Verkauf nicht an Privatpersonen

Visiere für die Corona-Front: Bebraer Firma produziert Schutz für Kliniken und Co.

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Schutzvisier made in Bebra: Der Laser arbeitet vollautomatisch und schneidet die Bauteile für das Visier aus Kunststoffplatten. Die Teile werden sortiert und von Markus Vockenroth und seinen Mitarbeitern zusammengebaut.

Die Firma m.a.l. Effekt Technik in Bebra ist eigentlich auf LED-Technik spezialisiert – in Corona-Zeiten wird die vorhandene Infrastruktur für die Schutzvisierproduktion genutzt.

Wo sonst Blenden für die Beleuchtungsindustrie entstehen, schneidet ein Laser derzeit nach einem selbsterstellten 3D-Modell aus einer Kunstoffplatte die Bauteile für Visiere, die beim Schutz vor Corona-Infektionen helfen sollen. „Visiere aus dem 3D-Drucker sind eine prima Nothilfe, aber die Stückzahl passt nicht“, sagt Markus Vockenroth, Chef von m.a.l. Effekt Technik in Bebra. Das Unternehmen mit Sitz am Wiesenweg ist eigentlich auf LED-Technik spezialisiert – in Corona-Zeiten wird die vorhandene Infrastruktur nun auch für die Schutzvisierproduktion genutzt.

Während ein 3D-Drucker mehrere Stunden pro Stück benötigt, sollen in Bebra in der Woche maximal 1000 Visiere für Kliniken, Apotheken und Pflegeeinrichtungen, aber auch Friseure entstehen. „Es soll ein weiterer Schutz für alle sein, die beruflich viel mit Menschen Kontakt haben“, sagt Vockenroth. Geld verdienen will das Bebraer Unternehmen damit nicht: Die Masken werden zum Unkostenpreis verkauft, sieben Euro kostet das Stück.

„Ich denke, dass wir damit ein Zeichen setzen“, sagt Vockenroth. Der Bebraer Beleuchtungsexperte hat mehr als 60 Mitarbeiter – bisher ist die Corona-Pandemie gnädig mit dem Unternehmen gewesen. „Wir haben zwar Kurzarbeit angemeldet, aber nicht, weil der Leidensdruck so hoch ist“, sagt der m.a.l.-Chef. Die Digitalisierung in der Firma sei weit fortgeschritten, viele Abläufe bereits auf Homeoffice ausgelegt. Die Produktion laufe weiter.

Mit einem verstellbaren Gummiband wird der Schutz befestigt – und lässt genug Platz für Brillenträger wie Petra Stenzel.

Dabei hat die Branche bereits im Januar mit den Corona-Auswirkungen zu kämpfen: Ein Großteil der Elektronikteile kommt aus Asien, die Engpässe machen sich bemerkbar. Als der Shutdown Deutschland erreicht, bekommt m.a.l. besorgte Rückfragen von den asiatischen Partnern: Was denn mit Schutzmasken sei? Ob man helfen könne? Die Chinesen haben da bereits reichlich Erfahrung mit dem Corona-Krisenmanagement. „Das hat uns gerührt“, sagt Vockenroth. Hinzu kommt, dass auch in der Familie des Firmenchefs fleißig Masken genäht werden. Beides führt zur Idee, eigene Schutzvisiere herzustellen.

Allerdings fehlt zunächst Material. Für die Visiere wird etwa eine spezielle, durchsichtige Form von Polyethylenterephthalat verwendet – der Kunststoff ist besser als PET bekannt und wird bei Getränkeflaschen verwendet. „Transparente Kunststoffe sind derzeit extrem teuer“, sagt Markus Vockenroth. Erste Testläufe machen die Bebraner daher mit Resten aus dem Lager. Sie entwerfen ein 3D-Modell der Maske, das sich an Bauanleitungen aus dem Internet sowie Industrieware orientiert, und füttern den Laser mit dem Plan, nach dem er schneiden soll. Die Maschine arbeitet vollautomatisch, die Einzelteile werden per Hand zusammengebaut. Zwei Minuten dauert das pro Maske, den Einsatz seiner Mitarbeiter schlägt der Chef nicht auf den Preis auf.

Mittlerweile ist Material für 2500 Schutzvisiere in Bebra angekommen. Im Juni soll Kunststoff für 2500 weitere folgen. „Die Rückmeldung ist bisher sehr positiv“, sagt Markus Vockenroth, dessen Unternehmen in der vergangenen Woche die ersten 50 Masken an das Klinikum Hersfeld-Rotenburg geliefert hat – 150 weitere sollen folgen. (cig)

Kontakt: info@mal-effekt.de. Die Visiere werden nicht an Privatpersonen und nicht am Standort Wiesenweg verkauft.

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