Bereit für alle Krisen: Katastrophenschützer Thorsten Bloß im Interview

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Ein großes Zuständigkeitsgebiet: Thorsten Bloß ist der neue oberste Katastrophenschützer des Kreises. Er selbst kommt quasi aus der Mitte von Hersfeld-Rotenburg, nämlich aus Bebra.

Hersfeld-Rotenburg. Seit Anfang August ist Thorsten Bloß der oberste Katastrophenschützer des Kreises. Hinter vorgehaltener Hand gibt es aber in Feuerwehrkreisen Kritik an dieser Personalentscheidung. Mit Thorsten Bloß sprach Kai A. Struthoff.

Herr Bloß, der unverstellte Blick des Neuen ist oft wertvoll. Was ist Ihnen in den ersten Tagen im Amt aufgefallen?

Thorsten Bloß: Wir haben sehr gute Mitarbeiter, die auch in der Zeit der personellen Vakanz alles im Griff hatten. Natürlich gibt es aber trotzdem Dinge, die aufgeschoben wurden, weil man ja wusste, dass ein Neuer kommt. Wir müssen einige neue Vorgaben des Landes umsetzen.

Hinzu kommt der vorbeugende Brandschutz, den wir von der Stadt Bad Hersfeld übernommen haben.

Sehr wichtig ist mir auch der Rettungsdienst im Landkreis, denn der gehört zur Daseinsvorsorge. Dabei wünsche ich mir eine stärkere Vereinheitlichung, etwa der Fortbildungen, der Ausstattung oder des Qualitätsmanagements.

In anderen Kreisen wird das Amt des obersten Katastrophenschützers in Personalunion vom Kreisbrandinspektor geführt. Warum leisten wir uns hier eine Doppelbesetzung?

Bloß: Wir haben eigentlich keine Doppelsetzung. Für den Brandschutz sind Kreisbrandinspektorin Tanja Dittmar und Martin Orf zuständig, für den Rettungsdienst Elke Hildebrand und jetzt ich, der ich auch noch die Leitung des Amts habe. Die Aufgaben ruhen also auf zwei kompetenten Säulen.

Aber wir reden immer über eine schlanke Verwaltung, warum brauchen wir da zwei Säulen, wenn woanders doch auch eine Säule trägt?

Bloß: Dort, wo der Kreisbrandinspektor die Amtsleitung übernommen hat, braucht es trotzdem Sachbearbeiter und Stellvertreter für die einzelnen Aufgabenbereiche. Weniger Personal ist dort deshalb also auch nicht im Einsatz.

Und die Entscheidung, dass die Kreisbrandinspektorin nicht auch Amtsleiterin ist, die hat der Kreisausschuss getroffen.

Aber an eben dieser Entscheidung hören wir Kritik – speziell aus Feuerwehrkreisen. Es heißt, Ihnen, Herr Bloß, fehle die Feuerwehr-Kompetenz und auch der nötige Stallgeruch.

Bloß:Das ist für mich kein Problem. Ich habe keine Berührungsängste mit der Feuerwehr. Fachlich sind wir mit Tanja Dittmar und Martin Orf bestens aufgestellt.

Ich finde nicht, dass der Amtsleiter jedes Problem in der Tiefe selbst bearbeiten muss, aber er sollte in der Lage sein, es zu bewerten.

Muss man aber als Führungskraft in der Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen deren hundertprozentige Akzeptanz besitzen?

Bloß: Ja, aber die kann man auch genießen, ohne selbst Feuerwehrmann zu sein. Ich weiß, dass viele erwartet haben, dass der Amtsleiter aus den Kreisen der Feuerwehr kommt. Aber der Kreisausschuss hat das anders entschieden.

Auch mein Vorgänger Dieter Pfaff kam ja nicht aus der Feuerwehr, sondern aus der Verwaltung. Außerdem komme ich ja aus dem Rettungsdienst und kenne daher die Materie.

Vor einigen Jahren haben Sie erfolglos gegen Frau Künholz als 1. Kreisbeigeordneter kandidiert. Nun sind Sie als oberster Katastrophenschützer ins Landratsamt gekommen. Was sagen Sie all jenen, die glauben, hier sei ein treuer CDU-Parteifreund belohnt worden?

Bloß: Ich bin immer ein Verfechter davon gewesen, dass man nicht über eine bestimmte Parteizugehörigkeit in ein Amt kommt. Aber ich bin auch dagegen, dass man wegen einer bestimmten Parteizugehörigkeit keine Berücksichtigung findet. Ich habe mich einem fairen und aufwendigen Auswahlverfahren unterworfen, und ich fühle mich gut dabei, wie das gelaufen ist.

Der Feuerwehr fällt es vor allem tagsüber immer schwerer, genügend Kameraden für die Einsätze zusammenzubekommen. Brauchen wir nicht doch früher oder später eine Berufsfeuerwehr?

Bloß:Das wäre der Supergau für die Städte und Gemeinden, die das bezahlen müssten. Aber bislang sehe ich dieses Problem bei uns nicht. Die Gemeinden unterstützen die Wehren, wo es geht – zum Beispiel auch durch die Mitarbeiter bei den Bauhöfen, die meist auch Feuerwehrleute sind. Auch das Ehrenamt ist bei uns tief verwurzelt. Ich glaube daher nicht, dass ich in meinem Berufsleben noch die Einführung einer Berufsfeuerwehr erleben werde.

Es gibt noch weitere Baustellen für Sie: Der vorbeugende Brandschutz in Bad Hersfeld muss organisiert werden, die Leitstelle leidet unter Personalmangel und der Hessentag steht bevor.

Bloß: In Bad Hersfeld haben wir schon die ersten Brandschauen gemacht, bis zum Ende des Jahres haben wir dort ein vernünftiges Konzept. Wir werden dazu eigens eine halbe neue Personalstelle schaffen. Der Personalmangel in der Leitstelle ist in der Tat ein Problem, aber wir arbeiten dabei gut mit den Rettungsdiensten zusammen.

Wir haben dort gerade einen Bewerber eingestellt, der am 1. September beginnt und die Leitstelle verstärkt.

Und der Hessentag?

Bloß: Der ist eine große Herausforderung. Ich würde mir wünschen, dass wir schon jetzt stärker in die Planungen einbezogen würden. Aber ich glaube, auch dafür sind wir gut aufgestellt, und wir haben ja auch noch zwei Jahre Zeit, um uns vorzubereiten.

Andere Städte, Gemeinden und Landkreise haben das ja auch hingekriegt.

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