In der Bewährungszeit versagt: 19-jähriger Dieb aus Bebra muss hinter Gitter

Bad Hersfeld. Die Urteilsverkündung durch das Jugendschöffengericht stand noch aus, doch die Ankunft eines Justizwachtmeisters ließ es schon ahnen: Freiheitsentzug ohne Bewährung und Haftbefehl.

Zu einem Jahr und drei Monaten Jugendstrafe verurteilten Richterin Michaela Kilian-Bock vom Hersfelder Amtsgericht und die beiden Schöffen einen 19-Jährigen aus Bebra wegen Beihilfe zum Raub, mehrerer Diebstähle und Fahrens ohne Führerschein.

Die Chance einer Strafaussetzung zur Bewährung hatte der junge Mann schon vorher verspielt: Die Serie der neuen Taten hatte unmittelbar nach einer Gerichtsverhandlung im Sommer vergangenen Jahres begonnen. Damals war der Bebraer zu sechs Monaten verurteilt worden.

Schwerwiegendster Anklagepunkt war diesmal ein Handtaschenraub im Bad Hersfelder Kurpark, bei dem eine 92 Jahre alte Frau bei dem Überfall so gestürzt war, dass sie eine Beckenfraktur erlitt. Diese Beweisaufnahme ergab allerdings, dass der Bebraner nur Beihilfe geleistet hatte.

Dreiste Diebstähle in einem Heinebacher Elektrogeschäft, wo er mit zwei Komplizen einen Tablet-PC erbeutete, oder in einem Altenheim in Bebra, wo er aus einer Tasche Bares und ein Handy mitnahm, waren nur zwei Punkte einer längeren Liste, die Oberamtsanwalt Berthold Hartung verlas.

In Erwartung des neuen Prozesses hatte sich der Heranwachsende zwischenzeitlich abgesetzt. Wegen Fluchtgefahr erließ das Gericht deshalb gleich nach dem Urteilsspruch einen Haftbefehl und telefonierte eine Polizeistreife herbei, die den 19-Jährigen in Gewahrsam nahm.

Richterin Kilian-Bock hatte dem Angeklagten zuvor allerdings zugute gehalten, durch seine Geständnisse den Prozessverlauf vereinfacht zu haben und sich um Besserung zu bemühen. Doch nicht nur die Jugendgerichtshilfe und Staatsanwaltschaft waren der Ansicht, dass es dem 19-Jährigen momentan an Stabilität fehlt, sondern auch dessen Verteidiger Christian Kusche: „Alleine schafft er es nicht, auch nicht mit einem Bewährungshelfer“, sagte der Anwalt.

Von Karl Schönholtz

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