Mangel an Fachkräften, weniger Vollzeitschüler

Berufliche Schulen haben 157 Schüler weniger

Hersfeld-Rotenburg. Einen Rückgang der Schülerzahlen um gut zwei Prozent (157 Schüler) verzeichnen die Beruflichen Schulen (BS) im Schulamtsbezirk, zu dem die beiden Kreise Hersfeld-Rotenburg und Werra-Meißner gehören. Vier Schulen haben in diesem Schuljahr weniger Schüler als zuvor.

Einen größeren Einbruch gab es mit knapp elf Prozent (-97) in der Beruflichen Abteilung der Modellschule Obersberg (MSO) in Bad Hersfeld, wo nur kaufmännische Berufe unterrichtet werden. Die BS in Witzenhausen sind die einzigen mit einem leichten Gewinn von zwölf Schülern (1,1 Prozent). Das erklärten die Leiterin des Staatlichen Schulamts in Bebra, Anita Hofmann, und der zuständige Dezernent Dirk Beulshausen.

An der MSO haben vor allem die Fachschulen verloren, in denen sich die Schüler in Teilzeit oder Vollzeit beruflich weiterbilden können. Dies führt Beulshausen teilweise auf den Fachkräftemangel zurück, der Weiterbildung weniger attraktiv mache.

Eine Ausnahme ist die Berufsfachschule in Witzenhausen, die einen starken Zustrom verzeichnet. Grund ist vermutlich die gute Zusammenarbeit mit der benachbarten Mittelstufenschule. Entsprechend gibt es mehr Schüler in der dualen Ausbildung (+93) und weniger in Vollzeitschulformen (-203) in Hersfeld-Rotenburg, Werra-Meißner zählt aber 15 Teilzeit-Berufsschüler weniger.

Groß- und Einzelhändler sowie Industriekaufleute werden weniger ausgebildet, dafür stiegen die Zahlen in der Gastronomie und in den gewerblich-technischen Berufen.

Gesunken sind die Schülerzahlen in den Fachoberschulen und im Beruflichen Gymnasium (BG) in Bebra, wo fast 20 Prozent (57) weniger Schüler gezählt worden sind. Im BG Eschwege dagegen verzeichnet man einen Zuwachs von sechs Prozent – 18 Schüler mehr als 2016/17.

Hintergrund

Erzieherinnen weiter gesucht

Obwohl die Kitas händeringend Nachwuchs suchen, geht die Zahl der Interessenten für die Fachschule in Heimboldshausen (Sozialassistenten/Erzieher) stark zurück. Dies sei bedauerlich, so sind sich Anita Hofmann und Dirk Beulshausen vom Staatlichen Schulamt einig. Die Schule habe Kapazitäten frei, insbesondere in der Klasse für Sozialassistenten, die oft vor der Erzieherausbildung absolviert wird. Ein Grund könnte sein, dass Interessenten den Weg scheuen und die Angebote in Hünfeld und Melsungen wahrnehmen. Der Kreistag hatte kürzlich nach Protesten beschlossen, die Erzieherausbildung in Heimboldshausen zu belassen und nicht nach Bad Hersfeld zu verlagern. (ank)

Sprachförderung weniger gefragt

Die Sprachförderung an den Beruflichen Schulen wird zurückgefahren, weil inzwischen wesentlich weniger junge Frauen und Männer ohne Sprachkenntnisse nach Deutschland kommen. Gegenüber dem vorigen Schuljahr ist die Zahl der Schüler in den Intensivklassen zur Sprachförderung (InteA = Integration und Abschluss) in Hersfeld-Rotenburg um 28 auf nun 72 Schüler gesunken, in Werra-Meißner um 25 auf nunmehr 86 Schüler.

 Die Sprachförderung läuft über zwei bis drei Jahre, erklärte der für die Beruflichen Schulen zuständige Dezernent im Staatlichen Schulamt, Dirk Beulshausen. Aufgrund der sinkenden Schülerzahl werde es künftig wahrscheinlich nicht mehr an allen Beruflichen Schulen ein InteA-Angebot geben. 

Zurzeit läuft pro Schule in je zwei bis drei Klassen das InteA-Sprachförderprogramm mit sozialpädagogischer Betreuung. Einige Schüler erwerben mit dem Sprachdiplom auch den Hauptschulabschluss. Ziel sei es, die jungen Leute ab Mai für das restliche Schuljahr in Praktika zu vermitteln und danach in Ausbildung zu bringen. 

Die Beruflichen Schulen in Bebra bieten ab Ostern im Zuge eines Pilotprojektes an insgesamt 26 hessischen Schulen zusätzlich vier Stunden Unterricht in der Fachsprache Bautechnik an. Das Pilotprojekt solle später auf alle Berufsbereiche ausgeweitet werden, sagten Beulshausen und Schulamtsleiterin Anita Hofmann.

Über 6500 Schüler 

Genau 6535 Schüler besuchten zum Stichtag im November 2017 die Beruflichen Schulen im Bereich des Staatlichen Schulamts Bebra. Im Kreis Hersfeld-Rotenburg sind das 3975 Schüler und 3,5 Prozent (-142) weniger, im Werra-Meißner-Kreis 2560 und nur 15 weniger.

Hersfeld-Rotenburg

 Die Zahl der Vollzeitschüler an den Beruflichen Schulen sinkt in Bebra (-67) und in Bad Hersfeld (-71) ebenso wie an der Modellschule Obersberg (MSO Berufliche Abteilung/-65). Hier sinkt auch die Zahl der Teilzeitschüler um 32, während in den BS Bad Hersfeld (+35) und in Bebra (+58) dagegen mehr Teilzeitschüler gezählt worden sind.

Werra-Meißner 

Die Zahl der Schüler an den Beruflichen Schulen in Witzenhausen ist nahezu stabil, in Eschwege gibt es im Vergleich in Teilzeit und Vollzeit 27 Schüler weniger.

Hintergrund

Standorte sind sicher

Trotz teilweise rückläufiger Schülerzahlen ist die Teilzeit-Berufsschule in keinem Beruf gefährdet. Das erklärten die Verantwortlichen beim Staatlichen Schulamt. Zum vergangenen Schuljahr führte die sinkende Zahl von Bäcker- und Fleischer-Azubis dazu, dass die neun künftigen Fleischer der Region jetzt in Bad Hersfeld zur Schule gehen, die rund 20 Bäcker alle in Fulda beschult werden. Diese Zahlen seien jetzt stabil, erklärte die Leiterin Anita Hofmann und Dezernent Dirk Beulshausen. Die Auszubildenden hätten zwar weitere Wege, aber Wirtschaftlichkeit und Qualität seien gesichert. Nun müssten alle Akteure dafür sorgen, dass die Zahlen stabil bleiben.

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