Seit 2016 ist er Sportcoach in Bebra

Bebras Sportcoach für Flüchtlinge:"Es ist ruhiger geworden"

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Ist das Bindeglied zwischen Flüchtlingen und Vereinen: Bebras Sportcoach Fahan Khazarian. 

Bebra – „Wir machen eigentlich kein Krisenmanagement mehr“, sagt Fahan Khazarian. Seit 2016 setzt sich der gebürtige Syrer als Sportcoach der Stadt Bebra für Geflüchtete ein. 

Der Sportcoach Fahan Khazarian aus Bebra findet: "Es ist ruhiger geworden."

Für seinen Einsatz bekam der 48-Jährige jüngst eine Urkunde von Innenminister Peter Beuth, Bürgermeister Uwe Hassl lobte sein Bemühen um die neuen Bürger Bebras. „Ich kann schlecht Nein sagen“, kommentiert Fahan Khazarian sein Engagement trocken – auch wenn das bedeutet, dass sein Handy schon mal um 1 Uhr nachts klingelt, weil einer seiner Schützlinge ein Problem hat.

Schon vorher Geflüchteten geholfen

Schon bevor er Sportcoach in Bebra wurde, hat er Geflüchteten geholfen, vom Behördengang bis zur Arbeitssuche. Das hat auch mit seiner persönlichen Geschichte zu tun. Als Fahan Khazarian zehn Jahre alt war, holte der Vater die Familie – in ihrer multikulturellen Heimatstadt Kamischli im nordöstlichen Syrien Teil der christlichen armenischen Minderheit – nach Deutschland. Das ist beinahe 40 Jahre her, trotzdem weiß der Sport-coach noch, wie es ist, in einem fremden Land anzukommen. „Wir waren damals in einer noch viel unglücklicheren Lage“, sagt er und meint, dass die Hilfsbereitschaft für Neuankömmlinge noch nicht so groß war.

Die Bezeichnung Sport-coach ist etwas irreführend, denn Trainer war er nur lange im Bebraer Karateverein, bevor die Zeit zu knapp wurde.

Bindeglied zwischen Geflüchteten und Vereinen

Als Ehrenamtlicher ist er aber das Bindeglied zwischen Geflüchteten und Vereinen: Wer in der Eisenbahnerstadt ankommt und Lust auf Sport hat, dem vermittelt der 48-Jährige den Kontakt zum Verein in der Nähe – „sofern der Verein sich das überhaupt vorstellen kann.“ Etwa 25 Mal hat das in den drei Jahren geklappt. Khazarian ist beim ersten Gespräch, beim ersten Probetraining dabei. „Dann muss ich in der Regel nicht mehr mit“, sagt er, „außer es kommen Fragen auf.“ Hilfreich ist, dass der 48-Jährige acht Sprachen spricht: Arabisch, Armenisch, Türkisch, Aramäisch, Kurdisch, Englisch, Schulfranzösisch – „und etwas Deutsch“, sagt er und grinst breit.

Manchmal ist es für ihn allerdings schwierig, überhaupt erst an die Leute heranzukommen. Denn obwohl ein Sportcoach in der Kommune Voraussetzung für Fördergeld vom hessischen Innen- und Sportministerium ist (siehe Hintergrund), bleibt Fahan Khazarian auf Mund-zu-Mund-Propaganda angewiesen. „Keiner ist mir gegenüber auskunftspflichtig“, sagt der 48-Jährige.

Kontakt zu Neuankömmlingen unter anderem über Jugendzentrum

Der Kontakt zu Neuankömmlingen entstehe daher über Jugendzentren, Bekannte, das Rathaus in Bebra und manchmal auch einfach auf der Straße. „Aber ich kann nicht jeden mit schwarzen Haaren ansprechen, der mir dann im Zweifel sagt: Ich lebe seit 40 Jahren in Deutschland.“

Der Einsatz als Sportcoach hat sich in den vergangenen drei Jahren verändert: „Wir versuchen mittlerweile, auch eigene Wege zu gehen“, sagt Khazarian. Seit vergangenem Sommer bietet er ein regelmäßiges Treffen an, zunächst in der Großsporthalle, jetzt in der Bünberghalle. Jeden Donnerstag ab 20 Uhr wird dort gemacht, worauf die Teilnehmer Lust haben: „Hauptsache es ist Sport.“

Manchmal sind es vier, manchmal 25 Teilnehmer, einige gehen mittendrin nach Hause, wenn sie keine Lust mehr haben. Die Gruppe kommt denen entgegen, die sich in der strukturierten Vereinsumgebung nicht wohlfühlen. Sein Ziel will der Sportcoach trotzdem erreichen: „Sie sollen nicht in einer Parallelgesellschaft leben“, sagt Fahan Khazarian.

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