Bebras Stadtbibliothekar Ernst-August Volland geht in den Ruhestand

Abschied mit Wehmut: Nach 45 Jahren scheidet Ernst-August Volland zum Jahresende als Büchereileiter aus dem Amt. Foto: Eyert/nh

Bebra. Seit 45 Jahren leitet Ernst-August Volland die Bebraer Stadtbücherei. Zum Jahresende hört er auf.

„Irgendwann muss auch mal Schluss sein“, sagt der ehemalige Realschullehrer in der ihm eigenen nachdenklichen Art. „Schließlich will ich meine Bücherei noch aufrechten Gangs verlassen und nicht hinausgetragen werden“, ergänzt er schmunzelnd.

Als er vor genau 45 Jahren die Verantwortung für die Stadtbücherei übernahm, gehörten 5000 Bücher zum Bestand. Jetzt sind 10 000 Exemplare inventarisiert. Wohl geordnet präsentiert Volland sein Leseangebot in den lichtdurchfluteten Räumen im Erdgeschoss des alten Rathauses der Biberstadt. Fünfmal ist die Bücherei während der Amtszeit Vollands umgezogen. Stets sorgte Volland dafür, dass sich seine Stammleserschaft gleich wieder zurechtfand. Zweimal wöchentlich, dienstags und freitags zwischen 16 und 18 Uhr, ist die Bücherei noch bis zum Jahresende geöffnet.

Förder-Preis erhalten

Im Jahr 2005 erhielt Volland den Lese-Förder-Preis des Landes Hessen. In der Laudatio hieß es wörtlich: „Er (Volland, d. Red.) hat mit beispielhaftem Engagement einen wertvollen Beitrag zur Lesekultur in diesem Land geleistet.“

Volland macht keinen Hehl daraus, dass die Ausleihzahlen in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen sind. Waren es in den besten Zeiten 150 bis 200 Bücher, die in der Woche über den Tisch gingen, so sind es derzeit unter 50 Werke, die ausgeliehen werden. „Hier laufen uns Tablets und Smartphones wohl zunehmend den Rang ab“, zeigt Volland sich realistisch.

Etat nicht ausgereizt

Dennoch ist in Bebra noch immer nahezu die komplette Bestsellerliste zu haben. Dabei hat der Büchereichef seinen Etat in den letzten Jahren schon gar nicht mehr ausgereizt. „Man muss Geld nicht allein deshalb ausgeben, weil es zur Verfügung steht“, philosophiert der altgediente Pädagoge. Von der Stadt sei er immer bestens unterstützt worden, betont er ausdrücklich.

Etwas Abschiedswehmut ist bei Ernst-August Volland unverkennbar. „Ich hatte mein ganzes Leben lang mit Büchern zu tun. Sie haben bei mir immer eine große Rolle gespielt“, erklärt er seine ganz besondere Beziehung zu seinen Druckwerken.

Künftig soll die Stadtbücherei mit der Schulbibliothek der Brüder-Grimm-Grundschule an der Luisenstraße zusammengelegt werden. Dies haben Magistrat und Stadtverordnetenversammlung so beschlossen. Bebras Bürgermeister Uwe Hassl hatte mit einem Büchereiverein andere Vorstellungen. Gefragt, was er von den politischen Querelen zur Zukunft der Bücherei hält, gibt Volland sich diplomatisch: „Ich möchte in Frieden aus meiner Bücherei gehen“. Sagt’s, schmunzelt weise und schweigt auf Nachfragen.

Zur Person

Ernst August Volland wurde am 10. April 1934 in Breitenbach geboren. Das Abitur an der Alten Klosterschule in Bad Hersfeld machte er 1954. Danach studierte er Germanistik und evangelische Theologie, unter anderem in Marburg. Bus zu seiner Versetzung in den Ruhestand im Jahre 1998 war er Lehrer an der Gesamtschule Bebra. Er ist seit 1959 mit seiner Ehefrau Gerda verheiratet. Die beiden haben einen Sohn, eine Tochter sowie zwei Enkelinnen und zwei Enkel. (red/rey)

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