Beschlüsse trotz Bedenken

Bad Hersfelder Parlament bringt wichtige Projekte auf den Weg

Holzfällersteaks im Blockhaus: So soll das neue Restaurant „Timberjacks“ auf dem Gelände der ehemaligen Autozentrale aussehen. Entwurf: Architekturbüro Dorbritz
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Holzfällersteaks im Blockhaus: So soll das neue Restaurant „Timberjacks“ auf dem Gelände der ehemaligen Autozentrale aussehen. Entwurf: Architekturbüro Dorbritz

Bad Hersfeld – Mit Bauchschmerzen und viel Kritik am Agieren von Bürgermeister Thomas Fehling und der Verwaltung hat das Stadtparlament am Donnerstagabend grünes Licht für das Wever-Projekt gegeben.

Bad Hersfeld - Wie berichtet war in zähen Verhandlungen erreicht worden, dass die Hersfelder Kleiderwerke in den Helfersgrund umziehen. Das kommt die Stadt teuer zu stehen – um genau zu sein mindestens zwei Millionen Euro teurer (wir berichteten ausführlich). Bürgermeister Fehling hatte noch einmal eindringlich um Zustimmung geworben: „Es ist eine Minute vor 12, und auch die letzten 60 Sekunden bleiben spannend“. Das ärgerte Andrea Zietz von den Grünen: „Wieder ein Projekt, bei dem wir scheinbar alternativlos und mit der zeitlichen Pistole auf der Brust entscheiden sollen“. Sie kritisierte falsche Kostenprognosen und „Häppchen-Informationen“ und verspürte „Unbehagen statt Freude“, über ein nun hoffentlich glückliches Ende des Tauziehens um das Wever-Gelände.

Auch SPD-Chef Karsten Vollmar warnte vor großen Herausforderungen angesichts der „hohen Projektlast“, wenngleich der „städteplanerische Gewinn unbestritten“ sei.

Bernd Böhle von der FDP wollte indes diesen Pessimismus nicht teilen. „Kritisieren können alle“, sagte Böhle, er warte statt dessen auf bessere Gegenvorschläge. Letztlich votierten alle Fraktionen einstimmig für das Wever-Projekt, wohl in der Hoffnung die Lars Ullrich von der CDU formulierte, dass es eine „weitere positive Entwicklung“ geben wird.

Ohne weitere Aussprache und ebenfalls einstimmig wurde die geplante Umgestaltung der ehemaligen Auto-Zentrale auf den Weg gebracht. Wie berichtet will dort der VR-Bankverein ein Apartment-Hotel und ein Steak-Restaurant errichten.

Nicht locker lassen wollte Michael Barth von der FWG und erneuerte auch im Stadtparlament seine Kritik an der Neuregelung der Pacht- und Mietverträge für Sportvereine (wir berichten). In einem Änderungsantrag schlug die FWG vor, dass die Fixkosten wie Grundsteuer und Versicherungen weiter von der Stadt getragen werden sollen, wohingegen die Betriebskosten bei den Vereinen liegen. Die vorgeschlagene Neuregelung gebe den Vereinen Geld in die eine Tasche und nehme es aus der anderen. „Das empfinden wir als unredlich“, so die FWG.

Gegen diesen Vorwurf wehrte sich SPD-Chef Vollmar entschieden. „Wir sind nicht unredlich, sondern glaubwürdig und integer“, stellt er klar, auch wenn es keine „alle selig machende“ Lösung gebe, weil alle Vereine verschieden seien. Schon deshalb scheitere der FWG-Antrag an der Systematik. Gegen die Stimmen der FWG, bei einer Enthaltung der FDP, wurde die Neuregelung mehrheitlich beschlossen.

Dafür wurde ein weiterer FWG-Antrag zur Verbesserung der Nahversorgung im Solztal einstimmig angenommen. Michael Barth, der auch Ortsvorsteher von Kathus ist, hatte die schlechte Versorgungslage im Solztal moniert, der nächste Supermarkt liege in der Hohen Luft, zu weit entfernt, um ihn fußläufig zu erreichen. Er regte an, mit einer großen Handelskette aus Fulda Kontakt aufzunehmen, die derzeit 24 Stunden geöffnete Kompakt-Supermärkte ohne Personal, aber mit breitem Sortiment erprobe.

Bürgermeister Fehling berichtete, er habe bereits mit dem Unternehmen Kontakt aufgenommen. Zunächst habe Fulda Priorität, aber man wolle für weitere Supermärkte dieser Art auch Sorga oder Kathus in Betracht ziehen.

Einstimmig wurde auch ein Antrag der Grünen zum Mehrgenerationen-Wohnen von Jung und Alt (wir berichteten) verabschiedet.

Diskussion um Erdverkabelung

Die FWG-Fraktion möchte erreichen, dass die geplante 380kV Höchstspannungsleitung von Mecklar nach Dipperz im Bereich von Kathus und Sorga unterirdisch verläuft. In einem Antrag bittet die Fraktion darum, dass sich der Magistrat dem Trassenbetreiber Tennet gegenüber entsprechend positioniert. Eine solche eindeutige Vorfestlegung auf Erdkabel wollte indes Anne Kleine von den Grünen nicht mittragen. Sachlich und fachkompetent erläuterte sie, „dass beide Maßnahmen nicht zum ökologischen Nulltarif“ zu haben sind. Auch ein Erdkabel habe Nachteile für die Natur. Sie plädierte deshalb für „technologische Offenheit“. Die soll nun im Ausschuss hergestellt werden, wohin der Antrag einstimmig überwiesen wurde. 

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