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Vergessene Orte: Tankstelle und Raststätte Auatal steht trotz guter Lage leer

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Von: Christine Zacharias

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Hier klappert nur noch die Werkstatttür im Wind: Früher war so manch Reisender froh, wenn ihm schnell geholfen werden konnte. Auch Einheimische schätzten die kleine Werkstatt.
Hier klappert nur noch die Werkstatttür im Wind: Früher war so manch Reisender froh, wenn ihm schnell geholfen werden konnte. Auch Einheimische schätzten die kleine Werkstatt. © Christine Zacharias

In unserer Serie besuchen wir „Lost Places“, vergessene oder verlorene Orte, und erinnern an ihre oft wechselvolle Geschichte. Heute: Die Tank- und Rastanlage Auatal.

Aua – Diesen Ort hat sich die Natur schon teilweise zurückgeholt. Wer auf der Landstraße daran vorbeifährt, sieht das marode Gebäude zwischen Bäumen und Büschen kaum noch. Die ehemalige Raststätte Auatal mit Fremdenzimmern und der danebenliegenden Tankstelle mit Werkstatt steht seit Jahrzehnten leer.

Früher gab es hier Stärkung für Reisende – Benzin und Diesel für die Fahrzeuge in einer BP-Tankstelle, herzhafte Hausmannskost für deren Fahrer und Insassen. Und hatte ein Fahrzeug einen Defekt, konnte direkt neben der Tankstelle so manches Problem sofort gelöst werden.

Die alten Schalt- und Sicherungskästen.
Die alten Schalt- und Sicherungskästen. © Christine Zacharias

Der Standort war gut gewählt. Der Bau der Autobahn 7, die heute von der dänischen Grenze bis zur österreichischen Grenze führt und mit 962 Kilometern die längste deutsche Fernstraße ist, hatte 1934 bei Göttingen begonnen.

Im Juli 1938 wurde das Teilstück Homberg/Efze Aua eröffnet, von hier führte die Autobahn weiter nach Alsfeld und Gießen. Wer also mit Auto oder Lkw in Richtung Würzburg weiterfahren wollte, der musste die Autobahn bei Aua verlassen und dann über die Bundesstraße 324 nach Hersfeld und weiter auf der B 27 über die Rhön nach Würzburg zockeln.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Autobahnbau eingestellt, erst im Juli 1968 war dann endlich die Rhönautobahn Richtung Süden fertig. In der Zwischenzeit kamen also viele Fahrzeuge mit hungrigen, durstigen Insassen und Tanks, die gefüllt werden wollten, in Aua vorbei und viele nutzen die Gelegenheit zu einem Zwischenstopp oder auch einer Übernachtung, erinnert sich Gottfried Söllner, der letzte Betreiber der Gaststätte.

Die Werkstatt sei seit 1957 in Betrieb gewesen, sie wurde 1972 geschlossen. Anfang der 1960er Jahre sei dann das Gasthaus gebaut worden. Kurz zuvor war das Werkstattgebäude aufgestockt und um eine Wohnung ergänzt worden. Die Tankstelle war bis 1985 in Betrieb, die Gaststätte bis 1988. „Man hatte sein Auskommen“, erzählt Gottfried Söllner. Dann jedoch seien größere Investitionen nötig und wegen Erbstreitigkeiten nicht möglich gewesen. Seit mehr als 30 Jahren steht das Gebäude nun also leer.

Dabei habe es durchaus immer wieder einmal Interessenten und potenzielle Investoren gegeben, erinnert sich der ehemalige Bürgermeister Walter Glänzer.

Auch das Glas der Eingangstür ist zerstört.
Auch das Glas der Eingangstür ist zerstört. © Christine Zacharias

Auch die Gemeinde habe mehrere Anläufe unternommen, um das Gebäude beziehungsweise das Grundstück zu übernehmen. Im Zuge der Dorfentwicklung ist das Gelände ebenfalls Thema. Altbürgermeister Glänzer könnte sich da zum Beispiel ein ärztliches Versorgungszentrum vorstellen. Auch das DRK habe Interesse daran gezeigt für seine Rettungswache. Welche Altlasten im Boden des Tankstellengeländes schlummern, weiß allerdings niemand. Die unterirdischen Tanks seien gesandet worden, weiß Glänzer.

Das Gelände ist zwar durch einen Zaun provisorisch gesichert, doch der ist eher symbolisch. Vandalen haben überall ihre Spuren hinterlassen, fast alle Scheiben sind eingeschlagen worden. In der früheren Gastwirtschaft hängt die Tapete von den Wänden. (Christine Zacharias)

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