Notärztin Dr. Anette Richter gibt Tipps zur Eiseskälte

Hersfelder Medizinerin: „Bei diesen Minusgraden sind Erfrierungen möglich“

Kennt sich mit Kälte aus: Dr. Anette Richter ist ärztliche Leiterin der Zentralen Notaufnahme im Klinikum Hersfeld-Rotenburg.
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Kennt sich mit Kälte aus: Dr. Anette Richter ist ärztliche Leiterin der Zentralen Notaufnahme im Klinikum Hersfeld-Rotenburg.

Die eisige Kälte mit für unsere Breitengrade ungewohnten Minusgraden von bis zu 20 Grad behindern nicht nur den Verkehr, sondern sie bergen auch Gefahren für die Gesundheit.

Hersfeld-Rotenburg - Gerade Menschen mit Vorerkrankungen wie etwa Herz-Kreislauf-Beschwerden oder Atemwegsleiden müssen jetzt ganz besonders vorsichtig sein, rät Notärztin Dr. Anette Richter, die seit sieben Monaten die Notaufnahme des Klinikums leitet.

„Bei großer Kälte ziehen sich die Gefäße zusammen, dabei verengen sich auch die Herz-Kranz-Gefäße“, sagt die Fachärztin für Kardiologie und Innere Medizin. Wenn dazu Anstrengung kommt – etwa beim Schneeschippen oder beim Sport – dann sind besonders Herzpatienten gefährdet. „Ich hatte sogar schon junge Männer als Patienten, die beim Schneeschippen einen Herzinfarkt erlitten haben“, berichtet sie.

Dr. Richter rät deshalb vor allem medizinisch vorbelasteten Menschen dazu, anstrengende Arbeiten in der Kälte zu vermeiden oder es zumindest langsam angehen zu lassen. Das betreffe Männer und Frauen gleichermaßen, wobei allerdings Männer häufiger an Herz- und Kreislaufproblemen leiden. Wer Medikamente wie Nitro- oder Asthmaspray benötigt, der sollte sie gerade jetzt immer griffbereit haben.

Außerdem steigt bei Schnee und Eis auf glatten Straßen die Sturzgefahr – vor allem für ältere Menschen, die ohnehin meist schon etwas unsicherer unterwegs sind. „Gehen Sie nur raus, wenn es unbedingt sein muss“, rät sie deshalb, zumal Knochenbrüche bei betagteren Patienten oftmals nicht mehr so gut verheilen.

Auch für die Atemwege stellt kalte und trockene Winterluft eine besondere Herausforderung dar. „Es gibt sogar durch Kälte ausgelöstes Asthma“, erklärt die Ärztin, denn auch die Atemwege verengen sich in der eisigen Luft. Sie rät empfindlichen Menschen dazu, bei diesen Temperaturen einen Schal vor dem Mund zu tragen. Auch die derzeit fast allgegenwärtige Mund-Nasen-Schutzmaske könne helfen, wobei diese oftmals die Atmung zusätzlich einschränkt. „Sinnvoll ist es, bei Bewegung in kalter Luft, durch die Nase ein- und durch den Mund auszuatmen“, sagt die Fachärztin.

Trotzdem rät sie nicht generell vom Sport ab. „Bewegung ist immer etwas Gutes, aber man sollte das Trainingspensum etwas zurückfahren“, meint Dr. Richter. Wer draußen unterwegs ist, sollte zudem auf die richtige Kleidung achten. „Bei den derzeitigen Minusgraden sind Erfrierung möglich“, warnt sie. Neben Handschuhen und warmer Fußbekleidung sei eine Mütze sinnvoll – ebenso wie eine Kälteschutzcreme für die Nase. Ähnlich wie beim Sonnenbrand gebe es verschiedene Stadien der Erfrierungen. „Hier frieren zwar nicht gleich Hände oder Füße ab, aber vorsichtig muss man schon sein.“

Und noch einen guten Rat hat die Notärztin: „Wenn Sie gesundheitliche Beschwerden haben und ins Krankenhaus müssen, dann fahren Sie rechtzeitig los.“ Bei den derzeitigen Verkehrsbedingungen kann die vermeintlich kurze Fahrt ins Klinikum oft zu lange dauern.

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