Sternmarsch zum Thüringer Zipfel: Erinnerungen wurden wach

Rotenburg. Es herrscht eine ganz besondere Atmosphäre am Mittwochabend am Schwarzen Weg in Obersuhl: viele Menschen, Fackeln, Blasmusik, die im Halbdunkel schwingenden Deutschlandfahnen.

Einige Hundert sind nach Obersuhl gekommen, um sich am Sternmarsch zum Thüringer Zipfel zu beteiligen.

Dort, auf dem weitläufigen Parkplatzgelände, werden sie mit fast 2000 weiteren zusammentreffen, die sich von Gerstungen, Berka und Richelsdorf aus in Bewegung gesetzt haben.

Überall in Deutschland wurden in den vergangenen Tagen Mauerfall und Grenzöffnung vor 25 Jahren gefeiert, aber nicht überall berührten die Ereignisse die Menschen so persönlich wie hier, wo sie ganz nah beieinander wohnten und doch getrennt waren.

Ein älterer Herr aus Obersuhl, Teilnehmer am Sternmarsch, erinnert sich zurück an den 12. November vor 25 Jahren. Gegen Mittag passierten die ersten Bewohner der DDR die Grenze. Es war ein viel kälterer Tag als heute. In den Jahren zuvor hatten die Obersuhler auf der anderen Seite der Grenze nur Grenzsoldaten gesehen, erinnert sich der Mann. Um ihre Verwandten zu treffen, besorgten sich die Obersuhler ein Visum und verabredeten sich in Eisenach.

Moritz Gießler aus Obersuhl ist erst 14, aber die Geschichte der deutschen Teilung berührt ihn so, dass er den Tag der Grenzöffnung unbedingt gebührend feiern will. Gestern noch hat er sich für acht Euro eine große Deutschland-Fahne gekauft, mit der er den Zug anführt.

Bald strömen die Menschen am Thüringer Zipfel zusammen. Bürgermeister und Landräte erinnern an die entscheidenden Tage vor 25 Jahren, Bläsergruppen aus verschiedenen Orten spielen gemeinsam die Nationalhymne. Moritz Gießler und seine Freunde suchen die Nähe des riesigen Holzfeuers auf dem Gelände. „Die Geschichte darf nicht in Vergessenheit geraten“, sagt Moritz.

Von Achim Meyer

Fotos vom Sternmarsch

Sternmarsch in Obersuhl

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