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Die Schauspielerin aus dem Kasten auf der Bühne

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Von: Eden Sophie Rimbach

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Wandlungsfähig ist Bettina Hauenschild: In Notre Dame ist sie sowohl als Einsiedlerin Paquette-la-Chantefleurie als auch in einer männlichen Rolle zu sehen.
Wandlungsfähig ist Bettina Hauenschild: In Notre Dame ist sie sowohl als Einsiedlerin Paquette-la-Chantefleurie als auch in einer männlichen Rolle zu sehen. © Eden Sophie Rimbach

Die Schauspielerin Bettina Hauenschild hat eine ganz besondere Rolle in „Notre Dame“. Die meiste Zeit verharrt sie regungslos in einem Kasten auf der Bühne der Stiftsruine.

Bad Hersfeld – „Habermus“ mit dreierlei Gewürzen, Obstsalat mit Joghurt und dazu Kräutertee aus der eigenen Teemanufaktur: So sieht Bettina Hauenschilds Frühstück aus. Was sich hinter dem Begriff „Habermus“ verbirgt, erklärt sie gern. Denn angelehnt an Hildegard von Bingen gibt es bei ihr morgens Dinkelschrotbrei mit Galgant, Bertram und Zimt. Dass man diese drei Gewürze jeden Tag zu sich nehmen sollte, weiß die Schauspielerin und Heilpraktikerin.

Mit einem Lächeln sagt sie über ihr Frühstück: „Deswegen schaffe ich meinen ganzen Alltag – meinen verrückten.“

Aktuell gehören zu diesem zwei Rollen in „Notre Dame“. Als Einsiedlerin Paquette-la-Chantefleurie spielt sie größtenteils in einem Käfig auf der Bühne. Zu sehen ist sie dadurch über einen langen Zeitraum und auch dann, wenn ihre Figur nicht im Fokus der Handlung steht. Hauenschild erklärt, dass der Aufbau der Bühne dazu beigetragen hat.

Da der Kasten ansonsten immer hätte weggeräumt werden müssen, hatte sie vorgeschlagen, einfach darin auf der Bühne zu bleiben.

Bevor ihre Figur aus dem Kasten befreit wird, wird die Geschichte der Paquette-la-Chantefleurie erzählt – allerdings nicht von ihr, wenngleich die Emotionen der Figur durch das Erzählte und Hauenschilds Spiel spürbar werden. Die Magie des Stücks liege darin, dass vieles erzählt wird, dadurch viel mehr im Kopf der Zuschauer entstehe.

„Das ist wie eine Befreiung, in dem Kasten zu sitzen“, sagt Hauenschild. Hier habe sie viel Freiraum, meditiere auch. Sie erklärt, dass die Sinne dabei nicht abgeschaltet seien, man sehr präsent sei.

Eine Szene, in der jede Figur etwas anderes ist, bot Hauenschild eine Möglichkeit. Schon lange habe sie Joern Hinkel darum gebeten, eine männliche Rolle spielen zu dürfen. Der Grund: Die Frauenrollen seien in der Theaterliteratur meist sehr beschränkt auf das Leiden und das Emotionale. „Wir haben ganz andere Möglichkeiten zu spielen, wenn wir nicht festgelegt sind“, sagt sie über die Überwindung dieser Zweiteilung. Die männliche Rolle, die Hauenschild spielt, rettet Dichter Pierre Gringoire durch einen Einfall.

„Das ist für mich der Spaß an dem Beruf“, sagt sie darüber, wie sie ganz in die jeweilige Rolle schlüpft: „Ich bin dann jemand anderes und entdecke andere Seiten von mir.“ Nicht einmal ihre eigene Tochter habe die Mutter in der männlichen Rolle erkannt. Viel gelernt habe Hauenschild von ihren drei Töchtern, für die sie sehr dankbar ist. Sie beschreibt sich als allgemein sehr glücklichen Menschen, ist dankbar für ihr Leben. Dazu gehöre auch die Fähigkeit, mit ihrem Pflanzenwissen Menschen und der Natur zu helfen.

Nach einer Lungenentzündung blieb ihre Faszination für Heilpflanzen. Hinzu kam das Bedürfnis, neben Texten für eine Rolle auch Wissen zu erlernen, das bleibt und wächst. „Ich finde, dass sich das wunderbar ergänzt“, sagt sie über die Arbeit mit Heilpflanzen und Schulmedizin.

Als Ratgeberin berichtet sie nun im Fernsehen über die Kraft der Pflanzen, möchte dieses alte Wissen wieder weitergeben. Das tut sie auch als Autorin. Im Rahmen der Festspiele hat sie ihre Bücher „Sprache der Pflanzen“ und „Meine magische Heilküche“ öffentlich präsentiert.

Seit 2018 geht sie dieser Leidenschaft auch im Schloss Hirschgarten in Borken-Nassenerfurth mit ihrer Kräutergärtnerei und Teemanufraktur nach. Dienstagabends gibt es offene Meditation, sonntagnachmittags öffnet das Schlosscafé.

Aus Nassenerfurth kamen mehrere Einwohner gemeinsam zu einer „Notre Dame“-Aufführung. Eine weitere Gruppe plane den Besuch, sei sehr stolz auf Hauenschild. Die Schauspielerin verrät, dass sie gern für sie spiele. (Eden Sophie Rimbach)

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