Deutsche Teilung und Wiedervereinigung waren Thema

Südkoreaner zu Gast im Kreis Hersfeld-Rotenburg

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Bei der Begrüßung wurden Visitenkarten verteilt und die ersten Fotos gemacht. Im blauen Anzug mit roter Krawatte Landrat Dr. Michael Koch.

Hersfeld-Rotenburg. Fast 9.000 Kilometer Luftlinie trennen Deutschland und Südkorea, dennoch haben beide Länder einiges gemeinsam. Das erfuhr eine südkoreanische Delegation aus Landräten, Bürgermeistern und Beamten bei einem Besuch am Mittwoch im Landkreis Hersfeld-Rotenburg. 

Nicht nur die Erfahrung, in einem geteilten Land zu leben – auch den demografischen Wandel und den Wegzug aus den ländlichen Regionen kenne man in Südkorea, sagt Hersfeld-Rotenburgs Landrat Dr. Michael Koch, der im vergangenen Jahr auf der koreanischen Halbinsel war und vorgeschlagen hatte, Kontakt zu einer Grenzregion aufzubauen und Erfahrungen auszutauschen (wir berichteten).

„Schrei nach Freiheit“

Die Gäste gehören dem „Rat der 10 Grenzstädte und -landkreise an der Demilitarisierten Zone“ an, der 2008 ins Leben gerufen wurde. Für den Beginn des Tages hatten Koch und sein Kollege Reinhard Krebs, Landrat des benachbarten Wartburgkreises in Thüringen, deshalb anschauliche Einleitungsvorträge vorbereitet. „Heute trennt uns nicht mal eine Stunde Fahrtzeit“, so Koch. „Früher wäre es unmöglich gewesen, einander zu besuchen.“ 

Das bestätigte Krebs, der in der ehemaligen DDR aufgewachsen ist und im „Kernjahr 1989“ selbst an der Organisation von Demonstrationen beteiligt war. „Der Schrei nach Freiheit war laut“, berichtete Krebs. Bei der Verständigung half Dolmetscher Young-Soo Kim von der Hanns-Seidel-Stiftung.

Begrüßten und informierten die weit gereisten Gäste aus Südkorea: Hersfeld-Rotenburgs Landrat Dr. Michael Koch (Vierter von rechts), die Erste Kreisbeigeordnete Elke Künholz, Kreistagsvorsitzender Horst Hannich (Zweiter von links) und Reinhard Krebs, Landrat des Wartburgkreises in Thüringen (Fünfter von links). Vor allem das Thema Wiedervereinigung interessierte die Koreaner. Foto: Maaz

Fragen hatten die Gäste aus Südkorea anschließend unter anderem zu gesellschaftlichen Unterschieden und deren Überwindung, zur kommunalen Selbstverwaltung und zur finanziellen Ausstattung der hiesigen Landkreise.

Die Hoffnung der Bürger auf eine Wiedervereinigung sei groß, ob und wenn ja, wann, es jemals so weit sein könne, wisse aber niemand. In der jetzigen Situation mit den aggressiven Provokationen Nordkoreas sei ein Ende der Teilung Koreas eher nicht in Sicht, übersetzte Kim am Rande der offiziellen Gesprächsrunde.

Anschließend ging es für die Delegation ins Herz-Kreislauf-Zentrum (HKZ) und zur Gedenkstätte Point Alpha.

In Österreich und Tschechien hatte sich die Männer-Gruppe zuvor unter anderem über das Bildungssystem und die Landwirtschaft informiert.

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Einladung für Kreis Cheolwon

Die Mittagspause nutzte Landrat Koch gestern, um sich mit Hyun-Jong Lee, Landrat des Landkreises Cheolwon, über mögliche gemeinsame Projekte in der Zukunft auszutauschen. Beide Seiten bekundeten Interesse an einer engeren und vertrauensvollen Zusammenarbeit, heißt es. Das Kennenlernen am Mittwoch sei eine erste Grundlage dafür gewesen. Koch lud seinen Amtskollegen zu einem weiteren Besuch ein. Mögliche Bereiche, in denen man sich austauschen können, seien etwa Soziales und Schulen.

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