Mit der Axt bedroht: Krieg über den Gartenzaun landet vor Gericht

Bad Hersfeld. Seit Jahren schwelt ein Streit zwischen zwei Nachbarn vom Bad Hersfelder Marktplatz. Nach einer angeblichen Axtattacke landete die Fehde nun vor Gericht.

„Ich weiß nicht, wem ich hier glauben soll“, sagte Richterin Silvia Reidt nach einer Stunde Hin und Her im Prozess um einem Nachbarschaftsstreit. Der hatte eine Anklage wegen Körperverletzung, versuchter gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung zur Folge gehabt. Auch Oberamtsanwalt Gerhard Wittich meinte, man könne „den Leuten nicht hinter die Stirn gucken“ und war mit einer Einstellung des Verfahrens auf Kosten der Staatskasse einverstanden.

Werner Z. (68), der Angeklagte, ist in Bad Hersfeld stadtbekannt. Als Bierbrauer vom Marktplatz, als Weihnachtsbaumverkäufer und ehemaliger Stadtpolitiker. Und dafür, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt. Im Juli vor zwei Jahren soll Werner Z. jedoch nicht nur verbal ausfällig geworden sein, sondern auch gewalttätig.

Mit Axt bedroht 

Angeblich hatte Z. einen Nachbarn, mit dem er seit mehreren Jahren im Clinch liegt, vor dessen Haustür in der Uffhäuser Straße mit erhobener Axt bedroht und mit undruckbaren Schimpfwörtern als Pädophilen bezeichnet. Nur ein flugs gezücktes Cuttermesser habe Z. bremsen können. Vorausgegangen war kurze Zeit vorher eine handgreifliche Auseinandersetzung am Linggplatz, wo Z. getreten und geschlagen haben soll, nachdem er von seinem Widersacher angespuckt worden war.

Klaus S. (72), ein ehemaliger Kriminalbeamter, schilderte der Richterin wortreich sein Martyrium. Seit 2006 werde er von Z. immer wieder grundlos beschimpft und bedroht, oft über den Gartenzaun von Balkon zu Terrasse. Allerdings nicht, wenn Z.’s Ehefrau zugegen sei. „Dann ist er brav wie ein Lämmchen“. Die Strafanzeigen, mit denen er sich zur Wehr setzte, hätten jedoch nichts bewirkt. Jedesmal wurde das Verfahren eingestellt.

Öffentlich beleidigt 

Klaus S. ist allerdings auch nicht ganz ohne. Vor vier Jahren machte er seinem Ärger in einem öffentlich gewordenen Schreiben an einen Fraktionskollegen von Z. Luft, in dem er seinen Nachbarn einen „mehrfachen Straftäter“ und „Psychopathen“ nannte, nebenher städtische Bedienstete als Schmiergeldempfänger beleidigte und die örtliche Gerichtsbarkeit der Mauschelei bezichtigte.

Auch mit anderen Nachbarn läge Z. vehement im Streit, sagte S. am Dienstag zur Bekräftigung. Dumm nur, dass es weder für das Gekabbel am Morgen, noch für die Auseinandersetzung an der Haustür greifbare Zeugen gab.

Rechtsanwalt Michael Bock, der den schweigenden Z. verteidigte, hatte zudem argumentiert, dass S. mit der Vielzahl seiner Anzeigen die Justiz für seine privaten Fehden instrumentalisiere.

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