: von links die Fleischermeister Uwe Holzhauer, Thomas Brand, Bernd Apel, Heinz Müller, Thomas Riebold, Dirk Holtz und Peter Kanngießer. Foto:  Apel

Trotz anerkannt hoher Qualität macht die Konkurrenz in den Supermärkten mit ihren langen Öffnungszeiten den Familienbetrieben zu schaffen. Müller und Riebold erklären, die meisten ihrer Kunden seien Stammkunden. Sie befürchten, dass wegen der Konkurrenz und wegen Nachwuchsmangels von Fleischer-Azubis, aber auch Fachverkäuferinnen, die Zahl der eigenständigen Fleischereien weiter abnehmen wird. Wenn kein Familienmitglied den Betrieb übernehmen will, hat er keine Zukunft. Und neue Fleischereien machen nicht mehr auf. Hinzu komme, dass für die einzelne Fleischerei auch die Kosten für Energie, teure Maschinen, Fleischbeschau, Schulungen und vieles andere mehr, stärker ins Gewicht fallen.

Früher doppelte Menge

So hat man einst doppelt so viel geschlachtet. Heute sind es beispielsweise bei Heinz Müller noch rund ein Dutzend Schweine pro Woche. Gleichzeitig ist der Preis im Verhältnis zu den Löhnen gesunken. Damals hätten die Leute für ein Kilo Kotlett zwei Stunden arbeiten müssen, heute bei 5,50 Euro im Angebot nur noch etwa eine halbe Stunde.

Umso wichtiger sei es für die Fachbetriebe des Fleischerhandwerks, mit Aktionen und wöchentlich neuen Angeboten auf sich aufmerksam zu machen – auch in der HNA. Die Kunden könnten sich auf gleichbleibende Qualität verlassen, betonen die Fleischermeister. Besonders beliebt sind Gulasch und Rouladen.

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