Prüfwert für Arsen um das 2,3-fache überschritten

Zwei weitere Grundstücke in Richelsdorf sollen auf Arsen untersucht werden

Die Weihe fließt mitten durch Richelsdorf: Der Bach hat die Schadstoffe schon vor Jahren vom Betriebsgelände der Richelsdorfer Hütte in den Ort geschwemmt. Seit 1992 sorgt eine Wasseraufbereitungsanlage auf dem Betriebsgelände dafür, dass keine Schadstoffe mehr ins Grundwasser gelangen. Die Weihe wurde damals von der Schadstoff-Halde und dem Betriebsgelände weg verlegt. Foto: Dupont

Richelsdorf. 17 weitere Grundstücke wurden in Richelsdorf auf eine Belastung mit Schwermetallen hin untersucht. Dabei sind nur auf einem Grundstück erhöhte Arsen-Werte festgestellt worden.

Die Bohrungen haben ergeben, dass auf einem privaten Grundstück der Prüfwert für Arsen um das 2,3-fache überschritten wird.

Die Überschreitung liegt aber nur für den Fall vor, dass das zurzeit nicht genutzte Grundstück als Wohngrundstück verwendet wird. Für ungenutzte Grundstücke gelten andere Prüfwerte. Das teilte Zrinko Rezic von der Hessischen Industriemüll GmbH (HIM) mit, die im Auftrag des Landes für die Sanierung von Altlasten zuständig ist.

Untersucht worden waren in dieser zweiten Phase zehn private Grundstücke, sechs der Gemeinde sowie ein Grundstück des Landes.

Der Wildecker Ortsteil Richelsdorf kämpft Jahrzehnte nach der Schließung mit den Altlasten aus dem Bergbau der Richelsdorfer Hütte und der Deckweiß-Produktion. Der Bach Weihe hat die Schadstoffe von dem Betriebsgelände der Richelsdorfer Hütte bis in den Ort geschwemmt. Das Betriebsgelände liegt etwa 750 Meter vom westlichen Ortsrand entfernt.

Rezic sprach von einer mittelschweren Überschreitung des Arsen-Prüfwertes auf dem einen Grundstück. „Auf den anderen Grundstücken waren die Werte unauffällig“, betonte er. Alle untersuchten Grundstücke liegen an der Weihe.

Da das belastete Grundstück aber relativ am Ende des Untersuchungsbereichs liegt, sollen in Kürze noch zwei angrenzende öffentliche Flächen überprüft werden. Das wird nur wenige Tage dauern. Damit gehen die Untersuchungen vom westlichen Ortsrand bis hinter den Kindergarten - das ist etwa ein Drittel in den Ort hinein.

In einer ersten Phase waren 14 private Grundstücke untersucht worden. Bei knapp der Hälfte hatte sich eine Überschreitung der Prüfwerte ergeben - vor allem bei Arsen, aber auch bei Nickel.

In der kommenden Woche will das Land außerdem vier neue Grundwasser-Messstellen im Dorf einrichten - alle auf öffentlichen Flächen. Damit gehen die Experten einen zweiten wichtigen Schritt zur Untersuchung des Bereichs. Durch die Bodenproben wird der Pfad vom Boden zum Menschen untersucht. Die Grundwasser-Messstellen sollen Erkenntnisse bringen über den Pfad vom Boden zum Grundwasser. Dabei soll geklärt werden, ob Schwermetalle vom Boden in das Grundwasser ausgewaschen worden sind. „Es liegt nahe, dass dies geschehen ist. Die Untersuchungen sollen Sicherheit bringen“, erläuterte Rezic. Das Potenzial an Schadstoffen im Weihebachtal zwischen dem Betriebsgelände und dem Ort sei erheblich. Ziel ist eine ganzheitliche Sanierung.

Seit vielen Jahren schon sind die Dorfbewohner aufgerufen, das Wasser der Weihe nicht zu Trinken oder zum Gießen zu verwenden. Auch angebautes Obst oder Gemüse sollen sie zurzeit nicht mehr essen, bis geklärt ist, welche Form des Arsens gefunden wurde und wie es von den Pflanzen und vom Menschen aufgenommen wird. „Wenn die Ergebnisse vorliegen, werden wir den betroffenen Anwohnern auch noch konkretere Tipps geben“, betonte Rezic.

Im Sommer sollen betroffene Anwohner die Möglichkeit erhalten, auf freiwilliger Basis Urinproben abzugeben, um zu klären, ob sich Arsen in ihrem Körper angereichert hat.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.