Streit um Brandrede von Markus Becker beigelegt

Ronshäuser Bürgermeister entschuldigt sich

Markus Becker (46, CDU), Bürgermeister von Ronshausen
+
2f93d234871f94e665c8b3ca1478e4833cd4429c.jpg

Der Streit um die Brandrede des Ronshäuser Bürgermeisters Markus Becker (CDU) ist beendet. Der Rathaus-Chef hat sich in der Gemeindevertretersitzung entschuldigt und eingelenkt.

Ronshausen - Markus Beckers Redemanuskript wird nun doch dem Sitzungsprotokoll beigefügt. Andernfalls wäre nur noch ein Gang vors Gericht infrage gekommen.

Becker hatte im März, zehn Tage vor der Kommunalwahl, SPD, WGR und FDP-Mann Thomas Wenderoth scharf kritisiert und auch persönlich angegriffen – wir berichteten. Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Petra Möller hatte unmittelbar nach dieser Parlamentssitzung unserer Zeitung gesagt, Becker habe damit gegen seine Verpflichtung zur Neutralität verstoßen. SPD, WGR und FDP forderten „zur politischen Würdigung und rechtlichen Wertung“ die schriftliche Herausgabe des Redetextes.

Einem entsprechenden Parlamentsbeschluss wollte Becker eigentlich in der Sitzung am Donnerstag widersprechen. Kurz vor der Sitzung änderte er dann aber seine Haltung, nach Vermittlungsgesprächen mit dem Parlamentsvorsitzenden Werner Zilch (SPD). Der Bürgermeister betonte, dass das Parlament große anstehende Aufgaben wie das neue Feuerwehrhaus nur gemeinsam angehen könne, wenn man sich offen und ehrlich in die Augen blicken könne – und nicht, wenn man sich im schlimmsten Fall vor Gericht treffe. Becker erklärte, wie es zu seiner emotionalen Rede gekommen war. Das vom SPD-Fraktionsvorsitzenden Matthias Tobi in seinem WhatsApp-Status veröffentlichte Meme, in dem die Comic-Figur Spongebob Schwammkopf den Ulfetaler Boten der CDU mit dem Gesicht des Bürgermeisters auf dem Titel ins Feuer wirft, habe ihn Nächte lang nicht ruhig schlafen lassen. „Mein Gedanke war: Ich sollte verbrannt werden.“ So sei er an einigen Stellen seiner Rede „über das Erlaubte hinausgeschossen“. Mit Blick in den Saal sagte er: „Das tut mir leid. Wenn ich jemanden in seiner Ehre verletzt habe, möchte ich mich dafür entschuldigen. Ich werde noch mehr auf eine sachliche und unparteiische Ausübung meines Amtes achten.“

Er sei allerdings „etwas betrübt“, dass er noch keine persönliche Entschuldigung erhalten habe, ohne Tobi namentlich zu nennen. Mit dem SPD-Mann, der auch Feuerwehr-Vorsitzender ist, hat er ständig zu tun. Tobi und auch Petra Möller hatten sich im März in einem Artikel unserer Zeitung entschuldigt. Becker betonte, seine Tür sei trotz Corona stets geöffnet. Nun wünsche er sich, dass die Sache zu den Akten gelegt werden könne und man wieder gemeinsam an einem Strang ziehe. In der Ausschusssitzung Anfang der Woche hatten SPD und WGR klargemacht, dass sie nicht von ihrer Forderung abweichen würden, dass das Redemanuskript dem Protokoll beigefügt wird. Becker hatte argumentiert, dass im Parlament das gesprochene Wort gelte.

WGR-Fraktionsvorsitzender Reinhard Brandau sagte nach Beckers Entschuldigung: „Was dem Bürgermeister passiert ist, hätte auch anderen passieren können. Es sollte aber nicht passieren. Ich habe Respekt vor dem, was der Bürgermeister jetzt gesagt hat. Natürlich bieten wir unsere Zusammenarbeit an.“

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Markus Hempel dankte Becker für seine versöhnlichen Worte. Es zeige Größe, Fehler einzugestehen, wenn man über das Ziel hinausgeschossen sei. Dem schloss sich auch Petra Möller von der SPD an. „Danke für die Worte. Es gehört auch etwas dazu, sich zu entschuldigen.“ Außerdem wolle sie betonen, dass wenn Becker sich in seiner Ehre verletzt fühle, „unsere Entschuldigung hiermit auch vorliegt“.

Von der SPD hieß es gegenüber unserer Zeitung, dass man nach Beckers Einlenken die Angelegenheit als erledigt betrachte.

Von Christopher Ziermann

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.